786  Scharlach.

festgestellt,  zu  rechnen  aber  hat  man  immer  mit  dieser.  Viele  Frauen  sind,
ahnungslos  über  den  moralischen  Zustand  ihres  Mannes,  von  diesem  angesteckt
worden  und  haben  schuldlos  ein  schweres  Leiden  auf  sich  nehmen  müssen.
Die  Tat  des  Mannes  ist  ein  Verbrechen,  durch  nichts  mehr  gut  zu  machen.

Behandlung.  Frische  Fälle  von  Schanker  müssen  bei  reizloser  Kost
mit  täglichen  Andampfungen,  Ganzpackungen  und  Vollbädern  behandelt
werden;  für  veraltete  Fälle  sind  Trockenkuren  (siehe  diese)  das  wirksamste
Mittel.  Niemals  versäume  man  sofortige  ärztliche  Untersuchung,  wenn  eine
harte  Geschwulst  oder  ein  offenes  Geschwür  sich  an  den  Geschlechtsteilen
einstellt;  aber  man  ängstige  sich  auch  nicht  gleich,  wenn  sich  vielleicht  ein
Furunkel  daselbst  entwickelt  oder  eine  Vereiterung  der  Bartholinischen  Drüsen,
was  beides  verhältnismäßig  recht  oft  vorkommt,  aber  nicht  immer  mit  Ansteckung
  etwas  zu  tun  hat.  (Siehe  weiteres  unter  „Syphilis“).

Scharlach.  Eine  epidemisch  auftretende,  fieberhafte  Krankheit,  mit
heftiger  Rötung  der  Haut,  der  eine  Abschälung  derselben  folgt  und  Neigung
zu  mehr  oder  minder  ernsten  Nachkrankheiten,  wird  „Scharlach“  genannt.
Nicht  nur  die  Haut,  auch  Hals  und  Nieren  erkranken  beim  Scharlach,  und
zwar  der  Hals  zuerst,  die  Nieren  zuletzt,  oft  auch  nur  in  unmerklicher  Weise.
Man  weiß,  daß  Scharlach  sehr  ansteckend  ist,  auch  daß  Erwachsene  sowie
Kinder  leicht  davon  ergriffen  werden;  das  eigentliche  Krankheitsgift  kennt  man
aber  noch  nicht.  Erbrechen  und  heftiges  Fieber  sind  die  ersten  Anzeichen,
Halsschmerzen,  eine  himbeerartig  gerötete  Zunge  folgen  diesen,  zuweilen  auch
Delirien  und  Bewußtlosigkeit,  dann  breitet  sich  der  Ausschlag  von  Brust  und
Rücken  über  den  ganzen  Körper  aus.  Er  unterscheidet  sich  von  den  Masern
dadurch,  daß  er  keine  weißen,  freien  Hautstellen  übrig  läßt,  sondern  mit  fast
gleichmäßiger  Röte  den  ganzen  Körper  überzieht.  Auf  unserer  Tafel  Nr.  23
sind  die  Unterschiede  der  genannten  Krankheiten  dargestellt  und  beide  im
Anfangsstadium  aufgenommen.  Eiweiß  im  Urin  fehlt  selten,  da  die  Nieren
immer  in  einen  gewissen  Reizzustand  kommen.

Behandlung.  Ruhe,  reichliche  Lüftung  und  bei  heftigem  Fieber
einstündlich  zu  wechselnde  Rumpfpackungen,  ferner  Klystiere,  kühlend  oder
ausleerend,  je  nach  den  Umständen,  Zitronenwasser,  Apfelsinen  oder  andere
frische,  saftreiche  Früchte,  sonst  nichts.  Bei  Drüseneiterungen,  Nierenentzündung,
Mundfäule  usw.  heiße  Kompressen  auf  die  Drüsengeschwulst  oder  Eröffnung
durch  den  Arzt,  um  dem  Eiter,  der  das  Fieber  verlängert,  einen  Ausweg  zu
schaffen;  Sitzbäder,  Kompressen,  unter  Umständen  Bettdampfbäder  bei  Nierenerkrankung,
  Ausspülungen  der  Mundhöhle  mit  lauem  Wasser,  auch  mit
Salbeitee,  sowie  Entfernung  der  sich  ablösenden  Häute  bei  Mundfäule  usw.
sind  notwendig.  Wenn  das  Fieber  abnimmt,  sind  tägliche  Halbbäder,  35°  C.,
sehr  zuträglich,  Beinbäder,  etwa  38°  C.,  mit  kühler  Übergießung  der  Knie,
sind  mitunter  bei  Kopfleiden  sehr  zu  empfehlen.  Niemand  unternehme  es  aber,
Scharlachkranke  allein,  ohne  ärztliche  Aufsicht  zu  behandeln.  Der  Scharlach