756  Nasenblutung  —  Nasenkrankheiten.

ableitend  durch  heiße  Beinbäder  und  Sitzbäder  mit  kaltem  Rückenguß  eingewirkt
  werden.

Dasenblutung.  In  gefährlicher  Weise  tritt  es  bei  Blutern  auf,  aber  auch
nach  schweren  Krankheiten,  dann  bei  Bleichsucht  und  bei  Beginn  der  Geschlechtsreife.
  Bei  Zirkulationsstörungen,  Blutwallungen  nach  dem  Kopfe  bedeutet  das
Nasenbluten  eine  Selbsthilfe  der  Natur,  indem  nach  Abgabe  eines  kleinen  Blutquantums
  Erleichterung  und  Ruhe  eintritt.  Bei  Blutarmut  aber  reißen  die
Gefäße  der  Nasenschleimhaut  zu  leicht  ein  und  führen  zu  schwächenden  Verlusten.

Behandlung.  Kalte  Aufschläge  auf  die  Brust,  heiße  Fußbäder,  heiße
Naseneinspritzungen,  ausgestreckte,  ruhige  Lage,  Tiefatmen,  Erheben  der  Arme
und  in  schlimmen  Fällen  Tamponade  der  Nase  (Verstopfen  mit  Wattekugeln).
Bei  Bleichsucht  muß  natürlich  auch  diese  behandelt  werden.  Wer  zu  Nasenbluten
  neigt,  darf  nicht  Bier,  Wein,  Kaffee,  Fleischbrühe  genießen,  darf  auch
nicht  turnen,  ballspielen,  radfahren,  laufen.  Luftbäder,  Barfußlaufen,  langsames
  Bergsteigen,  vorsichtige  Atemgymnastik  werden  Heilung  bringen.  In
Notfällen  stopft  man  die  Nase  mit  Eisenchloridwatte  zu.

Nalenkrankheiten.  Entzündung  und  Eiterung  der  Nasenschleimhaut,
akut  und  chronisch,  ist  ein  sehr  häufiges  Leiden,  besonders  bei  skrofulösen
Personen;  es  ist  der  bekannte  Nasenkatarrh.  Unter  Schnupfen  besprechen
wir  die  akute  Form  näher.  Der  chronische  muß  durch  innere  Massage,  Ausspritzungen,
  Heißluftbäder,  Beindampf  mit  kaltem  Knieguß  geheilt  werden.  Der
Nasenpolyyp  ist  bei  Kindern  jetzt  ein  immer  häufiger  auftretendes  Leiden
und  besteht  in  einer  Verdickung  der  Nasenschleimhaut,  welche  die  Nasenatmung
behindert  und  zum  Schlafen  mit  offenem  Munde  führt.  Ist  er  voll  zur  Entwicklung
  gelangt  —  vorher  wird  er  meist  nicht  entdeckt  —,  so  ist  nichts  so
wirkungsvoll  wie  die  operative  Entfernung  der  Wucherung.  „Nasenkrebs“
und  „Nasenwolf“  sind  seltene  Krankheiten,  die  den  Schwund  der  Nase  nach
sich  ziehen.  Durch  künstliches  Ansetzen  benachbarter  Hautteile  hat  man  den
Gesichtsfehler  zu  verbessern  gesucht  und  neue  Nasen  gebildet.  Unter  „Wolf“
versteht  man  die  „fressende  Flechte“  (Lupus),  die  ebenso  verheerend  wirkt  wie
„Krebs“.  Wirkliche  Heilungen  sind  beobachtet  worden.  Stinknase  (Ozaena)
besteht  in  einer  eitrigen  Entzündung  der  Nebenhöhlen  der  Nase,  die  eine  sich
zersetzende  Flüssigkeit  von  aashaftem  Gestank  absondern,  durch  welche  die  Nase
verstopft  wird,  da  sie  daselbst  eintrocknet  und  harte  Krusten  bildet;  diese  führen
leicht  zu  Blutung  der  Nasenschleimhaut,  wenn  man  sie  abreißt.  Das  Leiden
führt  oft  zu  Trübsinn,  da  der  Gestank  den  Verkehr  mit  anderen  Menschen  erschwert.
  Skrofulose,  Stoffwechselstörungen,  auch  Syphilis  können  Ursache  sein,
sowie  ein  vernachlässigter  chronischer  Nasenkatarrh.  Allgemeinbehandlung  wie
oben,  sorgfältige  Nasenmassage,  tägliche  warme  Nasenansspülungen  mit  Kochsalz,
Borax  oder  Kräutern,  und  zur  Beseitigung  des  Geruches  für  den  Anfang  Zusatz
von  chlorsaurem  Kali,  welches  sofort  Besserung  bringt  und  die  Bedauernswerten
wieder  zum  Verkehr  fähig  macht.  Doch  wende  man  letzteres  nur  in  Notfällen  an.