746  Milch  —  Mißbildungen.

Bei  beginnendem  Anfall  hat  sich  bitterer  schwarzer  Kaffee,  löffelweise
genommen,  bewährt,  ebenso  eine  heiße  Bauchflasche  (besonders  bei  Schüttelfrost),
  dann  Bettruhe  und  Wärme.  Gibt  man  im  ersten  Stadium  auftretendem
Heißhunger  nach,  so  wird  das  Erbrechen  später  um  so  heftiger.  Fasten  ist
das  sicherste  Mittel,  den  Anfall  in  Grenzen  zu  halten.

Milch.  (Siehe  Kapitel  über  „Ernährung“.)

Mitz.  Man  glaubt,  daß  die  Milz  eine  blutbereitende  Drüse  ist,
kennt  aber  weder  ihre  eigentlichen  Aufgaben  im  Organismus,  noch  ist  man
sich  über  ihre  Krankheiten  klar.  Fig.  429  zeigt  uns  ihre  Form  samt  den
zu-  und  abführenden  Gefäßen.  Sie  liegt  in  der  linken  Seite  in  der  Höhe
der  zehnten  Rippe  und  hat  einen  sehr  wechselnden  Blutgehalt.  Bei  allen
fieberhaften  Krankheiten,  besonders  aber  bei  Wechselfieber,  Typhus,  Leukämie
(Weißblutkrankheit)  schwillt  sie  dauernd  an,  erzeugt  Stechen  und  ein  Gefühl
der  Völle.  Eine  Milzverhärtung  gibt  es  auch,  wahrscheinlich  nach  langen  Kreislaufstörungen
  entstanden.  Man  sorge  für  flotteren  Stoffwechsel,  Erschütterungsmassage
  der  Milzgegend,  Verminderung  der  Flüssigkeitszufuhr,  sehr  mäßige
reizlose  Kost,  unter  Umständen  für  einige  Heißluftbäder  mit  Schweißerzeugung,
und  die  Milzvergrößerung  wird  verschwinden.

Dineralwässer.  Qnellen,  die  mineralische  Auflösungen  enthalten,
gibt  es  viele,  warm  und  kalt  aus  der  Erde  sprudelnd.  Man  schreibt  ihnen
besondere  Heilwirkungen  zu  und  erbaute  ihnen  große  „Bäder“.  Sie  enthalten
Eisen,  Salz,  Jod,  Brom,  kohlensaures  Natron  und  Schwefel,  und  wie  diese
Bestandteile  äußerlich  auf  die  Haut  einwirken,  ist  wissenschaftlich  noch  gar
nicht  erwiesen.  Am  klarsten  ist  noch  die  anregende  Wirkung  der  kohlensäurehaltigen.
  Daß  das  warme  Wasser  bei  den  Mineralbädern  die  hauptsächlichste
Wirkung  hat,  nicht  der  Mineralzusatz,  scheint  uns  ziemlich  sicher.  Das  Trinken
von  Mineralwasser  aber  ist  mit  besonderer  Vorsicht  aufzunehmen,  denn  es
hat  unter  Umständen  auch  Gefahren,  wenn  auch  gewisse  natürliche  Mischungen
von  Mineralien  eine  stark  lösende  und  austreibende  Wirkung  haben  und  daher
zuweilen  günstig  einwirken.  Will  man  Mineralien  dem  Organismus  zuführen,
so  ist  es  besser,  man  mischt  diese  bewußt  nach  Erfahrung  und  Wissen  und
schluckt  neben  den  förderlichen  nicht  noch  unbrauchbare  mit.  Der  Chemiker
Hensel  hat  nus  in  dieser  Hinsicht  viele  Fingerzeige  gegeben.

Miß;bildungen.  Alles,  was  von  der  normalen  Form  abweicht  und
angeboren  ist,  wird  zu  den  Mißbildungen  gerechnet;  sie  sind  also  die  Folge  von
Störungen,  welche  die  Frucht  im  Mutterleibe  erlitt.  Man  unterscheidet  doppelte
und  einfache;  erstere  entstehen,  wenn  sich  zwei  Früchte  entwickeln  und  eine  mit
der  andern  verwächst;  letztere,  wenn  es  sich  nur  um  eine  Frucht  handelt,  die
infolge  Druckwirkung  oder  nervöser  Einflüsse  irgendwie  gehemmt  wurde.  Dazu
rechnet  man  Hasenscharten,  Wolfsrachen  (gespaltene  Lippen  oder  Gaumen),
Mehrfingerigkeit,  Verwachsung  der  Finger  untereinander,  Klumpfüße,  genitale
Mißbildungen  usw.  Durch  Operationen  im  ersten  Lebensjahre  lassen  sich  lebens-