744  Menstruation.

Frauen  zu  finden.  Man  kann  sagen,  sie  ist  der  Barometer  für  den  Gesund—
heitszustand  der  Frauen.

Behandlung.  Bei  schleimiger  Beschaffenheit  des  Blutes,  zu  heller
oder  zu  dunkler  Farbe  liegen  entweder  eine  Erkrankung  der  Gebärmutterschleim—
haut  (Innenhaut),  Blutstauungen  oder  Blutverwässerung  zugrunde.  Eine
entsprechende  Allgemeinbehandlung,  mit  Rücksicht  auf  Kräftezustand  und  Alter,
muß  mit  örtlicher  Behandlung  Hand  in  Hand  gehen.  Die  Massage  des
Uterus  —  (siehe  „Thure-Brand“)  —  das  Streichen,  Kneten,  Heben  der  Gebärmutter
  mit  feinfühligen  und  geübten  Fingerspitzen  führen  sehr  bald  zu  normalen
Zuständen.  Unterstützt  wird  der  Erfolg  durch  Sitzbäder  oder  ableitende
Wasseranwendungen  und  entsprechende  Diät.  Meist  ist  bei  ausgesprochenen
Gebärmutterleiden  auch  die  Verdaunng  mangelhaft,  Appetit  ungleich,  Stuhl
hart  und  aussetzend,  und  es  gehört  zu  den  ersten  Aufgaben,  diese  erst  in
Ordnung  zu  bringen,  um  Druckwirkungen  zu  verhüten  und  der  Ausheilung
der  Gebärmutter  die  günstigsten  Bedingungen  zu  schaffen.  Den  Einfluß
der  Diät  auf  Blutungen  und  Schmerzen  haben  wir  schon  vielfach  hervorgehoben,
  ebenso  die  ausgezeichnete  Wirkung  der  Wasseranwendungen.  Die
Art  der  Behandlung  erfordert  aber  für  jeden  einzelnen  Fall  so  viele  Verschiedenheiten,
  daß  man  keine  Aufstellung  geben  kann,  die  für  alle  passen
würde,  und  daß  umsichtige  ärztliche  Leitung  nicht  entbehrt  werden  kann.  Um
eine  richtige  Vorstellung  von  der  Behandlung  solcher  Fälle  zu  geben,  bringen
wir  zwei  Krankengeschichten,  welche  ganz  verschiedene  Zustände  aufweisen.
Die  erste  betrifft  eine  29  jährige  Frau  mit  starken,  achttägigen  Blutungen,
Kreuzschmerzen,  Kopfweh,  hartem  Stuhl,  kalten  Füßen,  gedrückter  Stimmung,
welche  früher  schon  einen  Mutterring,  angeblich  wegen  Senkung,  ein  halbes
Jahr  lang  getragen  hatte  und  vor  einigen  Monaten  eine  Auskratzung  hatte
vornehmen  lassen.  Nach  letzterer  war  zwei  Monate  lang  der  Blutverlust
geringer,  das  Allgemeinbesinden  aber  schlecht,  und  im  dritten  Monat  war  der
alle  schlechte  Zustand  wieder  da.

Die  Frau  bekam  zuerst  Rücken=  und  Bauchmassage  nebst  leichter  fleischund
  alkoholloser  Diät  und  täglichen  kühlen  Bleibeklystieren,  was  schon  in  wenigen
Tagen  zur  Folge  hatte,  daß  sie  weichen  Stuhl  und  besseren  Appetit  bekam.
Zur  Ableitung  des  Blutes  aus  dem  Becken  wurde  täglich  morgens  vor  dem
Frühstück  eine  übergießung  von  36°  und  26°  C.  ausgeführt,  darnach
tüchtig  frottiert  und  Bewegung  gemacht,  nachmittags  aber  ein  Wechselarmbad
  von  42°  und  16°  C.  gegeben.  Die  kalten  Füße  wurden  allabendlich
mit  warmen  Händen  gerieben  und  an  eine  mit  nassem  Tuch  ummickelte
Wärmflasche  gelegt,  was  ihre  alsbaldige  Erwärmung  zur  Folge  hatte.  Die  kalten
Lederschuhe  mußten  warmen,  durchlässigen  Tuchschuhen  (im  Winter)  weichen,
dann  begann  dreimal  wöchentlich  die  innere  Massage,  welche  von  vortrefflichster
Wirkung  war.  Bei  der  Frau  handelte  es  sich  um  chronische  Endometritis,
d.  i.  Erkrankung  der  Gebärmutterschleimhaut,  die  zu  einer  bedeutenden  Blut-