Merkurialismus  —  Migräne.  745

überfüllung  derselben  geführt  hatte;  im  Anschluß  daran  war  der  ganze  Stoffwechsel
  träge,  die  Ernährung  eine  unvollkommene.  Nach  sechs  Wochen  war
diese  Kranke  so  wohl  und  kräftig,  die  Menstruation  so  normal  verlaufen,
daß  sie  höchst  befriedigt  ihre  Kur  beendete.  Beim  zweiten  Fall  handelte
es  sich  nicht  um  verstärkte  Menstruation,  sondern  um  schmerzhafte.  Ein
22jähriges  Mädchen  litt  seit  etwa  drei  Jahren  an  heftigen  Schmerzen  zu
Beginn  der  Monatsblutung,  war  blutarm,  klagte  über  Herzerregung,  große
Mattigkeit,  Unlust  zur  Arbeit  und  zur  Unterhaltung.  Es  lag  eine  leichte  Knickung
nach  vorne  vor  und  mangelhafte  Tätigkeit  aller  Organe.  Innere  Massage,
Heißluftbäder,  tägliche  Sitzbäder,  Atemgymnastik,  Milch,  Obst,  Gemüse  anstatt
des  gewohnten  Bieres  und  Kaffees  hatten  beste  Wirkung.  Das  Allgemeinbefinden
  wurde  schon  nach  zwei  Wochen  sehr  befriedigend;  die  menstrualen
Schmerzen  besserten  sich  von  Monat  zu  Monat  und  belästigen  sie  jetzt  gar
nicht  mehr  wie  früher.  Die  Kur  hatte  kaum  sieben  Wochen  gedauert,  allerdings
  blieb  das  Mädchen  in  ihrer  ganzen  Lebensweise  noch  vorsichtig,  d.  h.
sie  blieb  auf  richtige  Körperpflege  bedacht.

Merkurialismus  ist  die  Vergistung  durch  Quecksilber,  die  so  oft
nach  Schmierkuren  eintritt,  ebenso  nach  innerer  Aufnahme  von  Quecksilber.
Speichelfluß  ist  das  erste  Zeichen  der  Vergiftung,  dann  tritt  ein  chronisches
Siechtum  ein,  das  jede  andere  Krankheit  in  ihrer  Gefahr  verdoppelt.  Oft
tritt  die  Wirkung  des  Quecksilbers  auch  nur  schleichend  zutage.  Man  hüte
sich  daher  vor  quecksilberhaltigen  Arzuneien,  und  wenn  man  sich  unwissentlich
doch  vergiftet  hat,  dann  übergebe  man  sich  einem  tüchtigen  Arzte  und  mache
unter  seiner  Leitung  eine  kräftig  ansscheidende  Kur.  Trockenkur  nach
Schroth,  wenn  es  die  Kräfte  erlanben!

Migräne.  Das  ist  der  unter  dem  weiblichen  Geschlechte  so  sehr
bekannte  halbseitige  Kopfschmerz,  der  meist  mit  übelkeiten,  Erbrechen,
großem  Elendsgefühl  begleitet  ist  und  nicht  so  selten  schon  in  der  Jugend
beginnt.  Mit  dem  Versiegen  der  Menstruation  verschwindet  er  auch  meist.
Oft  versagen  alle  Kuren;  am  sichersten  wirkt  noch  folgende

Behandlung:  Beseitigung  des  Fleisches  und  Alkohols,  tägliche  Halbbäder
  mit  Abkühlung,  Bergsteigen  bis  Schweißausbruch,  Luftbäder.  Außer
Vorgängen  im  Darm  sind  auch  sexuelle  Zustände  von  Einfluß,  besonders
Gebärmutterleiden.  Man  lasse  daher  die  ursächlichen  Zustände  feststellen,
bevor  man  eine  ernsthafte  Kur  beginnt;  denn  oft  ist  eine  alte  Rückwärtsknickung
  der  Gebärmutter  die  Ursache  schwerer  Migräne,  ein  anderesmal  sind
es  Gärungsvorgänge  im  Darm,  Erzeugung  von  Selbstgisten.  Anstrengende
geistige  Arbeit,  zu  häufiger  geschlechtlicher  Verkehr  können  Heilung  verhindern.
Vor  den  angepriesenen  Migränemitteln  sei  eindringlichst  gewarnt;  sie  bringen
entweder  nur  vorübergehend  Linderung  oder  schaden  dem  Organismus.  Migräne
ist  ein  Nervenleiden,  daß  nicht  nur  im  Kopfe  seinen  Sitz  hat;  es  wird  daher
durch  ein  Betäubungsmittel  nur  schlechter,  nicht  aber  wirklich  geheilt.