694  Jüngling.

ihren  Söhnen  gewachsen  bleiben.  Möchten  Haus  und  Schule  bald  von  diesen
Gesichtspunkten  aus  geleitet  werden.

Die  häufigsten  gesundheitlichen  Störungen  in  diesem  Alter  sind:
Bleichsucht,  zurückgebliebenes  Wachstum,  vorzeitige  Entwicklung,  Skrofulose
und  alle  jene  einzelnen  Üübel,  die  durch  die  genannten  Zustände  entstehen
können.  Bei  aufgeschossenen,  blassen,  mageren  Kindern  von  zwölf  Jahren
tritt  nicht  selten  schon  die  Menstruation  in  ganz  krankhafter  Stärke  auf  und
trägt  zur  Vermehrung  der  Blutarmut  noch  bei.  Solche  müssen  selbstverständlich
mit  Sorgfalt  behandelt  werden.  Weder  Gesellschaften  noch  Theater  dürfen  sie
besuchen;  Milch,  Obst  sei  ihre  Hauptnahrung;  Luftbäder,  milde  Abwaschungen,
zu  gewissen  Zeiten  ableitende  Teilbäder,  ärztlich  geleitete  Gymnastik  usw.
werden  zu  allgemeiner  Kräftigung  führen.  Landaufenthalt,  Waldluft  werden
höchst  wohltätig  einwirken,  ebenso  auf  zurückgebliebene  Mädchen,  die  mit
fünfzehn  Jahren  noch  wie  zehnjährig  aussehen.  Müssen  erstere  mehr  der
Ruhe  pflegen,  so  sollen  letztere  zu  lebhafter  Tätigkeit  angehalten  werden,
Garten=  und  Hausarbeiten  ausführen,  Sport  pflegen.  Massage  und  anregende
Güsse  dürften  für  sie  am  Platze  sein.  Die  zögernde  Menstruation,  die  bei
solchen  oft  erst  mit  dem  siebzehnten  Jahr  eintritt,  darf  nicht  forciert  herbeigeführt
  werden.  Sie  kommt  von  selbst,  wenn  der  Organismus  die  Kraft  dazu
gewonnen  hat.  Ist  der  Stoffwechsel  im  übrigen  gut,  so  wird  das  Mädchen
keine  Störungen  wegen  des  Ausbleibens  verspüren.  Kopfschmerz,  Stuhlverstopfung,
  Gemütsverstimmung  dürfen  nicht  entstehen.  Gesellen  sich  noch
andere  Leiden  zu  den  genannten,  so  muß  nach  bestimmteren  ärztlichen  Verordnungen
  vorgegangen  werden.

Jüngling.  Weniger  ins  Auge  springend  sind  die  Veränderungen,
die  mit  dem  Knaben  im  Alter  der  Entwicklung  vor  sich  gehen,  vielleicht  auch
deshalb,  weil  er  freier,  gesünder  lebt.  Dennoch  braucht  auch  er  Aufmerksamkeit,
geistige  und  seelische  Pflege  und  Behütung  vor  Gefahren,  die  ihn  bedrohen.
In  erster  Linie  erziehe  man  die  Söhne  zur  Alkohol-Abstinenz,  weil  dadurch
  alles  Weitere  erleichtert,  und  besonders  sexuelle  Frühreife  verhütet  wird.
Reine  Sitten  im  Elternhause,  gutes  Beispiel  von  Vater  und  Mutter,  Pflege
geistiger  Interessen  neben  Körperpflege  im  Geiste  dieses  Buches  wird  die
herrlichsten  Früchte  tragen!  Erzog  man  den  Sohn  zur  bedingungslosen
Offenheit,  hat  er  Achtung  und  Vertrauen  zur  Mutter,  so  wird  er  ihr,  ebenso
wie  die  Tochter,  alle  seine  Geheimnisse  mitteilen  und  dadurch  zur  Belehrung
und  Warnung  Veranlassung  geben.  Wehe  aber  den  Kindern,  welche  die
Mutter  scheuen,  welche  ohne  liebevolle  Führung  nur  ihrem  Phantasieleben
und  der  Verführung  preisgegeben  sind!  Das  führt  zum  Ruin  so  manchen
hoffnungsvollen  Sohnes,  der  unbehütet  von  Stufe  zu  Stufe  fiel.  Möchten
  die  Frauen  sich  noch  viel  mehr  der  Aufgaben  bewußt  werden,  welche
ihre  Söhne  an  sie  stellen  —,  ein  großes  und  dankbares  Feld  steht  ihnen
hier  offen!