Säuglingsnahrung  —  Schanker.  785

Übergängen  durchgeführt  —,  milde  Wasserbehandlung,  genau  angepaßte
Diät,  leichte  Gartenarbeit  oder  Gymnastik  führen  bald  zur  Heilung;  doch
läßt  sich  diese  nur  in  Heilanstalten  mit  entsprechenden  Einrichtungen  gründlich
erzielen.  Die  bestehenden  Trinkerheilstätten  haben  zwar  auch  gute  Erfolge,
weil  die  Aufsicht  und  psychische  Beeinflussung  der  Kranken  das  Hauptmoment
dabei  sind;  aber  sie  haben  noch  nicht  jene  Erfolge,  die  möglich  wären.  (Siehe
Tafel  Nr.  6,  Gesicht  eines  Trinkers.)

Säuglingsnabrung,  künstliche.  Die  Zahl  der  Kindernährmittel  mebrt
sich  von  Jahr  zu  Jahr.  Ihre  Zusammensetzung  ist  oft  ganz  vortrefflich,  trotzdem
gibt  es  kein  Nährmittel,  das  bei  allen  Säuglingen  gut  anschlägt  und  daher  in  allen
Fällen  anzuwenden  wäre.  Wir  führen  hier  als  bewährte  Säuglingsnahrung  an:
Mellins  Kindernahrung,  Reichhardts  Kindermehl,  Kaisers  Kindernahrung,
Kufekemehl  neben  älteren.  Man  versuche  in  Notfällen  so  lange,  bis  eines  anschlägt.

Säurebilckung.  Viele  Menschen  leiden  an  krankhafter  Säurebildung
im  Magen,  teils  infolge  verkehrter  Nahrung,  teils  infolge  krankhafter  Veränderungen
  der  Magenschleimhaut,  die  Brennen,  das  bekannte  Sodbrennen,
verursachen.  Auch  entstehen  saures  Aufstoßen  und  Unbehagen.

Behandlung.  Sie  besteht  vor  allem  in  Beseitigung  der  Entstehungsursachen
  und  in  systematischer  Kräftigung  der  Verdauungsorgane.  Fette,  süße,
saure  Speisen  vermeidet  man,  Bier,  süße  Limonaden  gleichfalls;  mageres
Fleisch,  gutes  Schrotbrot  (keine  Butter!),  gedämpfte  Gemüse,  Körnerfrüchte
(kein  Obstl),  leichte  Mehlspeisen  sind  angezeigt.  Pfefferminztee  oder
der  bittere  Aufguß  von  Tausendgüldenkraut  sind  mitunter  sehr  wohltätig.
Hauptsache  ist  aber  allgemeine  Hautpflege,  warme  Rumpfbäder,  Magenmassage,
  Gartenarbeit,  Bergsteigen  bis  zu  leichter  Schweißbildung,  da  oft
nervöse  Störungen  die  Grundursache  sind.  Gemütsaufregungen,  geistige  Überanstrengungen
  sind  zu  vermeiden.  Täglich  eine  Stunde  die  warme  Bauchflasche
  auf  den  Magen  legen,  wirkt  gleichfalls  günstig  ein.

Säuren.  Man  unterscheidet  pflanzliche  und  mineralische  Säuren:
beide  wirken  auf  Schleimhäute  ätzend  ein,  „verbrennen“  also  den  Magen,  wie
man  sich  auszudrücken  pflegt.  Die  scharfen  mineralischen  Säuren  rechnet  man
daher  zu  den  Giften  und  vermeidet  auch  ihre  Verdünnungen  gerne.  Die
pflanzlichen  dagegen,  wie  Zitronen-,  Essigsäure  und  andere,  haben  in  verdünnter
Form  eine  auregende  Wirkung,  sie  kühlen  und  wirken  angenehm.

Schanker.  Bei  einer  durch  geschlechtlichen  Verkehr  erfolgten  Ansteckung
entsteht  oft  ein  fressendes  Geschwür  am  Schenkel  und  an  den  äußeren  Geschlechtsteilen,
  das  sowohl  hart  als  auch  weich  sein  kann.  Letzteres  ist  das  weniger
gefährliche,  das  auch  leichter  ausheilt.  In  beiden  Fällen  schwellen  die
Lymphdrüsen  in  der  Leistengegend  an,  ja  brechen  beim  „weichen  Schanken“
wohl  auch  auf.  Wie  weit  es  sich  dabei  um  syphilitische  Ansteckung
handelt,  die  eine  sorgfältige  Allgemeinbehandlung  erfordert,  ist  noch  nicht

Tlie  Frau  als  Hausärziin.  50