692  Jungbleiben  —  Jungfernhäutchen.

Hautkrankheiten,  wie  der  Krätze,  einzelner  Nervenkrankheiten,  des  Schmutzes
und  auch  ein  Zeichen  von  allerlei  Störungen  in  der  Hauttätigkeit.  Beim
„Juckausschlag"  (Prurigo)  ist  es  das  unangenehmste  Symptom,  das  auch
ruhige,  kräftige  Lente  zur  Verzweiflung  zu  bringen  vermag.  Bei  älteren
Frauen  ist  heftiges  Jucken  an  den  Geschlechtsteilen,  das  bis  zum  blutigen
Aufkratzen  führt,  keine  seltene  Erkrankung  und  widerstrebt  mitunter  jeglicher
Behandlung.  Do  solches  heftiges  Jucken  die  Menschen  sehr  nervös  macht,
auch  in  peinlichste  Lagen  bringt,  fordert  es  alle  Sorgfalt  des  Arztes  heraus.
Meist  verschwindet  es  nach  Besserung  des  Allgemeinzustandes.

Behandlung  des  Juckens  richtet  sich  stets  nach  der  Grundursache.
Mitunter  aber  ist  diese  nicht  zu  entdecken.  Ein  Beispiel:  Eine  etwa  vierzigjährige
  Lehrerin,  die  öfter  an  Gebärmutterkatarrh  litt,  hatte  Pruritus  genitalium,
Jucken  an  den  Geschlechtsteilen,  seit  fast  zwei  Jahren,  scheute  sich
aber  begreiflicherweise,  einem  männlichen  Arzte  sich  anzuvertrauen.  Endlich
kam  sie  in  die  Behandlung  der  Verfasserin.  Diese  beseitigte  den  Ausfluß,
regelte  den  Stuhlgang,  verordnete  streng  reizlose  Diät,  längere  Schulferien,
Wasserbehandlung  usw.  Das  Übel  kam  immer  wieder  und  erschöpsfte  die
Geduld  der  Patientin  und  Arztin.  Eines  Tages  bekam  sie  heftigen  Kopfschmerz,
  legte  sich  nieder  und  —  war  in  wenigen  Minuten  tot.  Die  Sektion
ergab:  Verkalkung  der  Arterien,  die  vorher  kein  Arzt  gefunden  hatte.  Andere
ähnliche  Fälle  dagegen  wurden  bald  ausgeheilt.

In  welcher  Weise  die  Arterienverkalkung  mit  dem  krankhaften  Jucken
zusammenhing,  läßt  sich  nicht  genan  nachweisen;  nur  so  viel  ist  sicher,  daß  es
mitunter  auch  mit  ernsteren  Störungen  in  Verbindung  steht,  z.  B.  bei  schweren
Nierenerkrankungen,  und  daß  seine  Beseitigung  immer  nur  dann  gelingen
wird,  wenn  man  auch  seine  Ursache  noch  beheben  kann.

Beruhigend  wirken  warme  Sitzbäder,  Einölung  mit  Mandelöl,  eine
zarte  verteilende  Streichmassage,  auch  Ganzpackungen.  Kaltes  Wasser  ist
für  den  ersten  Augenblick  sehr  wohltätig,  hat  aber  seiner  erregenden  Wirkung
wegen  meist  noch  heftigeres  Jucken  zur  Folge.

Jungbleiben  erzielt  man  durch  Alkohol-Abstinenz,  Obstnahrung,
Wald-Luftbäder,  Gymnastikt  Man  betrachte  Tafel  30:  Hautelübungen
einer  Fünfzigjährigen.  Wie  elastisch  und  jugendlich  die  Bewegungen  und
die  Gestalt!

Jungfernbäutchen.  Man  bezeichnet  damit  den  teilweise  häutigen
Verschluß  der  weiblichen  Scheide,  welcher  beim  ersten  Begattungsakt  eingerissen
wird.  Dieses  Einreißen  verursacht  oft  eine  kleine  Blutung  und  einen  leichten
stechenden  Schmerz,  hat  aber  nichts  weiter  zu  bedenten.  Das  Häutchen  wurde
vor  allem  als  Beweis  der  Reinheit  eines  Mädchens  betrachtet  und  ihm  um
so  mehr  Bedeutung  beigelegt,  je  tiefer  die  Stellung  des  weiblichen  Geschlechtes
im  allgemeinen  war,  d.  h.  je  mehr  es  nur  Geltung  als  Geschlechtswesen
hatte.  Um  die  Unzuverläßigkeit  dieses  Beweismittels  darzutun,  sei  nur