742  Mastdarmkrankheiten.

sind  unter  dem  weiblichen  Geschlechte  leider  ein  alltägliches  übel,  das  meist
nicht  wirksam  genug  bekämpft  wird.  Außer  den  Anwendungen,  die  wir  schon
an  anderer  Stelle  besprochen  haben,  ist  das  kräftige  Frottieren  kalter  Gliedmaßen
  mit  warmen  Händen,  besonders  für  Geschwächte,  das  Angenehmste  und
Wirksamste.  Es  wird  ausgeführt,  wie  Fig.  474  darstellt  und  muß  etwa  fünf
Minuten  anhalten,  wenn  es  Erwärmung  erzielen  soll.  Darnach  folgt  Einpacken
in  wollene  Decken,  wenn  nötig  mit  Benützung  von  Wärmeflaschen,  dort  wo
kräftige  Bewegung  oder  Güsse  aus  bestimmten  Gründen  auszuschließen  sind.
Andere  Massage  oder  gar  schwierige  Griffe  hier
vorzuführen,  hat  keinen  praktischen  Zweck,  da  wir
zum  ernsthaften  Studium  der  Massage  gute  Spezialwerke
  besitzen,  und,  wie  schon  gesagt,  der  Laie  persönlicher
  Anweisungen  bedarf.

Mastcarmkrankbeiten.  Das  Endstück
des  Darmes  mit  der  Ausgangsöffnung  heißt  Mastdarm.
  Seine  häufigsten  Krankheiten  sind:  Knoten,
durch  verdickte  Venen  entstanden,  die  sich  oft  ent-Mastdarm-Bandage.

  zünden,  sehr  schmerzen,  und  auch  bluten;  Mastdarmkatarrh,

  mit  heftigem  Stuhldrang  und

blutig-schleimigen  Entleerungen;  Vorfall,  bei  großer  allgemeiner  Schwäche

oder  nach  starkem  Pressen,  bei  Stuhlverstopfung  entstehend;  Mastdarmfistel,

  die  oft  unerkannt  bleibt  und  selten  schwerere  Symptome  macht;  Mastdarmkrebs

  äußert  sich  mit  den  Zeichen  des  Dickdarmkatarrhes  und  ist  die
schwerste  aller  Erkrankungen.  (Siehe  „Darmleiden“.)

Behandlung.  Beseitigung  der  Ursache  —  Stauung  und  Trägheit  im
Verdauungsschlauch  bei  Darmknoten,  Stuhlverstopfung  bei  Vorfall  oder  Erschlaffungszuständen,
  verkehrte  Diät,  Schwächezustände  bei  Darmkatarrh  usw.
—  ist  die  erste  Aufgabe  des  Arztes,  dann  werden  Kräftigungs=  und  Linderungsmittel,
  wie  Bleibeklystiere,  warme  oder  kalte  Leibaufschläge,  Sitzbäder,
Sitzdampfbad,  ableitende  Wasseranwendungen,  Bauch=  und  Darmmassage  usw.
am  Platze  sein.  Vor  allem  ist  aber  leichte  und  fleischlose  Kost  einzuhalten,  die
allein  mitunter  schon  Darmkatarrhe  zur  Heilung  bringt.  Fettes,  Saures,
Gewürztes,  sehr  mehlreiche  Speisen,  Alkohol  sind  unter  allen  Umständen  zu
meiden,  dagegen  Milchdiät,  bei  hartem  Stuhl  saure  Molken  und  Obstkur  einzuführen.
  Eine  gute  Mastdarm-Bandage  bei  großer  Darmschwäche  und  Vorfall
stellt  Fig.  421  dar.  Die  Diät  im  Einzelfall  muß  ganz  den  indioiduellen  Verhältnissen
  angepaßt  und  nach  Bedürfnis  geändert  werden.  Oft  ist  die
dringend  nötige  Stuhlentleerung  nur  mit  kleinen  Olklystieren  zu  erzielen,  oder,
wenn  der  Darm  auch  dafür  zu  empfindlich  geworden,  durch  einen  milden,  treibenden
Tee,  wie  Faulbaumrinde  und  Schlehdorn  oder  Rhabarber-Tabletten.  Es  gibt
aber  auch  noch  viele  andere  leichte  Stuhlmittel.  Um  sich  die  Wirkung  zu  sichern,
muß  man  mit  ihnen  oft  wechseln  und  niemals  warten,  bis  die  Gewohnheit  den