Irrigator  —  Jucken.  691

welchen  vorzugsweise  unbemittelte  Kranke  Aufnahme  finden.  Ein  mustergültiges
„Sanatorium“  mit  allen  Einrichtungen  für  Hydro-,  Elektro=  und  Mechano-Therapiehatbeispielsweise
  Wien  in  seinen  niederösterreichischen  Landes-Heilund
  Pflege-Anstalten  für  Geistes=  und  Nervenkranke  am  „Steinhof“.  Vortreffliche
  hygienische  Einrichtungen,  hochelegante  Unterhaltungsräume,  bevorzugte
Lage  zeichnen  es  aus.  Das  warme  Dauerbad  ist  eine  vielgebrauchte  Anwendung
da,  auf  die  „Zwangsjacke“  wird  nur  in  ganz  seltenen  Fällen  zurückgegriffen.

Irrigator.  Ein  Blechgefäß  mit  langem  Schlauch,  an  dessen  Ende  ein
hartes  Rohr  angebracht  ist,  das  zur  Ausspülung  verschiedenster  Körperteile
benutzt  werden  kann,  heißt  „Spülkanne"  oder  „Irrigator“.  Je  höher  das
Gefäß  hängt,  desio  größer  ist  der  Druck,  unter  welchem  der  Wasserstrahl
steht,  desto  schärfer  also  auch  die  Wirkung  der  Ausspülung.  Es  ist  fast  in
jeder  Haushaltung  zu  finden.

Jschias  („Hüftweh"),  siehe  „Hexenschuß".  Die  Erkrankung  des  großen
Hüftnerven  (Jschiadikus)  verursacht  heftige  Schmerzen,  macht  die  davon  Befallenen
  zum  Gehen  unfähig  und  kann  sehr  hartnäckig  werden.  Man  lasse
sie  nicht  chronisch  werden!

J.

Jägersche  Reformkleidung.  Jäger  hat  das  Verdienst,  die  Reform
  der  Kleidung  in  Gang  gebracht  zu  haben.  Seine  Behauptung,  daß  nur
Schafwolle  den  für  den  Menschen  richtigen  Bekleidungsstoff  gibt,  findet  keine
neuen  Anhänger  mehr;  doch  sind  einzelne  seiner  Ideen  Allgemeingut  geworden.
Die  Durchlässi  gkeit  der  Bekleidungsstoffe,  ihre  Aufsaugungsfähigkeit,
größere  Berücksichtigung  der  natürlichen  Körperformen  hat  Jäger  zur  Geltung
gebracht.  Bekanntlich  hat  sich  Jäger  mehr  mit  der  Reform  der  Männerkleidung
  beschäftigt.  Dr.  Lahmann  hat  dagegen  viel  zur  Verbesserung  der
weiblichen  Kleidung  getan.  Hochinteressant  ist  die  Jägersche  Duftlehre.

Jodkrankheiten.  Der  Glaube  an  die  Wirksamkeit  der  Jodbehand-=lung
  ist  noch  immer  nicht  überwunden.  Unzählige  Menschen  reiben  ihren  Kropf
vergeblich  mit  Jod  ein  und  haben  dabei  nur  eine  Jodvergiftung  erworben.  Sie
äußert  sich  durch  Hantausschläge,  Jodfieber  und  Schnupfen,  auch  vorübergehende
Lähmungen.  Daß  Jodpinselungen  die  Haut  für  lange  Zeit  braun  färben,  auch
wunde  Stellen  hervorrufen  können,  ist  bekannt.  Weiß  man,  daß  Jod  sich  im
Körper  angesammelt  hat,  dann  muß  man  es  durch  Trockenpackungen  und
Schwitzkuren  herauszutreiben  suchen  und  für  kräftigen  Stoffwechsel  sorgen.

TJucken.  Ein  brennend-stechendes,  nicht  schmerzhaftes  Gefühl  in  den
Endigungen  der  Hautnerven  erregt  diejenigen  Empfindungen,  die  man  „Jucken“
nennt.  Es  entsteht  an  allen  Körperteilen  und  verleitet  zu  einer  Abwehr  durch

die  Hand:  dem  Kratzen.  Das  Jucken  ist  eine  Begleiterscheinung  gewisser
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