Kohlenoxydgas  —  Kolit.  705

Kohlenoxydgas.  Es  entsteht  beim  Glühen  der  Kohlen  und  ist
so  giftig,  daß  eine  geringe  Menge  schon  durch  Einatmen  zum  Tode  führen
kann.  Schwindel,  Kopfschmerzen,  Erbrechen,  Schlafsucht  sind  die  erste  Wirkung
der  Vergiftung.  Zuführung  frischer  Luft  ist  unsere  wichtigste  Aufgabe,
dann  Frottieren  des  ganzen  Körpers,  kalter  Leibaufschlag,  Wärmeflasche  an
die  Füße,  Klystier  und  —  Ruhe.  War  die  Vergiftung  keine  zu  tiefc.  so
genügen  wenige  Tage,  um  bei  solcher  Behandlung  den  normalen  Zustand
wieder  herzustellen.  Ganzpackungen  sind  bei  schwereren  Störungen  angezeigt.
Frische  Fruchtsäfte  bilden  die  beste  Nahrung  während  des  schlechten  Befindens,
also  Apfelsaft,  ausgequetschter  Trauben=  oder  Birnen-,  auch  Ananas-Saft.

Koblensaure  Getränke.  Es  gibt  natürliche  und  künstliche  kohleusaure
  Getränke.  Erstere  enthalten  geringe  Mengen  von  Kohlensäuren  (C  O2),
welche  nicht  belästigend  wirken,  und  außerdem  mineralische  Bestandteile.  Die
künstlichen  kohlensauren  Wasser  enthalten,  wie  das  nachgeahmte  „Selters“,
bedeutende  Mengen  des  Gases  und  sind  daher  mit  einiger  Vorsicht  zu  genießen.
  Die  Kohlensäure  ist  ein  Gas,  das  der  tierische  Organismus  als
Produkt  des  Stoffwechsels  ausscheidet;  wird  es  in  ihm  zurückgehalten,  so
wirkt  es  vergiftend.  Bringt  man  es  direkt  in  den  Magen,  so  hat  es  zunächst
  eine  erregende  Wirkung  und  reißt  andere  Gase  mit  sich,  wenn  es
durch  „Rülpsen“  nach  oben  entleert  wird,  es  kann  aber  in  größeren  Mengen
auch  Beklemmung,  Kongestionen,  Magendruck  verursachen.  Daher  trinke  man
nicht  zu  viel  und  nicht  zu  rasch  brausende  Getränke  und  beachte  auch  etwaige
Magenkrankheiten.

Koitus.  Es  ist  das  lateinische  Wort  für  „Begattung“.  Näheres
muß  im  siebenten  Kapitel  des  I.  Teiles  nachgelesen  werden.

Kokain.  Es  wird  aus  der  amerikanischen  Pflanze  Koka  gewonnen
und  ist  seiner  Eigenschaften  wegen  bei  Augen=  und  Kehlkopfoperationen  sehr
beliebt,  ohne  die  Nachteile  des  Chloroforms  oder  Opiums  zu  besitzen.  Es
wird  daher  mit  Vorteil  zu  Lokalnarkosen  benützt.  Doch  hat  es  bei  empfindlichen
  Personen  auch  Vergiftungserscheinungen  bewirkt,  was  wiederholt  bei
Operationen  am  Kopfe  beobachtet  wurde.

Kolik.  Krampfartige,  heftige  Schmerzen  treten  im  Darm  auf  bei
Gasentwicklung,  Anhäufung  harter  Kotballen  oder  reizender  Fremdkörper,
wie  großer  Obsikerne,  bei  Vergiftungen  mit  Metallen  (Bleil!),  nach  Genuß
gärender  Getränke,  bei  nervösen  Zuständen  (nach  Aufregungen,  bei  Hysterie),
bei  Darmverschlingung  usw.  Durchfall  läßt  niemals  lange  auf  sich  warten;
die  Entleerungen  werden  häufig  schleimig-blutig,  der  Stuhlzwang  ist  qualvoll,
die  allgemeine  Schwäche  kann  sich  bis  zu  Ohnmachten  steigern,  das  Aussehen
ist  verfallen.  Anhäufung  von  Gärungsstoffen  im  Darme,  mangelhafter  Stoffwechsel
  sind  die  Grundursache,  um  einen  gewöhnlich  nachts  ganz  unerwarteten
Kolikanfall  auszulösen.

Die  Frau  als  Hausarztin.  45