700  Kleptomanie  —  Klumpfuß.

es  den  Organismus  und  leitet  das  Blut  vom  Becken  ab.  Man  lasse
also  schwächliche  Mädchen  eher  Gesangsunterricht  nehmen,  als  Klovierspiel
  beginnen.

Kleptomanie.  Bei  Geisteskranken  entwickelt  sich  zuweilen  eine  Sucht,
sich  fremdes  Gut  anzueignen,  die  sogenannte  Stehlwut  oder  Kleptomanie.
Man  beobachte  solche  Kranken  genau,  und  wenn  sie  durch  Klugheit  und  Gewandtheit
  immer  wieder  täuschen,  dann  übergebe  man  sie  einer  Heilanstalt.
Sie  handeln  unter  einem  krankhaften  Zwang  und  sind  in  klaren  Tagen  über
ihr  eigenes  Tun  verwundert.  Kräftige  Anregung  des  Stoffwechsels,  angespannte
  Arbeit,  die  sie  ganz  verbraucht,  strenge  Aufsicht  und  Leitung  können
unter  Uusständen  dieses  böse  Übel  auch  zu  Hause  zur  Heilung  bringen.

Klimakterium  oder  Klimax
ist  die  für  die  Frau  so  wichtige  Zeit
der  „Wechseljahre“.  (Siehe  das  Kapitel
über  das  „Geschlechtsleben“.)  Die
Funktionen  der  Genitalorgane  vermindern
  sich,  die  Menstruation  versiegt
langsam,  da  die  Abstoßung  der  Eizellen
auch  aufhört,  —  die  Frau  wird
unfruchtbar.  Diese  Umwandlung
sollte,  wie  der  Eintritt  der  sexuellen
Reife  beim  Mädchen,  ohne  Stürme,
ohne  körperliche  Leiden  von  statten  gehen.
Leider  ist  dies  bei  den  wenigsten  der

»  heutigen  Franen  der  Fall.  Blutungen,
Fig.  393.  —e  Schleimflüsse,  Blutwallungen  u.  a.  m.
halten  oft  monatelang  an  und  machen
den  Nervösen  oder  Fetten  oft  viel  zu  schaffen.  (Siehe  „Entwicklungs=  und
Wechseljahre“  Seite  246.)  Dabei  erlischt  die  sexuelle  Erregbarkeit  keineswegs,
  sondern  ist  sogar  nicht  selten  recht  gesteigert.  Zurückhaltung  und
Selbstbeherrschung  müssen  auch  hier  dringend  angeraten  werden,  maßvolle
Befriedigung  ist  jedoch  zeitweilig  auch  geboten.

Klumpfuß.  Wenn  die  Nerven  einiger  Fußmuskeln  gelähmt  sind
und  letztere  daher  nicht  funktionieren,  so  ziehen  sich  die  entgegengesetzten
Muskeln  zusammen;  der  Fuß  kommt  in  eine  falsche  Stellung;  er  stellt  sich
infolge  des  einseitigen  Muskelzuges  auf  die  äußere  Fußkante  auf  und  wird
einem  normalen  Juß  immer  unähnlicher.  Wird  bei  einem  Kinde  eine  so
auffällige  Stellung  bemerkt,  so  muß  sofort  energische  Behandlung  eintreten:
Elektrisieren  der  gelähmten  Seite,  Dehnung  der  verkürzten  Muskelu,
Anwendung  eines  Apparates,  welcher  den  Fuß  in  normale  Lage  zwingt.

(Siehe  Fig.  393  und  orthopädische  Behandlung  von  Verkrümmungen  im
I.  Teil.)