Klystier  —  Kneipp-Kuren.  701

Klpstier.  (Siehe  „Darmeingießung“.)  Irrigator,  Spritzen,  Pumpen
werden  dazu  gebraucht.  Die  Medizin  unterscheidet  nährende,  beruhigende
und  stopfende  Klystiere  außer  den  Entleerungsklystieren.  Molken-Eiweißwasser
  eignet  sich  besonders  zu  Nährklystieren;  Opium,  auch  Chloralhydrat
  wird  in  gewissen  verzweifelten  Fällen,  bei  heftigen  Schmerzen  und
wenn  durch  den  Mund  nichts  ausgenommen  werden  kann,  Schmerzstillung
bringen,  weil  die  Aufsaugung
  der  Flüssigkeit
durch  die  Darmwand  stattfindet.
  Doch  hat  der  Arzt
über  die  Anwendbarkeit
solcher  Klystiere  zu  entscheiden.
  Fig.  336  stellt
das  hohe  Darmrohr  dar,
durch  welches  Eingüsse
höher  hinauf  gebracht  werden
  können.  Die  Spritze
ist  die  alter  Art,  wie  auf
Seite  561  dargestellt.

Kneipp-Kuren.
Kneipp  brachte  die  alte
Wasserheilmethode  mit
kleineren  Abweichungen
wieder  zur  Geltung.  Es
ist  sein  unbestrittenes  Verdienst,
  Prießnitzsche  Ideen
in  neuer  Auflage  ins  Volk  -  »
gebracht  und  dadurch  Tau-  Fig.  394.  Sonnenbad  auf  einem  Balkon,
sende  auf  bessere  Wege  für  chronische  Kniegelenkentzündung.
geleitet  zu  haben.  Und
wenn  er  nur  ein  Gegner  der  Verweichlichung  gewesen  wäre,  wenn  er  nur
Einfachheit  und  Natur  gepredigt  hätte,  so  würde  er  schon  dadurch  unendlich
viel  Gutes  gewirkt  haben.  Als  katholischer  Geistlicher  hatte  er  große  Macht
über  gläubige  Gemüter,  es  war  ihm  also  leichter  als  anderen,  Einfluß  zu
gewinnen.  Seine  Methode  steht  jedoch  nicht  ganz  auf  der  Höhe  der  Zeit,
da  sie  gewisse  Heilfaktoren  ganz  oder  größeren  Teils  ausschließt;  doch  war
Kneipp  eigenartig  und  kraftvoll  in  seinem  ganzen  Wesen  und  wohl  geschaffen,
andere  zu  belehren.

Die  erregende  und  fördernde  Wirkung  des  kalten  Wassers  vaben  wir
schon  auseinandergesetzt;  Kneipps  Prinzip  waren  kräftige  und  kurze  Anwendungen,
  also  sehr  kaltes  Wasser  in  kurze  Berührung  mit  dem  warmen
Körper  zu  bringen.  Er  hat  damit  oft  Wunder  gewirkt;  seine  weniger  scharf