704  Knochenerkrankungen  —  Kognak.

zu  gehen  vermag  und  die  Heilung  schmerzlos  ohne  Bettruhe  stattfindet.
Das  sind  überraschende  Fortschritte!  Bei  schwächlichen,  älteren  Personen
empfiehlt  es  sich,  zur  Beförderung  der  Knochenbildung  Nährsalze  reichlich  zu
geben.  Es  eignen  sich  dazu  die  Henselschen,  von  welchen  man  wenigstens
drei  verschiedene  täglich  nehmen  kann:  das  Speisegewürz,  das  physiol.  Salz,
die  „Limonade“  (früher  „tonische  Essenz“  genannt)  und  den  Schwefel.

Knochenerkrankungen.  Knochenerweichung,  Knochenschwund,
-Entzündung,  -Fraß  (oder  Beinfraß)  treten  nach  Verletzungen  oder  bei  inneren
Erkrankungen,  Tuberkulose,  Syphilis  und  Säfteverderbnis  ein.  Es  sind  meist
langwierige,  schwere  Erkrankungen,  welche  die  ganze  Energie  des  Arztes
herausfordern.  Langsame  Ausscheidung  und  Sefteverbesserung  durch  entsprechende
  Diät,  hingebende  Pflege,  welche  Schmerzstillung  erzielen  kann,  viel
Luftgenuß  können  erhebliche  Linderung  bringen.

Die  Behandlung  ist  nicht  einfach  und  kann  nur  zum  geringsten  Teil
nach  allgemeinen  Prinzipien  geleitet  werden.  Kranke  mit  Beinfraß  lasse
man  Tag  und  Nacht  im  Freien,  gebe  viel  Beerenobst,  grüne  Kränter,
Henselsche  Nährsalze,  beste  Kuhmilch  und  bade  sie  öfter  in  Maja  (Maiwuchs).
Auf  den  kranken  Knochen  macht  man  nur  laue  Umschläge,  welche  den  Eiter
am  besten  ziehen.  Orthopädische  Behandlung  kommt  hauptsächlich  bei  chronischen
Zuständen  in  Form  von  Stützapparaten,  welche  die  natürliche  Bewegung
erleichtern,  oder  Streckapparaten,  um  künstliche  Verkürzungen  zu  beseitigen,
in  Betracht.  Niemals  verliere  man  den  Mut  bei  schmerzhaften  oder  langwierigen
  Knochenerkrankungen;  bei  guter  Säftebildung  hat  man  auch  die
schlimmsten  ausheilen  sehen.  Unbrauchbar  gewordene  Knochenteile  stößt  der
Organismus  von  selbst  aus  und  auch  große  Wunden  verheilen  wunderbar.
Ein  guter  Chirurg  und  ein  umsichtiger  Naturarzt  werden  mancher  drohenden
Verkrüppelung  vorbengen  können.

Kochsalzwasser.  (Über  die  Bedeutung  des  Kochsalzes  siehe  zweites
Kapitel,  I.  Teil.)  Der  Glaube  an  die  Heilkraft  der  Kochsalzwasser  ist  weit
verbreitet.  Warme  und  kalte  Salzquellen  entströmen  dem  Boden  in  Kissingen,
Wiesbaden,  Pyrmont  usw.  Gegen  Gicht,  Skrofulose,  Nervenstörungen,  auch
gegen  Hautausschläge  wird  es  mit  viel  Begeisterung  zu  Bädern  verwendet.
Das  aufgelöste  Salz  wirkt  stark  erregend  auf  Haut,  Gefäße  und  Nerven,
unterstützt  daher  die  Wirkung  des  reinen  Wassers  bedeutend.  Darauf  beruht
ja  auch  die  besondere  Wirkung  des  Seewassers.  Sehr  erregbare  Naturen
aber  ertragen  darum  die  Salzbäder  nicht,  man  muß  gut  überlegen,  wie  lange
und  wem  man  Salzbäder  verordnet.

Kognak.  Eine  Branntweinart,  bei  uns  leider  sehr  bekannt,
hat  diesen  Namen  nach  einer  französischen  Stadt,  wo  er  hauptsächlich
erzeugt  wird.  Alle  Alkoholiker  rühmen  ihn.  Seines  hohen  Alkoholgehaltes
  wegen  hat  er  begreiflicherweise  eine  heftige  Wirkung  auf  die
Schleimhaut  des  Magens.