762  Niesen  —  Nymphomanie.

Beseitigung  des  Fleisches  und  Alkohols  in  erster  Linie  geben  allein  Bürgschaft
  für  gründliche  Heilung,  mitunter  stecken  auch  chronische  Entzündungen
der  Gebärmutter  und  der  Eierstöcke  dahinter.  Die  anderen  erwähnten
Nierenerkrankungen  sind  so  selten,  daß  sie  bei  dem  beschränkten  Raum,  der
uns  zur  Verfügung  steht,  unerörtert  bleiben  können.

Nielen.  Es  ist  eine  eigentümliche  heftige  Ausatmung,  mit  Reiz  in
der  Nasenschleimhant  verbunden,  die  durch  beginnende  Katarrhe  entsteht,  aber
auch  infolge  von  Reflexwirkungen,  d.  h.  Überstrahlung  von  anderen  Organen.
Bei  Nervösen,  auch  bei  gewissen  Gebärmutterleiden,  stellt  sich  oft  wiederholtes
Niesen  ohne  äußere  Veranlassung  ein.  Man  unterdrücke  es  nie  gewaltsam,
gewöhne  sich  aber  auch  nicht  das  unanständige  Hinausschreien  an.  Zuweilen
löst  es  Spannungen  im  Körper  und  hinterläßt  ein  gewisses  Wohlgefühl.
Benützung  von  Nieswurz  oder  Schnupftabak  stumpft  die  Schleimhaut  ab;
man  gewöhne  sich  nicht  an  solche  Reizmittel.

Likotinvergiftung.  Der  giftige  Bestandteil  des  Tabaks  ist  das
Nikotin,  welches  stark  auf  die  Magennerven  wirkt,  dann  schwere  Anfälle
von  Schwäche  und  Schwindel  erzengen  kann.  Frauen,  die  stark  rauchende
Männer  haben,  mögen  auf  diese  einwirken,  damit  diese  mäßiger  werden  oder
diesen  gefährlichen  Genuß  ganz  sein  lassen.  Wenn  Franen  aus  Koketterei
und  —  Afferei  den  Gebrauch  des  Tabaks  nachahmen,  so  handeln  sie  nach
jeder  Hinsicht  unklug  und  denjenigen  gegenüber,  welche  sie  durch  ihr  Beispiel
beeinflussen  sollten  —  also  ihren  Männern  und  Söhnen  gegenüber  —  unrecht.
  Wenn  auch  Frauen  beginnen,  schlechte  Gewohnheiten  und  —  alberne
Leidenschaften  nachzuahmen,  dann  hören  gute  Sitte,  Vernunft  und  Hygiene
im  Hause  ganz  auf!

Lymphomanie  („Mutterwut").  Bei  sexuell  unbefriedigten  Frauen,
nervös  veranlagten  oder  Gebärmutterkranken  stellt  sich  in  seltenen  Fällen  eine
so  hohe  geschlechtliche  Reizbarkeit  ein,  daß  ohne  Rücksicht  auf  Anstand  und
Vernunft  die  unglaublichsten  Mittel  zur  Befriedigung  des  Geschlechtstriebes
verwendet  werden.  Da  ein  solcher  Zustand  auch  auf  die  Intelligenz  ungünstig
einwirkt,  ist  es  begreiflich,  daß  solche  Kranke  den  Irrenhäusern  überliefert
werden.  Ohne  energische  ärztliche  Hilfe  kommt  man  bei  häuslicher  Behandlung
  nicht  zurecht.  Strenge  individuelle  Diät,  Packungen,  die  entweder  kühlend
oder  unter  Umständen  auch  schweißtreibend  wirken  müssen,  warme  Sitzbäder,
beruhigende  Kräuter,  strenge  überwachung,  für  manche  Fälle  Schrothkur  usw.
werden  Hilfe  bringen.  Nicht  gleichgültig  ist  es,  ob  vor  Ausbruch  des  Zustandes
  schon  Onanie  getrieben  wurde  oder  nicht,  ferner,  ob  vorher  Nervenkrankheiten
  aufgetreten  sind.  Alkohol  und  Kaffee  sind  streng  zu  vermeiden.
Nach  eingetretener  Beruhigung  muß  eine  intensive  seelische  Behandlung  eingreifen,
  die  von  einflußreichen  Verwandten  oder  Seelsorgern  oder  auch  einem
menschen-warmen,  psychiatrisch  gebildeten  Arzte  mit  großem  Erfolg  ausgeführt
werden  kann.