Kartoffelkur  —  Katarrh.  697

von  58°  R.,  und  die  täglich  gelieserte  Wassermenge  der  Quellen  beträgt  viele
Tausend  Liter.  Leber-,  Magen-,  Darmkranke,  Fettsüchtige,  Gichtische  und
Zuckerkranke  suchen  Karlsbad  am  häufigsten  auf.  Heilerfolge  können  nicht
bestritten  werden;  doch  gibt  es  noch  sicherere  und  billigere  Heilmethoden  als
die  uns  in  Karlsbad  gebotenen.

Kartoffelkur.  Beim  Verschlucken  von  Fremdkörpern,  z.  B.  von
Münzen  oder  spitzigen  Gegenständen,  gibt  man  so  schnell  als  möglich  dicken
Kartoffelbrei,  damit  der  Fremdkörper  eingehüllt  wird  und,  ohne  Verletzungen
zu  erzeugen,  abgehen  kann.  Auf  diese  Weise  gelingt  es  oft,  auch  die
gefährlichen  Fremdkörper  schadlos  abzutreiben.  Zögert  der  Stuhlgang  infolge
  der  dicken  Kotmassen,  so  hilft  man  am  zweiten  und  dritten  Tage  mit
einem  Klystiere  nach.

Kastration.  Darunter  versteht  man  bei  Weib  und  Mann  die
Entfernung  der  Keimdrüsen.  Bei  Geschwülsten  der  Hoden  wird  Entfernung
dieser  zuweilen  notwendig,  ebenso  Ausschneidung  der  Eierstöcke,  wenn  sie
unheilbar  erkrankt  sind  und  zuviel  Beschwerden  machen.  Beim  Manne
äußert  sich  der  Verlust  der  Hoden  am  Kehlkopf  und  der  Stimme;  beim  Weibe
der  Verlust  der  Eierstöcke  an  dem  veränderten  Seelenleben,  der  Neigung  zum
Fettwerden,  der  sexuellen  Gleichgültigkeit.  Beide  verlieren  allmählich  ihren
Geschlechtstypus  und  werden  mehr  oder  minder  unglückliche  Menschen.  Darum
zögere  man  lange  und  erwäge  sorgfältig,  bis  man  sich  entschließt,  noch  jugendlichen
  Menschen  die  Keimdrüsen  operativ  zu  entfernen.  Mancher,  schon  zur
Operation  bestimmt,  wurde  durch  natürliche  Heilmethoden  noch  gerettet.  Jungen,
lebensberechtigten  Frauen  wegen  heftiger  Entzündungen  sofort  die  Eierstöcke
herauszunehmen,  ist  ein  schweres  Unrecht;  denn  der  Verlust  ist  nie  mehr  zu
ersetzen,  und  die  Operierten  bleiben  an  Leib  und  Seele  schwer  geschädigt.

Kataplasmen.  Siehe  „Breiumschlag“.

Katarrh.  Jede  Schleimhautreizung,  die  mit  stärkeren  Absonderungen
verbunden  ist,  nennt  man  einen  Katarrh.  Er  kann  im  Ohre,  der  Nase,  im
Halse,  dem  Darm  oder  an  den  Geschlechtsleilen  usw.  sitzen.  Sein  wichtigstes
Symptom  ist  der  schleimige  oder  eitrige  Ausfluß,  in  frischen  Fällen  auch  Hitze,
Brennen,  Fieber,  Schmerzen.  Bei  Besprechung  der  einzelnen  Organe  haben
wir  auch  ihre  Katarrhe  besprochen.  Ihre  Behandlung  ist  in  erster  Linie  ableitend,
  um  die  Kongestion  nach  denselben  zu  vermindern;  dann  reinigend,
damit  die  zurückgehaltenen  Absonderungen  nicht  länger  zu  reizen  vermögen,  und
drittens  beruhigend,  kühlend,  säfteverbessernd  Diese  Wirkung  erreicht  man
durch  laue  lokale  Ausspülungen,  durch  Wechsel-Fuß=  oder  Armbäder  oder  andere
Wasseranwendungen,  durch  Teil=  oder  Ganzpackungen,  leichte  milde  Kost,
gleichmäßige  Temperatur  und  reichliche  Darmentleerungen.  Viele  schwächliche
Kinder  und  Frauen  neigen  stark  zu  Katarrhen  und  erkranken  bei  jedem  Aulaß.
Dadurch  ängstlich  geworden,  verweichlichen  sie  sich  immer  mehr  und  schaffen
sich  selbst  chronische  Schwächezustände.  Für  solche  sind  konsequente  Luftbäder,