706  Kollaps  —  Kondom.

Behandlung.  Heiße  Bauchflasche,  mit  feuchtem  Tuch  umwickelt  (siehe
Fig.  289),  heißes  Sitzbad,  auch  Vollbad,  wenn  möglich,  schneiden  die  Anfälle
oft  sehr  rasch  ab,  wenn  genügende  Ausleerung  erfolgt  ist;  ist  gasige  Auf—
treibung  des  Leibes  vorhanden,  dann  wirkt  ein  kräftiger  Tee  von  Anis  und
Fenchel  recht  wohltätig.  Sanfte  Bauchmassage,  mitunter  auch  mit  Druckanwendung
  auf  schmerzende  Stellen,  bringt  Erleichterung.  Als  Nahrung
gebe  man  (nur  nach  eingetretener  Beruhigung)  Hafer-,  Reis-,  Gerstenschleim,
  bei  großem  Durst  Heidelbeersaft  (verdünnt)  oder  Mandelmilch.
Dann  sorge  man  für  Schlaf,  warmes  Bett  und  frische  Luft  und  gebe
nachträglich  zur  weiteren  Reinigung  des  Körpers  ein  Heißluftbad.  Bei
chronischen  Vergiftungen  schließt  sich  selbstverständlich  eine  noch  eingreifendere
Behandlung  an.

Bei  Gemütsaufregungen  ist  seelische  Beruhigung  die  erste  Aufgabe;  in
solchen  Fällen  hat  sich  Zusammenschlafen  mit  nahestehenden,  sehr  geliebten
  Menschen,  die  Wärme  und  Kraft  abgeben,  sehr  bewährt.  Hysterische
  Kolikanfälle  sind  bei  bekümmerten  oder  nervösen  Franen  keine  seltene
Erscheinung.

Kollaps.  Nach  schweren  Krankheiten,  Operationen,  Blutverlusten
treten  mitunter  plötzliche  Schwächeanfälle  ein,  mit  Blässe,  allgemeinem  Verfall,
  auch  Bewußtseinsstörungen  verbunden,  infolge  plötzlicher  Herzschwäche
und  Blutleere  des  Gehirns.  Man  lagere  den  Kranken  beqnem  mit  tiefliegendem
  Kopf,  mache  Frottierungen  der  Arme  und  Beine  mit  wollenen
Tüchern,  entblöße  die  Brust  und  öffne  die  Fenster  weit,  begieße  den  Kopf
mit  lanem  Wasser  und  packe  ihn  darnach  warm  ein,  lege  Wärmeflaschen
gleichzeitig  an  die  Füße  und  lasse  löffelweise  starken,  schwarzen  Kaffee
trinken,  um  die  Herztätigkeit  anzuregen.  Ist  der  Kollapsanfall  nicht  Vorbote
  des  Todes  gewesen,  so  wird  man  bei  solcher  Behandlung  gute  Erfolge
erzielen.  Dann  aber  heißt  es  durch  Diät,  Waldluft,  Luftbäder  auf  allgemeine
  Kräftigung  hinwirken.

Kondom.  Ein  englischer  Arzt  gleichen  Namens  hat  aus  Tierblasen
einen  Überzug  für  das  männliche  Glied  hergestellt,  welcher  die  Befruchtung
verhütet,  indem  er  den  Erguß  des  Samens  in  die  weiblichen  Teile  verhindert.
  Auch  vor  Ansteckung  behütet  er  den  Mann  bei  anstieckenden
Geschlechtskrankheiten  der  Frau.  Dieser  Überzug,  der  nach  seinem  Erfinder
  benannt  wird,  reißt  sehr  leicht  ein,  wenn  er  aus  Gummi  hergestellt
  ist,  und  gewährt  also  nicht  absolute  Sicherheit.  Außerdem  stört
er  als  zwischenliegender  Jremdkörper  den  Anstausch  der  Geschlechtsorgane
und  schwächt  die  Empfindung.  Reizbare  Männer  werden  durch  seine
häufige  Benützung  geschwächt.  Dennoch  kann  er  vorübergehend  als  Schutz
mittel  empfohlen  werden.

Man  lese  im  siebenten  Kapitel  des  I.  Teiles  über  „Schwangerschaftsverhütung“
  nach.