678  Heißhunger  —  Heißluftbad.

mache  man  ableitende  Anwendungen  an  Beinen  und  Becken  und  kühle
Halsaufschläge,  auch  Heißluftbäder  oder  Bettdampfbad  mit  kräftiger  Schweißerzeugung
  und  gebrauche  ganz  leichte,  milde  Kost.  Bei  chronischer  Heiserkeit
  ist  die  Ursache  oft  so  vielfältig,  daß  erst  Kehlkopfspiegelung  und  gründliche
ärztliche  Beratung  vorangehen  müssen,  bevor  man  die  Behandlung  bestimmen
kann.  Heiße  Halsaufschläge  sind  oft  recht  wirksam;  das  Trinken  von  Fliedertee
  des  Abends,  kalte  Rumpfpackung  nachts,  tägliches  Einatmen  von  heißen
Dämpfen  (Inhalationen),  auch  Wechselduschen  auf  den  Kehlkopf,  warme
Kräuterbäder  haben  oft  Heilung  gebracht.  Bei  Tuberkulose  aber  sitzt  die
Ursache  tiefer,  da  sind  die  Erfolge  geringer.  Bei  fein  angepaßter  Pflege  läßt
sich  aber  auch  hier  noch  vieles  erreichen.

Beibbunger.  Nervöse  Personen  mit  schwachen  Verdauungsorganen
leiden  oft  an  nicht  zu  stillendem  Hunger.  Sie  füllen  hastig  ihren  Magen  an;
sie  überanstrengen  dadurch  ihren  Darm  und  laden  sich  quälende  Beschwerden
auf;  die  Eßgier  nimmt  aber  deswegen  doch  nicht  ab.  Man  wird  in  den
meisten  Fällen  richtiger  gehen,  wenn  man  die  wahre  Ursache  dieser  höchst
krankhaften  Erscheinung  nur  auf  nervösem  Gebiete  sucht  und  weniger  eine
Magenkrankheit  als  ein  Versagen  der  Empfindungsnerven  darin  erblickt.
Strenge  Leitung  und  Beaufsichtigung  solcher  Personen,  die  selten  die  Kraft
haben,  sich  selbst  zu  beherrschen,  ist  notwendig;  sonst  gesellen  sich  zur  allgemeinen
Unruhe  noch  Magendruck,  Gasbildung,  Stuhlbeschwerden  und  unberechenbare
Stimmungen.  Vorgemessene  Nahrungsmengen,  Vermeidung  aller  Reizmittel,
wie  Alkohol,  Gewürze,  Essig,  Fleischbrühe,  Kaffee,  täglich  reichliche  Bewegung
im  Freien  bis  zur  vollständigen  Ermüdung,  befriedigende,  ableitende  Arbeit,
Luftbäder  und  nur  sehr  milde  Wasserbehandlung  werden  Heilung  bringen.
Leuten  aber,  die  nichts  zu  tun  haben,  stets  über  sich  und  ihre  Zustände  grübeln.
und  immer  gleich  bereit  sind,  das  leiseste  ihrer  Bedürfnisse  zu  befriedigen,
ist  schwer  zu  helfen,  solange  sie  nicht  ein  anderes  Leben  beginnen  wollen.

Man  findet  solches  gesteigerte  Hungergefühl  demnach  bei  Hoysterie,
Hypochondrie,  Epilepsie,  Zuckerkrankheit  usw.  Augenblickliche  Beruhigung
bringt  kaltes  Wasser,  schluckweise  getrunken,  einige  Löffel  schwarzer  Kaffee,
(ausnahmsweise  als  Arznei),  auch  etwas  Olivenöl  wird  empfohlen,  schließlich
eine  Magenmassage.  Sexuelle  Verirrungen  bilden  oft  die  Grundlage
solcher  nervösen  Erscheinungen.  Bei  nächtlichen  Hungeranfällen,  die  auch
willensschwache  Neurastheniker  oft  haben,  halte  man  sich  Nährsalzkakes  und
Biskuit  bereit,  oder  nehme  auch  einen  Schluck  Heidelbeer=  oder  Preißelbeermost.
  Beides  beruhigt  und  ermöglicht  dadurch  neuen  Schlaf.

Beißluftbad.  Fig.  388  und  389  stellen  einen  Apparat  dar,  wie  er
in  jedem  Haushalt  benützt  werden  kann.  Mittelst  einer  Spiritusflamme  wird
die  „Heizkammer“  erwärmt,  welche  den  Innenraum  bald  so  erhitzt,  daß  man
eine  Lufterwärmung  bis  über  42°%  R.  erreicht.  Den  Kopf  außerhalb  des
erwärmten  Raumes,  sitzt  der  Schwitzende  auf  einem  Stuhl  mit  Lehne  für