Hinken  —  Hodenentzündung.  683

wickeln  und  sich  so  gerne  „auf  die  Nerven  schlagen“,  beweist  die  Geschichte
einer  sechsundfünfzigjährigen  Frau,  die  am  Vormittag  heftigsten  Hexenschuß
auf  der  rechten  Seite  bekam,  stöhnend  und  keiner  Bewegung  fähig  im  Bette
von  der  Arztin  gefunden  wurde  und  am  nächsten  Morgen,  nachdem  sie  zweimal
  einen  Tee  von  Faulbaumrinde  und  Schlehdornblüte  getrunken
und  darauf  tüchtige  Entleerungen  gehabt  hatte,  fast  schmerzfrei  war.

Behandlung.  Ruhe,  heiße  Ausschläge,  Darmentleerung,  Bettdampfbad,
kühle,  milde,  leichte  Kost,  später  Massage,  ableitende  Güsse  und  nach  eingetretener
Besserung  kräftige  Bewegung,  bei  Fetten  aber  eine  kleine  Fastenkur,  um  einen
besseren  Stoffwechsel  herzustellen,  wird  immer  helfen,  wenn  der  Zustand  nicht
schon  chronisch  geworden  ist.  Bei  voll  entwickelter  Ischias  bedarf  es  oft
monatelanger  Kur.  Wenn  Klhystiere  nicht  ausreichend  sind,  gebe  man  einige
Tage  nacheinander  den  genannten  Tee  und  sorge  für  tüchtigen  Schweiß.

Hinken.  Stehen  die  beiden  Hüften  nicht  in  gleicher  Höhe,  so  entsteht
eine  Gangart,  die  man  „hinken“  nennt.  Fehler  im  Gelenke,  Versteifung,
Verkürzung  eines  Beines  führen  dazu.  Verrenkung  des  Hüftgelenkes,  Schiefwuchs
  eines  Schenkelbruches,  Zerstörung  des  Schenkelkopfes,  nach  Eiterungen
nsw.,  sowie  Erkrankungen  des  Beines  oder  Fußes  sind  deren  Ursachen.  (Siehe
„Knieerkrankungen“.)  Manche  Arten  von  Hinken  sind  durch  orthopädische
Behandlung,  Streckapparate  vollständig  zu  beheben,  oder  können  doch  so  vermindert
  werden,  daß  man  sie  kaum  mehr  bemerkt.  Für  junge  Frauen  ist  das
Übel  noch  viel  ärger  als  für  Männer;  man  lasse  also  nichts  unversucht.  Die
beiden  Orthopäden  Paschen  und  Hessing  haben  schon  vielen  die  ersehnte
Hilfe  gebracht.  Oft  wird  in  der  ersten  Kindheit  schon  die  Ursache  zum  Hinken
gelegt,  durch  verborgene  Verrenkung  des  Hüftgelenkes  usw.  In  unklaren
Jällen  ziehe  man  sofort  einen  Chirurgen  hinzu.

Pitzschlag.  „Hitzschlag“  und  „Sonnenstich“  entstehen  nach  intensiver
Wärmeentwicklung,  also  beispielsweise,  wenn  wir  stundenlang  den  heißen  Sonnenstrahlen
  ausgesetzt  werden.  Ubelkeiten,  Kopfschmerzen,  auch  Krämpfe  und  Bewußtlosigkeit,
  welchen  der  Tod  folgen  kann,  sind  die  Folgen.  Geistige  und  körperliche
  Müdigkeit  können  auch  lange  noch  nachwirken.  Durch  leichte  und  durchlässige
Kleidung,  strenge  Vermeidung  des  Alkohols  sowie  reichliches  Wassertrinken  kann
man  bei  Märschen  die  Wirkung  der  Sonnenstrahlen  auf  das  Gehirn  verhüten;
beschatteter  Kopf  und  nackte  Füße  lassen  uns  ferner  auch  die  größte  Hitze  schadlos
ertragen.  Ist  aber  jemand  vom  Sonnenstich  betroffen  worden  und  umgefallen,  dann
sei  unser  erstes  Beseitigung  der  Stiefel,  Freimachung  der  Brust,  Lagerung  im  kühlen
  Schatten,  kühle  Kopfkompressen  und  künstliche  Atmung  (Fig.  273  und  27.),  dadurch
  kommt  die  Wärmeausstrahlung  in  Gang,  auch  die  stockende  Zirkulation,  und
der  Betroffene  erholt  sich  langsam.  Kann  er  noch  nicht  trinken,  dann  wasche  man
ihn  mit  kühlem  Wasser;  sonst  mache  man  Darmeingießungen  von  280  bis  30°  C.

PDodenentzündung.  Sie  tritt  sowohl  durch  Ansteckung  bei  unsittlichem
  Lebenswandel  (Tripper)  als  auch  nach  Verletzungen  und  in  Begleitung