720  Lachkrampf  —  Lähmungen.

zu  begrüßen,  auch  wenn  man  sich  nicht  liebt,  ist  eine  Unsitte,  die  mit  mangelhafter
  Entwicklung  der  Persönlichkeit  zusammenhängt.  Soll  der  Kuß  Wert
behalten,  dann  küsse  man  nur  im  warmen  Herzensdrange,  gelegentlich  und  zur
rechten  Stunde,  lasse  sich  im  übrigen  aber  mit  einem  mehr  oder  minder
warmen  Händedruck  genügen,  der  niemanden  schadet  und  niemals  Ekel
einflößt.  Auch  sollen  unsere  Begrüßungsarten  niemals  zur  Lüge  werden,
was  stets  der  Fall  ist,  wenn  man  unsympathische  Menschen,  die  uns  vielleicht
wiederholt  geärgert  haben,  auch  noch  mit  Zärtlichkeiten  bedenkt.  Wahr  sein
heißt  auch  stark  sein!

E

Cachkrampf.  Nervös  überreizte  Menschen  können  mitunter  ihre
Affekte,  wie  Heiterkeit,  Schmerz,  Groll  nicht  in  gewissen  Grenzen  halten,  sie
können  mit  Lachen  oder  Weinen  nicht  „aufhören“.  Dann  geht  ihr  Zustand
leicht  ins  Krankhafte  über,  er  wirkt  krampfhaft.  Bei  Hysterischen  sind  daher
auch  Lach-  und  Weinkrämpfe,  von  den  verschiedensten  Reizen  ausgelöst,  eine
nicht  seltene  Erscheinung.  Eine  davon  befallene  Person  lasse  man  sich  ausstrecken,
  öffne  ihr  alle  Kleider,  sorge  für  frischen  Luftzug,  stecke  die  Beine  in
heißes  Wasser  von  40%  C.  und  bleibe  ihr  gegenüber  ernst  und  ruhig.  Große
Teilnahme,  erregtes  Klagen  oder  gar  Mitweinen  erhöht  den  Reizzustand.  Nach
eingetretener  Beruhigung  sorge  man  für  äußere  Ruhe,  entferne  alle  Menschen.
und  beginne  mit  vorsichtiger  Behandlung,  welche  sowohl  das  Gemütsleben
wie  das  Nervensystem  betrifft.  Alles  was  an  anderer  Stelle  über  Nervenstärkung
  steht,  wird  auch  hier  angebracht  sein.  Nebenbei  muß  die  Willenskraft
  erhöht  und  die  Patientin  täglich  zur  Selbstbeherrschung  aufgefordert
werden.  Viel  Weichlichkeit,  viel  schlechte  Erziehung  steckt  oft  hinter  diesen
Lach=  und  Weinkrämpfen  verwöhnter  Mädchen  und  Franen.

Lähmungen.  Wenn  ein  Nervenast  und  infolgedessen  bestimmte
Muskeln  plötzlich  versagen,  auf  Tage  oder  Jahre,  so  spricht  man  von
Lähmungen.  Es  kann  dies  zentrale  Ursachen  haben  —  also  im  Gehirn
sitzen  —  oder  periphere,  durch  Verletzungen  an  dem  Nervenast  selbst  entstanden.
Blutungen,  Geschwülste  im  Gehirn,  Entartung  einzelner  Gehirnteile,  oder
Druck  auf  Nerventeile,  wie  bei  schweren  Geburten,  auch  bei  Anwendung  der
Zange,  bei  Bauchgeschwülsten  usw.,  können  zu  Lähmungen  führen.  Die
Symptome  der  Lähmung  sind:  Schwere  in  dem  betroffenen  Gliede,  Unfähigkeit,
gewohnte  Bewegungen  auszuführen,  später  infolge  der  vollständigen  oder
teilweisen  Bewegungslosigkeit  eine  Abnahme  an  Umfang  und  Gewicht,  sogenannter
  „Muskelschwund“.

Behandlung.  Beseitigung  der  Ursachen,  so  weit  als  dies  möglich
ist,  und  wo  nur  eine  Ernährungsstörung  einzelner  Nerventeile  vorliegt,
Anregung  des  Stoffwechsels  und  der  Nerventätigkeit  durch  Wechselgüsse,