Krankenpflege.  711

ragende,  dunkle  Knollen,  die  Berührung  nicht  ertragen,  dann  handelt  es  sich
um  einen  Zustand  der  Entzündung,  der  alle  Beachtung  verdient.  Jede  einem
solchen  Beine  zugemutete  Anstrengung,  wie  Stehen,  Gehen,  Bücken  usw.,  kann
den  Zustand  wesentlich  verschlimmern,  auch  jeder  Druck  durch  Kleider,  ebenso
der  Genuß  erhitzender  Getränke,  wie  Alkohol.

Die  Behandlung  wird  dies  daher  vermeiden.  Sofort  beachte  man
ausgestreckte  Lage,  mache  auf  die  schmerzende  Stelle  einen  Aufschlag  von  etwa
26°  C.,  der  stündlich  erneuert  wird,  trinke  Johannisbeer=  oder  Sauerkirschensaft,
  vermeide  Fleisch,  Essig,  Gewürze,  zu  viel  Salz  und  entleere  den  Darm.
Täglich  ein  warmes  Vollbad,  wenn  keine  Gegenanzeigen  vorliegen,  fünf  Minuten
mit  nachfolgender  Übergießung  von  26  oder  20°%  C.  werden  die  Entzündung  in
wenigen  Tagen  beseitigen.  Erst  wenn  die  Schmerzhaftigkeit  des  Beines  vollständig
geschwunden  ist,  wickle  man  es  wieder  vorsichtig  mit  weichen  Trikotbinden  und  versäume
  nicht,  zur  Kräftigung  der  Hant  es  täglich  kalt  abzuwaschen  und  dann  einzufetten.
  Die  Haut  wird  beisolcher  Behandlung  nicht  pröde.  Wenndas  Bein  wieder
ganz  normal  geworden  ist,  dann  erst  darf  Beinmassage  gemacht  werden;  zu  früh
vorgenommen,  könnte  sie  leicht  die  alte  Entzündung  wieder  aufflammen  lassen.

Krankenpflege.  Seit  Menschengedenken  lag  die  Krankenpflege  in
weiblichen  Händen.  Das  mitleidige  Herz  der  Frau,  ihre  leichtere,  zartere
Hand,  ihre  Ausdauer  und  Geduld  im  Ertragen  von  Unangenehmem  machte
sie  für  das  Amt  der  Krankenpflegerin  sehr  geeignet.  Aber  diese  Vorgänge
allein  machen  sie  noch  nicht  für  alle  an  sie  herantretenden  Ansprüche  befähigt;
sie  muß  nicht  nur  aus  dem  Gefühl  heraus  arbeiten,  sondern  ihr  Arbeitsfeld
auch  geistig  überblicken  und  ihre  Verantwortlichkeit  erkennen.  Um  dies  zu
vermögen,  muß  sie  lernen,  bestimmte  Kenntnisse  sammeln,  gute  Schriften
über  Heilkunde  und  Krankenpflege  lesen  und  vor  allem  über  Zwecke  und  Ziele
der  Heilkunde  sich  klar  sein.  Nur  dann  wird  eine  Krankenpflegerin  auch  zu
selbständiger  Beobachtung  am  Krankenbette  kommen,  die  dem  Arzte  so  unendlich
wertvoll  ist.  Sie  muß  den  Arzt  einerseits  ergänzen,  anderseits  fähig  sein,
auf  seinen  Ideengang  einzugehen  und  in  seinem  Geiste  weiterzuarbeiten.
Natürlich  setzt  dies  voraus,  daß  Arzt  und  Krankenpflegerin  nur  einer  ärztlichen
  Richtung  angehören;  denn  eine  denkende  und  pflichttreue  Pflegerin,
welche  wahre  Hygiene  begriffen,  mit  Naturkräften  zu  rechnen  gelernt,  geordnete
Kenntnisse  gesammelt  hat,  kann  nicht  mit  einem  Arzte  zusammenarbeiten,  der
täglich  eine  andere  Arznei  verschreibt,  das  Wasser  in  seiner  Wunderkrast
nicht  kennt  und  die  seine  Wirkung  der  Diät  nicht  berücksichtigt.  Sie  müssen
im  Geiste  einig  sein,  wenn  eine  volle  Leistung  erzielt  werden  soll!

Bei  der  Krankenpflege  kommen  in  Betracht:  das  Krankenzimmer,
das  Krankenbett,  die  Krankenkost,  die  Krankenwartung.  Wir
haben  hier  selbstverständlich  nur  die  häusliche  Pflege  im  Auge  und  die  Mutter
oder  Gattin  als  gelegentliche  Krankenpflegerin,  nicht  die  Berufspflegerin.
Ihre  Aufgaben  sind  jedoch  dieselben.