Krankenpflege.  713

je  nach  dem  Zustand  des  Kranken  mit  wärmendem  Federbett  auf  den  Füßen
oder  bloß  zweiter  Decke;  ein  flaches  Roßharrkissen  unter  dem  Kopfe,  welchem
man  bei  notwendig  werdender  höherer  Lagerung  Federkissen  unterlegen  kann,
ist  das  beste  für  den  Kranken.  Baumwoll-Trikot-Wäsche  ist  viel  milder  als  weißes
Gewebe  und  empfindlichen  Kranken  daher  sehr  angenehm.  Niemals  lasse  man
nasse,  riechende  oder  beschmutzte  Wäsche  im  Bette;  Reinlichkeit  tut  dem  Kranken
unendlich  wohl;  Gerüche,  Nässe  plagen  und  reizen  ihn.  Ist  Durchlüftung
des  Zimmers  ihm  unangenehm,  dann  bedecke  man  das  ganze  Bett  mit  einem
großen  Tuche,  damit  der  Kranke  von  Zugluft  nicht  getroffen  werde.  Kann
man  nicht  die  erwünschte  Ruhe  im  Krankenzimmer  herstellen,  dann  stelle  man
wenigstens  einen  Bettschirm  vor  das  Bett,  damit  der  Kranke  nicht  alles,  was
vorgeht,  sehen  kann.  Bei  Unbequemlichkeit  des  Bettes  und  langem  Krankenlager
ist  auch  die  Aufstellung  eines  zweiten  Bettes  nötig,  um  gründliche  Umbettung
und  Durchlüftung  vornehmen  zu  können.  Unendlich  wohltuend,  belebend  und
auch  schlafbringend  wirkt  von  der  Sonne  angewärmtes  Bettzeng.

Die  Krankenkost.  Man  unterscheidet  eine  durchtreibende  und
eine  verstopfende,  eine  sehr  nährende  (für  Magere  oder  Herabgekommene)
und  eine  entfettende,  endlich  eine  ganz  leichte,  auch  als  „Fieberdiät"
bekannte.  Jede  Pflegerin  muß  sich  klar  sein,  welche  für  ihren  Pflegling  paßt.
Durch  Diätfehler  wird  sehr  viel  verdorben  und  werden  viele  Rückfälle  herbeigeführt.
  Zu  den  wichtigsten  Aufgaben  der  Krankenpflege  gehört  größte
Reinlichkeit  in  der  Herstellung  aller  Gerichte  und  appetitliches  Anrichten  in
hübschen  Gefäßen,  damit  der  Anblick  der  Speisen  dem  Kranken  angenehm
wird;  ferner  ist  sorgfältige  Zubereitung  nötig.  Auch  Gurgeln  mit  frischem
Wasser,  Abschaben  einer  belegten  Zunge,  Bürsten  der  Zähne  mit  einer  aromatischen
  Paste  trägt  zur  Appetiterhöhung  bei.  Eine  durchtreibende  Diät
besteht  aus  Sauermilch,  Kefir,  sauren  Molken,  rohem  und  gekochtem  Obst,
Salaten  mit  Zitronensaft,  Schrotbrot,  säuerlichen  Obstsäften,  Rüben,  Gurken,
Spargeln,  Beeren  usw.;  eine  verstopfende  aus  Schleimsuppen,  dicken  Breien,
Heidelbeeren,  Eichelkaffee  oder  Kakao;  eine  sehr  nährende  aus  Milch,  Sahne,
Kakes,  Eier,  Fleisch,  Kuchen,  Kakao,  Butter;  eine  entfettende  aus  Obst  und
Gemüsen,  Molken,  wenig  magerem  Fleisch,  Körnerfrüchten  (wie  Sago,  Buchweizen,
  Hirse);  die  Fieberdiät  aus  verdünnter  Milch  oder  nur  Obstsäften,
wie  Zitronenlimonade,  Mandelmilch,  Apfelsinen,  Schleimsuppen  oder  Wurzelbrühe,
  Eiweiß-Zuckerwasser,  Zwiebäcke,  Apfelmus,  Apfeltee  usw.  Wo  jeglicher
Appetit  fehlt,  wird  man  am  weitesten  kommen,  wenn  man  sich  auch  bei  fehlendem
Fieber  an  die  Fieberdiät  hält;  denn  nichts  rächt  sich  schwerer,  als  Magen
und  Darm  mit  festen  Speisen  anzufüllen,  wenn  die  Verdauungskraft  geschwächt
ist  und  das  Aufgenommene  tagelang  im  Verdauungsschlauch  unverdaut  zurückgehalten
  wird.  Bei  häufigem  Genuß  eines  guten,  frischen  Trinkwassers  kann
ein  appetitloser  Kranker  lange  bestehen  und  sich  verhältnismäßig  wohl  dabei
fühlen.  Also  lasse  man  fasten,  denn  dies  „heilt“  mitunter  am  besten.  Die