Impotenz.  689

ist  es  nicht  zu  verwundern,  wenn  man  nach  allen  möglichen  Heilmethoden
greift,  um  schweren  Gefahren  zu  entrinnen.  Die  schwarzen  Pocken  sind  zeit—
weise  eine  furchtbare  Plage  gewesen,  die  Angst  vor  ihnen  beherrschte  alle
Gemüter.  So  kam  also  die  Jennersche  Pockenimpfung  im  Jahre  1796
auf.  Man  impfte  zuerst  von  dem  Eiter  ein,  welcher  den  Pocken  der  Kühe
entnommen  wurde,  und  nachdem  davon  am  Arme  eines  Kindes  große  Pusteln
entstanden  waren,  entnahm  man  diesen  den  neuen  Eiter  und  übertrug  ihn
auf  ein  anderes  Kind.  Gegenwärtig  hat  man  ein  anderes  Verfahren,  das
wir  im  folgenden  kurz  beschreiben.

Aus  gut  aufgegangenen  Pockenpusteln  von  dem  Arme  eines  Kindes  wird
die  aussickernde  Flüssigkeit,  der  Pockeneiter,  entnommen  und  mit  der  Impflanzette
  auf  die  Bauchhaut  eines  Kalbes  übertragen,  indem  man  auf  derselben
längliche  Schnitte  macht.  Selbstverständlich  erkrankt  das  Tier  darauf,  die
Bauchhaut  entzündet  sich  heftig  und  es  entstehen  Ausschwitzungen  und  Pusteln.
Wenn  sie  die  volle  Reife  erlangt  haben,  kratzt  man  die  Bauchdecke  mit  scharfen
Instrumenten  ab,  vermischt  den  erhaltenen  Brei  mit  Glyzerin  und  füllt  kleine
Tuben  damit.

Das  ältere  Verfahren,  von  Kind  auf  Kind  zu  impfen,  hat  sich  bei
Massenimpfungen  als  unzulänglich  erwiesen,  auch  hat  es  sich  in  vielen  Fällen
gezeigt,  daß  andere  Krankheiten,  mit  welchen  einzelne  Säuglinge  behaftet
waren,  auf  gesunde  Kinder  übertragen  wurden  und  so  ist  man  davon  abgekommen
  und  hat  die  Herstellung  der  Impflymphe  Instituten  übertragen,
welche  allen  Anforderungen  der  Wissenschaft  entsprechen.

Allem  Anscheine  nach  hat  die  Heftigkeit  der  Pocken  bedeutend  nachgelassen.
  Auch  bei  anderen  epidemischen  Krankheiten  läßt  sich  ein  An=  und
Abschwellen  deutlich  beobachten.  Eine  fast  bleibende  Stätte  haben  die  Pocken
jedoch  in  den  östlichen  Ländern,  wo  es  an  Hygiene  und  Reirnlichkeit  fehlt.
Und  dies  kann  uns  weiter  ermutigen  und  anspornen,  nichts  zu  unterlassen,
was  in  Haus  und  Familie  dazu  beitragen  könnte,  die  allgemeinen  Gesundheitsverhältnisse
  zu  bessern,  um  auf  diesem  Wege  den  Aunsbruch  von  Seuchen
zu  verhüten.  Bei  gesunder  Lebensweise  werden  Erkrankungen  an  Pocken
niemals  so  schwere  werden,  wie  sie  bei  von  Alkohol  durchseuchten,  im  Schmutze
lebenden  Menschen  beobachtet  wird.  Bricht  aber  einmal  eine  Epidemie  aus,
dann  halte  man  sich  an  die  Behandlungsmethode  der  physikalisch-diätetischen
Heilweise.

Impotenz.  Man  bezeichnet  damit  gewöhnlich  das  Unvermögen  des
Mannes,  den  Beischlaf  in  normaler  Weise  auszuführen.  In  der  Che  ist  es
dringend  nötig,  daß  auch  die  Frau  für  die  Zustände  des  Mannes  Verständnis
habe.  Neurasthenie,  schwere  Gemütsverstimmungen,  sexuelle  überanstrengung,
Onanie  können  vorübergehende  oder  auch  bleibende  Impotenz  zur  Folge
haben.  Obwohl  es  noch  nicht  das  größte  Unglück  für  den  Menschen  ist,
wenn  er  sich  nicht  fortpflanzen  kann  oder  auf  Liebesgenuß  verzichten  muß,  so

Die  Frau  als  Hausärztin.  41