722  Lebertran  —  Leibbinden.

sam  zugrunde,  doch  können  die  Beschwerden  durch  richtige  Lebensweise  sehr
vermindert  werden.  (Siehe  „Krebs"“.)

Behandlung  der  Leberstauung.  Viele  gut  lebende  Personen
leiden  an  Kurzatmigkeit,  vollem  Gefühl  in  der  rechten  Seite,  können  sich  nicht
bücken,  schreien  auf,  wenn  man  sie  in  die  rechte  Seite  stößt  usw.  Diese  haben
eine  vergrößerte,  mit  Blut  überfüllte  Leber.  Magere,  vegetarische  Kost,  saure
Molken,  grüne  Salate,  sehr  viel  saftige  Früchte,  systematisches  Bergsteigen
und  Koflersche  Atemgymnastik  werden  die  Blutverteilung  sehr  bald  ändern  und
die  Beschwerden  beseitigen.  Nächtliche  Leibwickel,  morgens  Ganzübergießung
mit  35°  C.  und  23°%  C.,  ein  paar  Heißluftbäder  mit  tüchtiger  Schweißerzeugung
heben  den  ganzen  Stoffwechsel  wesentlich.  Gesellen  sich  noch  andere  Zustände
zu  den  genannten,  dann  muß  selbstredend  die  Behandlung  auch  genau  angepaßt
werden,  was  nur  ärztlicherseits  geschehen  kann.  Niemals  vernachlässige  man
jedoch  leichtere  Krankheitserscheinungen  an  der  Leber;  denn  ihre  ungestörten
Junktionen  sind  unentbehrlich  zur  Erhaltung  unserer  Gesundheit.  Absolute
Alkohol-Abstinenz,  Entfettungskur  bei  Fettsucht,  Sitzbäder  verschiedener  Art,
vorsichtige  und  verschiedenartige  Bauch=  und  Lebermassage  wirken  viel  mehr
als  Karlsbad  oder  Marienbad.

Lebertran.  Er  wird  aus  Nordseefischen  gewonnen,  riecht  unangenehm,
dürfte  aber  doch  leichter  verdaulich  sein  als  anderes  Fett.  Bei  Schwindsüchtigen,
Skrofulosen,  gewissen  Hautkrankheiten  wird  er  viel  angewendet;  man  kann
ihm  einen  gewissen  Nähreffekt  nicht  absprechen.  Unangenehm  bleibt  aber  die
Ausdünstung  der  Kranken,  die  auf  Kleider  und  Betten  den  häßlichen  Trangeruch
  überträgt.  Reizbare  Naturen  und  Magenschwache  vermögen  ihn  natürlich
nicht  hinunterzuwürgen.  Es  ist  wahrscheinlich,  daß  Milchfett,  in  ähnlicher
Weise  genossen  wie  Lebertran,  auch  ähnliche  gute  Wirkung  hätte.

Leibaufschlag.  Leibumschlag.  (Siehe  Fig.  405.)  Er  besteht
aus  einem  nassen  Tuche  und  einem  breiteren  trockenen  Flanellstreifen.  Als
Aufschlag  wird  er  viereckig  zusammengelegt,  als  Umschlag  um  Kreuz  und
Bauch  gewickelt.  Wie  in  die  Rumpfpackung  legt  man  sich  auch  in  den  Leibumschlag,
  der  bei  aller  Art  Unwohlsein  ein  vortreffliches  Vorbeugungsmittel
ist.  (Siehe  Tafel  Nr.  20  „Packungen“.)  Bei  Kindern  und  Erwachsenen
empfiehlt  es  sich  daher,  bevor  man  sich  über  die  gesundheitliche  Störung  klar
geworden,  den  Leibaufschlag  nachts  anzuwenden,  der  oft  sehr  rasch  Hitze,
Verdauungsstörungen,  Kopfschmerz,  Schlaflosigkeit,  Unruhe  usw.  beseitigt.  Der
kleinere  Aufschlag  wird  von  frostigen  Personen  besser  vertragen  als  der
größere  Umschlag  und  wirkt  stärker  auf  den  Darm;  der  Umschlag  dagegen
beeinflußt  eine  größere  Körperfläche.

Leibbinclen.  Seit  jeher  haben  die  Leibbinden  unter  der  Frauenwelt
eine  große  Bedeutung  gehabt;  denn  einmal  hieß  es,  bei  Schwangerschaft  den
schweren  Leib  zu  stützen,  ein  andermal,  bei  Erschlaffungszuständen  neuen  Halt
zu  geben,  oder  bei  innerem  Frost,  Magen=  oder  Darmleiden  für  gleichmäßige