764  Ohrenkrankheiten.

Obrenkrankheiten.  Man  unterscheidet  Ohrenkatarrh,  Polypen,
Knochenfraß  mit  Vereiterung  und  Blutungen,  Ohrensausen,  Klingen,  zunehmende
Taubheit  bei  Verkalkung  der  Gehörknöchelchen,  Erkrankungen  des  Ohrnervs.

Der  Ohrenkatarrh  änußert  sich  als  dußerer  oder  innerer  und  sitzt
demnach  im  äußeren  Gehörgang  oder  in  der  Paukenhöhle.  Im  letzteren  Falle
ist  er  mit  vorübergehender  Schwerhörigkeit  verbunden.  Hält  er  zu  lange  an,
so  führt  er  zur  Zerstörung  des  Trommelfells  und  der  Gehörknöchelchen.  Der
eitrige  Ausfluß  kann  bei  chronischem  Ohrenkatarrh  Jahre  dauern  und  sehr
übelriechend  sein  und  stellt  sich  bei  skrofulösen  Personen  gerne  ein.  Schmerzen
im  äußeren  Ohr  entstehen
in  heftigem  Grade  bei  Bildung
  kleiner  Geschwüre,  die
auch  mit  Fieber  einhergehen;
sie  sind  jedoch  lange  nicht
so  gefährlich  wie  die  Erkraukungen
  des  inneren  Ohres.
Klingen  und  Sausen  rühren
von  Zirkulationsstörungen
her  und  finden  sich  bei
Blutarmen,  Nervösen  usw.

Behandlung.  Bei
verdächtigen  und  anhaltenden
  Gehörstörungen  oder
Schmerzen  gehe  man  sofort
zu  einem  Ohrenarzt,  da  sowohl
  richtige  Beurteilung
des  Zustandes  wie  Reinigung
  des  Ohres  oder  „Luftdusche"
  und  dergleichen  nur
von  einem  Arzt  ausgeführt  werden  können.  (Fig.  431.)

Bei  Ohrenkatarrh  der  Kinder  mache  man  Wattebauschen,  die  man
in  lauwarmes  Wasser  getaucht  in  den  Gehörgang  einschiebt  und  die  vorzüglich
  wirken.  Ob  und  wie  das  Ohr  ausgespritzt  werden  soll,  muß  der  Arzt
bestimmen;  denn  es  wird  mit  dem  Wasserstrahl  auch  manches  verdorben.
Dann  mache  man  äußere  feuchtwarme  Ohrpackungen,  Fußdämpfe,  Heißluftbäder
  und  richte  die  Diät  entsprechend  ein.  Bei  krankhaften  Säften  heilt
nicht  nur  eine  mehrwöchige  Kur,  sondern  wiederholte  Behandlung  und  jahrelange
  sorgfältige  Pflege.

Polypen  müssen  operativ  beseitigt  werden.  Durch  vernünftige  Lebensweise
  kann  weitere  Bildung  derselben  verhütet  werden.

Fig.  430  stellt  uns  einen  Fächer  dar,  der  unbemerkt  ein  Hörrohr  mit
Schallfänger  enthält  und  für  Schwerhörige  geschickt  gebraucht  werden  kann.

Fig.  431.  Anwendung  der  Ohrspritze.