682  Heuschnupfen  —  Hexenschuß.

Frauen  zum  Troste.  Auch  bei  Neurasthenie  und  Blutarmut  gibt  es  be—
ängstigende  Herzerscheinungen,  die  nur  mit  dem  Blutmangel  oder  der  allgemeinen
  Nervenschwäche  zusammenhängen  und  wieder  verschwinden,  wenn
diese  geheilt  werden.  Ebenso  bei  jenen  Magenleiden,  die  mit  Gasauftreibungen
  des  Magens  zusammenhängen.  Alle  diese  Zustände  vermag  der  Nichtarzt
  natürlich  nicht  auseinander  zu  halten.  Sie  erfordern  alle  Sorgfalt,  aber
auch  oft  entgegengesetzte  Verordnungen.  Allen  Herzkranken  gemeinsam  ist
der  beständige  Kampf  um  Erhaltung  einer  guten  Zirkulation  der  Säfte,  da
sie  bei  unregelmäßiger  Herztätigkeit  nur  zu  leicht  ins  Stocken  geraten.  Mit
allen  Mitteln  muß  daher  stets  für  warme  Füße  gesorgt  werden.  Warme
Beinbäder,  Tuch=  oder  Filzschuhe,  trockene  Frottierungen  der  Sohlen,  magnetische
  Behandlung,  vorsichtige  Zufuhr  kleiner  Mengen  Henselscher  Salze,  tägliches
  Tiefatmen  verbunden  mit  gut  angepaßten  Luftbädern  werden  bei  Herzkranken
  oft  wunderbare  Erfolge  haben.  Tanzen,  Radfahren,  Rudern,  sexuelle
Reize  oder  Entbindungen  sind  für  herzkranke  Frauen  im  allgemeinen  ganz
zu  vermeiden.

Beuschnupfen.  Es  gibt  Personen,  die  gegen  den  Geruch  des  Heues
oder  blühender  Wiesen  so  empfindlich  sind,  daß  sie  davon  eine  Entzündung
der  Nasenschleimhaut,  geschwollene  Augenlider  usw.  bekommen.  Man  wachte
den  Blütenstaub  dafür  verantwortlich.  Da  dieselbe  Form  dieses  Schnupfens
aber  auch  zu  andern  Jahreszeiten  als  plötzlicher  Anfall  auftritt,  neigt  man
jetzt  mehr  dazu,  in  dem  Heufieber  ein  nervöses  Leiden  zu  erblicken,  zu  dessen
Ausbruch  es  gar  keines  Blütenstaubes  bedarf.  —  Allgemeine  Kräftigung  und
Abhärtung,  dann  die  Behandlung  wie  beim  gewöhnlichen  Schnupfen
bringen  Besserung.  Wer  aber  wirklich  ausgesprochene  Reizbarkeit  gegen
den  Heugeruch  hat,  weiche  ihm  zuerst  aus,  dann  aber  suche  er  durch
Selbstbeeinflussung  (Autosuggestion)  diesen  Reiz  zu  überwinden.  Fortgesetzte
Willensanstrengungen  werden  neben  anderer  Behandlung  zum  Ziele  führen.
Man  berate  mit  einem  erfahrenen  Arzte  die  eigenen  sexnellen  Verhältnisse.
Oft  liegt  dort  die  Grundursache  der  rätselhaften  Anfälle.  Warme  Boraxspülungen
  werden  auch  hier  Erleichterung  bringen.

Berenschuß.  Bei  einer  Bewegung  des  Körpers  tritt  plötzlich  ein
heftiger  Schmerz  in  der  Lenden=  oder  Gesäßgegend  auf,  der  weitere  Bewegungen
  unmöglich  macht.  Die  Heftigkeit  des  Schmerzes  kann  viele  Tage
anhalten  und  zu  vollständiger  Unbeweglichkeit  des  Unterkörpers  führen.  Infolge
  des  schlechten  Stoffwechsels,  den  viele  Frauen  haben,  neigen  sie  häufiger
zu  „Hexenschuß",  als  man  dies  bei  Männern  beobachten  kann.  Die  Plötzlichkeit
  des  Schmerzes  ist  eigentlich  noch  nicht  erklärt;  man  nimmt  als  Ursache
Zerreißung  von  Muskelfasern  an,  Rheumatismus  (was  dieser  ist,  weiß  man
eigentlich  auch  nicht)  oder  Entzündung  von  Nervensträngen.  Letztere  scheint
uns  die  wahrscheinlichste  Erklärung.  Daß  es  sich  dabei  immer  um  Selbstgifte
handelt,  die  sich  beispielsweise  bei  chronischer  Stuhlverstopfung  so  häufig  ent-