Onanie.  767

Erzählungen,  welche  wohl  rühren,  aber  nicht  aufregen  dürfen  und  das  Kind
von  sich  selbst  ablenken;  eifrige  Arbeit,  ohne  Überanstrengung,  aber  doch
Körper  und  Seelenkräfte  anspannend;  nicht  minder  Sport,  der  unter  ver—
nünftiger  Leitung  betrieben  wird.

Leider  sind  die  erwachsenen  Onanisten  auch  unter  dem  weiblichen
Geschlechte  keine  Seltenheit  und  die  Zahl  derjenigen,  die  Trost  und  Rat
bei  der  Arztin  deshalb  suchen,  ist  keine  kleine.  Wenn  die  Erkenntnis  der
wahren  Bedeutung  ihres  Zustandes  sie  erfaßt,  kommt  meist  auch  heftige  Reue,
Angst  vor  ernsten  Folgen  über  sie,  und  sie  machen  große  Willensanstrengungen,
um  sich  von  der  bösen  Leidenschaft  zu  befreien.  Gebärmutterkatarrh,  schmerzhafte
  Menstruation,  allgemeine  nervöse  Erscheinungen,  nicht  selten  nervöses
Herzklopfen  usw.  sind  die  gewöhnlichsten  Erscheinungen  bei  ihnen.  Alte
Onanistinnen  sind  zur  Ehe  meist  wenig  tanglich;  entweder  leiden  sie  an
Scheidenkrämpfen,  oder  sie  sind  gegen  die  Annäherung  des  Mannes
empfindungslos.  Meist  ist  sie  ihnen  auch  widerwärtig.  Bei  bereits  eingetretener
  Erschlaffung  der  Gebärmutter  wird  auch  die  Mutterschaft  schwierig.
Die  Früchte  werden  oft  nicht  ausgetragen.  In  anderen  Fällen  ist  chronische
Gebärmutterentzündung  mit  ihrem  Heer  von  Übeln  die  Folge  der  beständigen
unnatürlichen  Reizungen.  Bei  temperamentvollen  jungen  Mädchen  dagegen
ist,  so  wie  beim  geschlechtlich  erregten  Mann,  die  Ehe  das  beste  Heilmittel,
das  aber  zu  rechter  Zeit  in  Anwendung  kommen  muß.

Die  jetzt  immer  häufiger  werdende  Ehelosigkeit  ist  für  Männer  und  Frauen
von  großer  Gefahr;  denn  sie  treibt  sie  nur  zu  oft  der  Onanie  in  die  Arme.

Zu  ihrer  direkten  Bekämpfung  beachte  man,  welche  Gegenmittel  für
die  Kinder  empfohlen  wurden,  denn  sie  gelten  mit  individueller  Anpassung
auch  für  Erwachsene.  Am  besten  ist  es,  nach  vorangegangener  Untersuchung
nur  nach  ärztlicher  Vorschrift  zu  handeln.

Über  ältere  weibliche  Onanisten  ist  noch  zu  sagen,  daß  sie  recht  häufig
einer  ganz  bestimmten  Form  der  Onanie  ergeben  sind,  und  zwar  jener,  die
nur  auf  geistigem  Wege,  also  durch  bedeutende  Nervenanstrengung,  ohne
äußere  Mithilfe  zustande  kommt.  Man  nennt  sie  auch  „Phantasiekranke“.
Diesen  kann  nicht  geholfen  werden,  wenn  sie  nicht  selbst  mit  äußerster
Anstrengung  wollen.  Dann  mögen  sie  folgende  Lebensweise  einschlagen:
Früh  aufstehen  und  nur  bei  ausgesprochener  Müdigkeit  zu  Bett  gehen,  hart
liegen  und  erhitzende  Federn  vermeiden,  alkoholfreie,  leichte  Diät,  tägliche
Gartenarbeiten,  Bergsteigen,  nicht  Sitzbäder,  sondern  wöchentlich  zwei  bis  drei
Halbbäder  mit  mäßiger  Abkühlung,  täglich  kurze,  kalte  Waschungen  der
äußeren  Genitalien,  wenn  Hitze  oder  Ausflüsse  vorhanden  sind  (ja  keine
Ausspülungen  der  Scheidel),  anspannende  Berufs=  oder  Hausarbeiten,  die
vom  inneren  Menschen  ablenken,  strenge  Vermeidung  jeglicher  die  Phantasie
erregender  Lektüre.  Dies  wird  sie  heilen!  Sind  diese  Bedauernswerten  im
übrigen  aber  gesund  und  sehnen  sie  sich  im  Alter  der  Reise  nach  der  EChe,