716  Krebs.

starke  Blutungen  vorausgehen  und  welche  mit  allgemeinem  Verfall  verbunden
sind,  wird  Krebs  genannt.  Am  häufigsten  tritt  er  in  der  Gebärmutter  auf,
oft  als  eine  Strafe  der  Natur  für  die  überanstrengungen  und  Mißhandlungen,
welche  dieses  so  hochwichtige  Organ  des  Weibes  seit  alten  Zeiten  erfährt,
dann  in  der  Brustdrüse  des  Weibes  und  darnach  in  absteigender  Linie  in
den  Lippen,  dem  Magen,  Darm,  der  Leber  usw.  Das  Leiden  vererbt  sich
gerne,  kommt  aber  bei  Kindern  Krebskranker  nicht  immer  zum  Ausbruch,
wenn  sie  vernünftig  und  gesundheitsgemäß  leben.  Die  Entstehung  des  Krebses
ist  zuweilen  ganz  rätselhaft;  kräftige,  (scheinbar)  gesunde  Menschen,  die  nie
krank  und  immer  leistungsfähig  schienen,  gehen  unerwartet  an  Krebs  zugrunde,
  manchmal  in  wenigen  Monaten,  manchmal  erst  nach  Jahren.  Krebskrankheiten
  können,  je  nach  Sitz  und  Nebenumständen,  sehr  schmerzhaft  verlaufen,
  zuweilen  aber  auch  fast  schmerzlos,  wozu  eine  richtige  Behandlung  und
Pflege  wesentlich  beitragen  können.  Die  Zunahme  der  Krebskrankheit  in
unserer  Zeit  wird  immer  bedenklicher  und  regt  die  wissenschaftliche  Welt  zu
neuen  Forschungen  an.  Man  faßt  sie  als  eine  allgemeine  Entartungserscheinung
  auf  und  steht  ihr  bisher  machtlos  gegenüber.  Die  natürlichen
Ursachen  der  Entartung  können  aber  nur  in  unseren  Kulturzuständen,  in  einer
naturwidrigen  Lebensweise  zu  suchen  sein,  infolge  welcher  Enkel  an  Krebs
zugrunde  gehen  müssen,  deren  Großeltern  schon  im  Alkoholgenuß  zu  viel  getan
haben  und  die  sich  vorwiegend  von  Fleisch  ernährten.  Früher  Tod,  Tuberkulose
  und  Krebs,  das  sind  die  heimtückisch  heranschleichenden  Feinde,  die
alljährlich  Hunderttausende  lebensberechtigter  Geschöpfe  vernichten.  Reine
Naturvölker  kennen  keinen  Krebs.  Forsche  jeder  in  seinem  Kreise  nach,  wo
ihn  ungesunde  Lebensverhältnisse  bedrohen,  und  suche  er  sich  klar  zu  werden
über  das  Erbe  seiner  Vorfahren.  Das  wird  heilsam  für  die  eigenen  Kinder  sein.

Behandlung.  Ist  Krebs  einmal  festgestellt,  dann  sind  Erhaltung
eines  guten  Ernährungszustandes,  Zurückhaltung  der  Blutverluste,  Beseitigung
der  verjauchten  Teile  eine  für  alle  Krebsgeschwülste  gültige  Verordnung.  Die
Behandlung  eines  Kehlkopfkrebses  ist  aber  im  einzelnen  natürlich  eine  andere
als  die  des  Gebärmutterkrebses.  Wir  können  uns  daher  in  unseren  Ratschlägen
  auch  nur  auf  Allgemeines  beschränken.  Die  Nahrung  sei  mit  oder
ohne  Fleisch  sehr  sorgfältig.  Alkohol,  viel  Salz,  Essig,  Kaffee  vermeide  man.
Dagegen  genieße  man  süße,  frische  Milch  oder  süße  Molken,  reichlich  zartes
grünes  Gemüse  und  viel  gutes  Obst.  Für  bereits  sehr  Geschwächte  sind
Wurzelbrühen  mit  leichtverdaulichen  mehligen  Zusätzen  (Nudel,  Sago,  Grieß),
Haferkakes,  ungegorener  Traubensaft  oder  der  Saft  von  schwarzen  Johannisbeeren,
  in  Wasser  gequirltes  Eiweiß  mit  aufgelöstem  Kandiszucker,  auch
Somatose  oder  Hämostogen  sehr  passende  Nahrungsmittel.  Auch  Peptonklystiere
  werden  bei  Magenkrebs  empfohlen,  nachdem  man  den  Magen  vorher
gereinigt  hat.  Ein  zugängliches  Krebsgeschwür  ist  oft  durch  Andampfungen
günstig  beeinflußt  worden;  wenn  diese  aber  Blutungen  herbeiführen,  sind  sie