Kontagium  —  Konzeption.  707

Kontagium.  Das  ist  der  lateinische  Ausdruck  für  denjenigen  Stoff,
durch  welchen  übertragung  von  Krankheiten  stattfindet.  Leider  ist  man
immer  noch  nicht  zur  Lösung  des  Rätsels  gelangt!  Man  findet  oft  nichts,
und  dennoch  deuten  alle  Erscheinungen  darauf  hin,  daß  irgend  etwas  den
Träger  bildet.  Diejenigen,  welche  jede  Art  von  Aufteckung  leugnen,  beweisen
  mit  dieser  Behauptung  nur,  daß  sie  zu  wenig  Beobachtungen
gesammelt  und  sich  zu  sehr  von  subjektiven  Verhältnissen  beeinflussen  lassen.
Wenn  der  eine  oder  andere  allen  Ansteckungsgefahren  Trotz  bietet,  wenn  er
nie  unterliegt,  so  ist  damit  noch  keineswegs  erwiesen,  daß  es  keine  Ansteckung
  gibt;  denn  immer  muß  zum  „Kontagium“  auch  die  „Disposition“
kommen,  d.  h.  die  innere  Vorbereitung  und  Geneigtheit  zur  Erkrankung.
Daß  diese  nicht  bei  allen  Menschen  in  gleichem  Grade  vorhanden  ist,  darf
als  bekannt  vorausgesetzt  werden,  weniger  aber,  daß  diese  Disposition,  entsprechend
  dem  veränderten  Stoffwechsel,  je  nach  Alter  und  augenblicklichem
Zustand,  auch  wechseln  kann.

Konvullionen  (Zuckungen).  Unwillkürliche,  kurze  Zuckungen  der
Muskeln  einzelner  sowohl  wie  ganzer  Muskelgruppen  nennt  man  Konvulsionen.
  Sie  sind  stete  Begleiter  der  Eklampsie,  des  Veitstanzes,  der
Epilepsie,  Gehirnerkrankung,  Fraisen  (Gichter),  Hysterie  usw.  Unter
„Krämpfen“  versteht  man  andauernde  Zusammenziehungen,  nicht
bloßes  Zucken.

Behandlung.  Das  Auflegen  warmer  Hände,  energische  Beeinflussung
einer  anderen  Person  vermögen  oft  sofort  Beruhigung  zu  schaffen.  Geheilt
aber  werden  solche  Zustände  nur  durch  Beseitigung  der  Grundursache,  also
Kräftigung  des  reizbaren  Nervensystems,  Beförderung  des  Stoffwechsels  und
durch  eine  Lebensweise,  welche  ungesunde  Reize,  wie  Alkohol,  gesellschaftliche
Erregungen,  Kränkungen  usw.  ausschließt.  Man  bringe  reizbare,  blutarme
  Mädchen  und  Frauen  in  eine  andere  günstigere  Umgebung,  wenn
es  nicht  möglich  ist,  sie  in  ein  Sanatorium  zu  geben.  Wenn  nicht  vorher
Überernährung  mit  zuviel  Eiweiß,  Fett  und  Reizmitteln  stattgefunden  hat,
so  muß  jetzt  auf  eine  kräftigende  Ernährung  alle  Sorgfalt  gelegt  werden.
Und  da  haben  wir  für  herabgekommene  Patienten  in  dem  Hämostogen
von  Löffler  ein  prächtiges  Kräftigungsmittel,  das  auch  die  meistens  fehlenden
  Nährsalze  zuführt.  Warme  Bäder  38°  C.,  viel  Nadelholzwald,  unter
Umständen  Streichmassage  oder  heilmagnetische  Behandlung,  werden  bald
zu  günstigen  Veränderungen  führen.  Bei  Fetten  und  lberernährten  hätte
man  umgekehrt  Entziehungen  einzuführen,  Gemüse  und  Obst  in  den  Vordergrund
  zu  stellen,  Bewegungskuren  durchzusetzen  und  auf  Willenskräftigung
hinzuwirken.

Konzeption.  Man  spricht  von  einer  Empfängnis,  wenn  Samen
und  Ei  im  Fruchthalter  des  Weibes  sich  vereinigen  (siehe  siebentes  Kapitel,
I.  Teil  „Das  Geschlechtsleben“").  Sie  kann  nicht  stattfinden,  wenn  die  Eier-45“

