782  Ruhe  —  Salbei.

Ruhe.  Die  Ruhe  ist  dem  Menschen  ebenso  notwendig  wie  Bewegung.
Fehlt  sie  längere  Zeit,  so  kommen  wir  in  einen  Zustand  der  Erschöpfung;  haben
wir  zu  viel  davon,  wie  es  fette  und  träge  Menschen  häufig  pflegen,  dann  schadet
sie  uns  ebenso  sehr.  (Man  lese  das  fünfte  Kapitel  des  I.  Teiles  nach.)

Ruhr  (Dysenterie).  Sie  ist  eine  gefürchtete  Krankheit,  die  unter
ungünstigen  Umständen  rasch  zum  Tode  führen  kann.  Man  nennt  sie  auch
die  Diphtherie  des  Dickdarms,  da  dieser  dabei  ganz,  wie  die  Schleimhaut
des  Halses,  mit  grauen  Massen  belegt  wird.  Kolik,  Stuhldrang,  blutiger  Abgang,
  allgemeine  Entkräftung  sind  die  wesentlichsten  Erscheinungen.  Sumpfige
Gegenden,  Erkältung,  Strapazen,  Diätfehler  sind  die  häufigsten  Ursachen  der
Ruhr.  Schleimsuppen,  Dampfkompressen,  heiße  Vollbäder,  Fußdämpfe  sind
sehr  wirksam,  später  Rumpfpackung,  laue  Klystiere.  Der  Ansteckungsgefahr
wegen  müssen  die  Ausleerungen  sofort  mit  Karbolsäure  oder  Chlorkalk  vermischt
  und  beschmutzte  Wäschestücke  in  heißes  Sodawasser  gelegt  werden.

Ruffische  Bäder.  Man  versteht  darunter  die  Dampfstuben,  in
welchen  man  so  lange  verweilt,  bis  man  im  Schweiß  zu  sein  glaubt,  worauf
man  in  ein  Bassin  mit  warmem  oder  kaltem  Wasser  steigt,  oder  verschiedene
Duschen  anwendet.  Diese  Badeform  ist  recht  eingreifend,  daher  nicht  für
jedermann  geeignet.  Auch  ist  gegen  die  gemeinschaftlichen  Dampf=  und
Wasserräume  manches  einzuwenden,  weil  sie  sich  mit  den  Ausscheidungsstoffen
  kranker  Menschen  anfüllen.  Für  Schwächliche  oder  Kranke  haben
wir  daher  ganz  andere  Dampf=  oder  Schwitzbäder.

S.

Sadismus  ist  ein  Grausamkeitsdrang,  der  mit  einem  krankhaften
Geschlechtsleben  zusammenhängt.  Nur  durch  Mißhandlungen  geliebter  Personen
oder  durch  Grausamkeitsakte  tritt  Geschlechtserregung  ein.  Es  sind  dies  für
natürliche  Menschen  ganz  unbegreifliche  Außerungen  und  für  sittlich  Gebildete
unmögliche  Empfindungen.  Die  in  unserer  Zeit  so  häufig  auftretenden  Lustmorde
  gehören  in  dieses  Gebiet.  Das  Schreien  und  Beißen  leidenschaftlicher
und  unmäßiger  Männer  während  des  Begattungsaktes,  als  Zeichen  höchster
Geschlechtslust,  ist  dem  Sadismus  verwandt.  Bei  gewissen  Tieren  finden  wir
den  Liebesakt  immer  mit  grausamer  Wildheit  verbunden,  man  kann  also
ähnliche  Außerungen  beim  Menschen  als  tierisch  bezeichnen,  als  Außerungen
einer  niedrigeren  Kulturstufe.  Sie  können  bei  nervenkranken  Männern  auch
zu  Satyriasis  führen  (siehe  diese).

Salbei.  Ihre  Blätter  enthalten  viel  Gerbstoff;  man  gibt  sie  daher,
wo  man  zusammenziehend  einwirken  will,  bei  katarrhalischen  Absonderungen,
zu  reichlichen  Schweißen  usw.  Man  trinkt  den  Tee  oder  läßt  damit  gurgeln.
Er  hat  den  Vorteil  giftigen  Mitteln  gegenüber,  daß  er  wenigstens  nicht
schadet,  wo  er  nicht  viel  nützt.