736  Magen.

Magenkatarrh  kalte,  nächtliche  Kompressen,  auch  kalter  Magenguß,  wie
bei  Fig.  418,  den  man  allein  ausführen  kann  und  der  auch  anregend  und
zusammenziehend  bei  Magenerweiterung  wirkt.  Man  nimmt  Temperaturen
von  16°  bis  30°  C.  Magenmassage  wirkt  herrlich,  ist  aber  ausgeschlossen
bei  Magengeschwür  und  -Blutung.  Muß  man  in  einem  Falle,  z.  B.  bei  allgemeiner
  Schwäche  und  Nahrungsbedürfnis,  alle  zwei  Stunden  etwas  reichen,
so  ist  es  in  anderen  Fällen  notwendig,  vollständig  zu  fasten.  Für  alle  Zustände
  ist  laue  Temperatur  der  Speisen  besser  als  kalte  oder  gar  heiße.

Sitzbäder,  ganz  verschieden  verabreicht,  heiß  und  von  langer  Dauer,
sind  namentlich  für  Magengeschwür  sehr  wohltätig;  Halbbäder  mit  kühlerem
Rückenguß  sind  für  alle  Arten  von  Magenkrankheiten  angezeigt.  Milde
Luftbäder  in  der  Sonne  sind  gleichfalls  allen  zu  empfehlen.  Gegen  heftiges
Erbrechen  bei  akutem  Magenkatarrh  sind  zuweilen  kleine  Eisstückchen  zu
schlucken  und  heiße  Beinbäder  anzuwenden.  Zitronensaft  löffelweise  wirkt
zuweilen  sehr  wohltätig,  auch  Abkochungen  von  Isländisch  Moos  oder  Pfefferminz
  und  Ingwer  wirken  anregend  auf  die  Verdauung,  wenn  man  sie  eine
Stunde  vor  einer  Mahlzeit  nimmt.  Niemals  versäume  man  erztliche  Untersuchung,
  da  anhaltende  Magenbeschwerden  die  verschiedensten  Ursachen  haben
können.  Auf  langsames,  gründliches  Kauen  kleiner  Speisemengen  sei  bei
Magenschwäche  noch  besonders  aufmerksam  gemacht.  Flüssigkeiten  müssen
schluckweise  und  ebenso  langsam  zugeführt  werden.

Magen,  verdorbener.  Als  „verdorben"  bezeichnet  man  gewöhnlich  den
Magen,  wenn  jedes  Hungergefühl  fehlt,  Neigung  zu  Übelkeit  vorhanden  ist,
oder  sogar  Erbrechen  auftritt;  schlechter  Geschmack,  belegte  Zunge,  Kopfschmerz,
Magendruck  sind  weitere  Symptome  dabei.  Dieser  unangenehme  Zustand  tritt
meist  nach  übermäßiger  Nahrungszufuhr  ein,  oder  auch  nach  allzu  gemischter
Nahrung  (süß,  sauer,  fett),  ebenso  nach  Aufnahme  verdorbener  Nahrungsmittel,
  die  üble  Gärungsvorgänge  im  Magen  herbeiführen.  Nach  großen
Festessen  sind  die  „verdorbenen  Mägen“  zahllos,  der  „Katzenjammer“  ist  ihre
höchste  Entwicklungsstufe,  wobei  aber  noch  der  Alkoholdusel  tapfer  mitwirkt.
Alkoholabstinenten,  zurückhaltende  und  sehr  mäßige  Menschen,  sowie  Vegetarier
haben  weder  das  eine  noch  das  andere  zu  fürchten.  Bei  guter  Erziehung
dürfen  auch  Kinder  niemals  „verdorbenen  Magen“  haben.  Wer  jedoch  bei
jedem  harmlosen  Anlaß  daran  leidet,  der  bedarf  ärztlicher  Beratung  und
längerer  Behandlung,  denn  der  hat  entweder  mit  Magenschwäche  zu  kämpfen,
die  auf  Blutarmut  oder  Nervenschwäche  beruht,  oder  er  ist  einem  chronischen
Magenkatarrh  verfallen,  welcher  das  Leben  nicht  verschönt.  Diese  Zustände
voneinander  zu  unterscheiden,  ist  dem  Nichtarzt  nicht  möglich.

Strenges  Fasten  ist  das  erste,  was  bei  überladenem  und  verdorbenem
Magen  zu  beobachten  ist,  damit  er  Zeit  gewinnt,  die  erlittene  Störung  wieder
auszugleichen.  Nach  erfolgtem  Erbrechen  —  in  den  meisten  Fällen  die  wohltätige
  Selbsthilfe  —  mache  man  einen  warmen  Magenausfschlag  (Bauchflasche