728  Lungenschwindsucht.

Entzündungserscheinungen.  Die  Lungenentzündung  (die  kruppöse,  pneumonia
crouposa)  beginnt  mit  Schüttelfrost  und  hohem  Fieber,  zu  dem  sich  bald
Seitenstechen  und  Kurzatmigkeit  gesellen,  später  kurzer  Husten  mit  blutigem
Auswurf.  Auf  unserer  Fiebertabelle,  Fig.  361,  ist  die  Art  des  Fiebers
zu  erkennen,  auch  die  Dauer  der  Krankheit.  Außer  der  kruppösen,  die
uns  plötzlich  überfällt,  unterscheidet  man  auch  eine  katarrhalische,  welche
langsam  an  andere  vorhergegangene  Erkrankungen,  z.  B.  Bronchialkatarrh,
sich  anschließt  und  wochenlang  anhalten  kann.  Für  Kinder,  Greise  und
Trunksüchtige  ist  die  kruppöse  Lungenentzündung  sehr  gefährlich.  Der
Abfall  des  Fiebers,  die  sogenannte  Krisis,  tritt  am  fünften,  siebenten,
auch  zehnten  Tag  ein.

Behandlung  der  Lungenentzündung.
  Sie  muß  vorsichtig  ausgeführt  werden,
da  Güsse,  Bäder,  große  Temperaturunterschiede
  bei  starker  Lungenentzündung  nicht
ertragen  werden.  Ohnmachten,  Herzschwäche
hat  man  darnach  beobachtet.  Kühle,  reine
Zimmerluft,  Zitronenlimonade,  süße  Molken,

6  Apfelsinen,  frische  Apfel  genügen  zur  Nahrung;
Fig.  413.  Entleerung  des  Darmes  bei  Beginn  des
Taschenflasche  für  Hustende.  Fiebers,  Beseitigung  der  Federbetten  und
Durchschnitt  und  äußere  zur  Dämpfung  der  Fieberhitze  und  Ableitung
Ansicht.  halbstündlich  zu  wechselnde  Leibaufschläge
von  20°%  bis  25%  C.  nebst  kälteren  Wadenpackungen.
  Brustpackungen  beklemmen  im  ersten  Stadium  der  Krankheit
  zu  sehr.  Kühle  Rückenwaschungen,  kühlende  Klystiere,  Kopfaufschläge
sind  jedoch  sehr  empfehlenswert.  Beginnt  lockerer  Husten,  dann  lege  man
den  Kranken  in  ein  Halbbad  von  35%  C.,  frottiere  den  Körper  mit
warmen  Händen  und  kühle  langsam  bis  28°  C.  ab,  ohne  den  Kranken
aufzurichten.  Triefend  legt  man  ihn  ins  Bett,  wickelt  ihn  gut  ein  und
gibt  an  den  Oberkörper  Wärmeflaschen.  Die  ganze  Anwendung  dauert
nur  drei  Minuten,  dann  treten  weder  Ohnmachten  noch  Atemnot  ein.
Fällt  das  Fieber  ab  und  steigert  sich  der  Husten,  dann  sind  warme
Brustpackungen  angezeigt,  dreistündlich  zu  wechseln,  welche  den
Husten  lockern  und  den  Heilprozeß  unterstützen.  Später  kommen  Halbbäder
  mit  Rückenguß,  heiße  Fußbäder,  nächtliche  Rumpfpackungen  und
ausgiebigere  Kost  in  Betracht.

Lungenschwindsucht.  Sie  ist  die  verbreitetste  Krankheit  unserer
Zeit;  in  Europa  sterben  jährlich  fast  eine  Million  Menschen  daran.
Die  Industrie  und  die  unnatürliche  Lebensweise  der  Menschen,  verdorbene
  Atemluft  und  krankmachende  Nahrung  haben  es  dazu  gebracht.
Unter  Lungenschwindsucht  versteht  man  den  Zerfall  des  Lungenge-