690  Infektionskrankheiten  —  Irrenanstalten.

ist  es  doch  für  den  Mann,  der  eine  Liebesehe  geschlossen  hat,  äußerst  beschämend,
das  Bewußtsein  ertragen  zu  müssen,  seiner  männlichen  Aufgabe  nicht  gerecht
werden  zu  können.  Zaghafte  oder  zerrüttete  Naturen,  welche  alles  Selbstvertrauen
  eingebüßt  hatten,  haben  deshalb  auch  oft  Selbstmord  begangen.
Die  Mannesschwäche  oder  Impotenz  äußert  sich  entweder  durch  zu
frühzeitigen  Samenerguß  oder  dadurch,  daß  das  männliche  Organ  die  Fähigkeit
  verloren  hat,  die  zur  Ausübung  des  Aktes  nötige  Steifigkeit  anzunehmen.
Nie  mache  eine  Frau  ihrem  Manne  solcher  Zustände  wegen  Vorwürfe;  vielmehr
  spreche  sie  ihm  Mut  zu,  hebe  sein  Selbstvertrauen  und  sorge  für  richtige
ärztliche  Behandlung,  damit  wieder  Besserung  eintritt.  Je  nach  der  Verfassung
  seines  Nervensystems,  nach  der  Beschaffenheit  seines  Berufes,  nach
seinem  Ernährungszustand  (ob  fett  oder  mager),  nach  der  Art  überstandener
Krankheiten  wird  sich  die  Behandlung  richten.  Man  wende  nicht  Geheimmittel
  an,  sondern  vertraue  sich  einem  guten  Nervenarzte  an.

Infektionskrankheiten.  Wir  haben  sie  schon  unter  „Ansteckende
Krankheiten“  besprochen.  Man  zählt  alle  akuten  Ausschlagskrankheiten,  wie
Masern,  Scharlach,  Pocken  usw.  dazu,  Typhus,  Pest,  Cholera,  Influenza,  aber
auch  die  geschlechtlichen  Ansteckungskrankheiten,  wie  Syphilis,  Gonorrhoe
(Tripper),  mit  einem  Worte  alle  von  einem  Menschen  auf  einen  anderen  übertragbaren
  Krankheiten.  Wie  man  sich  davor  zu  schützen  hat  und  wie  sie  zu  heilen
sind,  geht  aus  dem  ganzen  Buche,  sowie  aus  seinen  einzelnen  Teilen  hervor.

Influenzas  siehe  „Grippe“.  Sie  tritt  epidemisch  alljährlich  in  Europa
auf  und  wütet  am  meisten  in  den  Großstädten.  Weiß  man,  daß  sie  wieder
herumzieht  und  fühlt  man  den  bekannten  Schuupfen  in  sich,  dann  mache  man
vorbeugend  als  erstes  eine  Rumpfpackung  mit  heißem  Wasser,  lege  eine
Wärmeflasche  an  und  trinke  vor  dem  Zubettegehen  heißen  Lindenblütentee.
Die  Nase  spritze  man  täglich  mit  lauem  Boraxwasser  mehrmals  aus  und
gurgle  auch  damit.  Als  Nahrung  nehme  man  nur  Milch,  Obst,  wenig  Brot,
vermeide  viel  Flüssiges,  Massiges  oder  Erregendes  und  man  wird  staunen,
wie  oft  es  bei  solchem  Verhalten  gelingen  wird,  den  Anfall  abzuschlagen.
Die  heiße  Packung  kann  man  wiederholen  und  muß  sich  bemühen,  zum
„Dunsten“  zu  kommen.  Solche  nächtliche  Behandlung  ist  die  einfachste  und
stört  im  Berufe  nicht.  Bei  eintretender  Verschlechterung,  Stechen  im  Rippenfell
  usw.  muß  doch  ein  Arzt  geholt  werden.

Jris  oder  „Regenbogenhaut“  heißt  die  farbige  Haut,  welche  die  Pupille
bildet,  Jridotomie  ist  die  Ausschneidung  eines  Teiles  der  Iris,  um  die
Pupille  zu  vergrößern,  was  bei  gewissen  Augenkrankheiten  neue  Möglichkeit
zum  Sehen  gibt.

Irrenanftalten.  Geisteskranke  bedürfen  strenger  überwachung,  und
ihre  Pflege  verursacht  solche  Schwierigkeiten,  daß  man  ohne  gut  eingerichtete
Anstalten  und  ohne  ein  eingeübtes  Personal  nicht  auskommt.  In  allgemeinen
sind  Privat-Irrenanstalten  besser  eingerichtet,  als  Landesanstalten,  in