Heilgymnastik.  675

ärztliche  Ausbildung  zu  geben  und  ihre  Tätigkeit  durch  geschulte  „Wochenpflegerinnen“
  ergänzen  zu  lassen.  Dann  würden  sie  ihren  Aufgaben  vollständig
  gerecht  werden  und  endlich  die  ihnen  gebührende  soziale  Stellung
einnehmen.

Peilgymnaftik,  schwedische.  Anschließend  an  unser  fünftes  Kapitel
des  I.  Teiles  führen  wir  im  Nachstehenden  einige  Übungen  an,  die  sich
zu  Heilzwecken  vortrefflich  bewährt  haben  und  die  an  der  Hand  unserer
photographischen  Aufnahmen  auch  für  Nichtgeübte  verständlich  sein  dürften.
Systematische  Leibesübungen  zwecks  Zuleitung  oder  Ableitung  —  also  zur
Entlastung  eines  mit  Blut  überfüllten  Körperteiles  oder  zur  Kräftigung  eines
anderen,  indem  eine  bessere  Ernährung  desselben  (Durchblutung)  erstrebt  wird.
Derjenige  Körperteil,  der  am  meisten  arbeitet,  empfängt  auch  am  meisten
Blut.  Wir  verweisen  nochmals  auf  unsere
Seite  465  bis  468  gebrachten  Abbildungen
über  Atemgymnastik  und  bringen  hier
zwei  vom  Becken  ableitende  Übungen,
welche  sich  bei  Blutungen,  Vorfällen,
Schwächezuständen  aller  Art  bewährten.
Auf  Fig.  386  zieht  die  Patientin  die
Widerstand  leistende  Gymnastin  zu  sich
herunter,  worauf  letztere  die  Patientin
unter  Widerstand  dieser  wieder  hinaufzieht.
Dabei  muß  die  Patientin  festsitzen,  und  Jie.  388.
die  Übung  muß  gleichmäßig  ausgeführt  Dampfkruken  mit  und  ohne  Überzug.
werden,  mit  kleinen  Pausen,  etwa  vierbis
  fünfmal.  Sie  kräftigt  Arm-,  Brust=  und  Rückenmuskeln  und  darf  nicht
unter  allzu  großer  Mittätigkeit  der  Bauchmuskeln  ausgeführt  werden.  In
Fig.  387  wird  uns  eine  zweite,  sehr  kräftigende  Widerstandsbewegung  vorgeführt,
  welche  auf  die  Muskeln  des  Unterkörpers  wirkt.  Das  Bein  wird
unter  Widerstand  niedergedrückt  und  unter  Widerstand  gehoben.  Diese  Übung
ist  recht  anstrengend.  In  Fig.  305  sehen  wir  eine  Kniespreizung,  der
eine  Kniezusammendrückung  folgt,  welche  die  Muskulatur  des  Beckenbodens
  kräftigt  und  zuleitend  wirkt.  Sie  wird  unter  starkem  Widerstand
ausgeführt  und  jedesmal  drei=  bis  fünfmal  wiederholt.  Bei  Blasen=  und
Darmschwäche,  bei  schlasser  Scheide  ist  sie  angezeigt.

Die  Brusthebung  haben  wir  schon  auf  Seite  468  gebracht.

Im  Rumpfbengen  nach  vorn  und  hinten  haben  wir  eine  dem  Becken
zuleitende  ÜUbung,  welche  auch  mechanisch  auf  die  Eingeweide  einwirkt,  indem
sie  die  Darmschlingen  quetscht  (beim  Beugen  nach  vorn)  und  andere  Organe
verschiebt.  Ganz  gleichmäßig  macht  man  diese  übung  etwa  zwanzigmal  nacheinander.
  Sie  ist  bei  chronischer  Stuhlverstopfung  sehr  wohltätig,  muß  aber

bei  Blutungen  vermieden  werden.  Fig.  317  und  318  stellen  sie  dar.
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