Scheidenkrankheiten.  787

ist  eine  tückische  Krankheit,  die  oft  die  ganze  Aufmerksamkeit  und  Kunst  des
Arztes  herausfordert  und  gar  nicht  so  selten  zum  Tode  führt.
Scheidenkrankbeiten.  Scheidenkatarrh,-Entzündung,-Krampf  und
Vorfall  sind  die  häufigsten  Erkrankungen.  Bei  Stoffwechselstörungen  im
Becken,  bei  alter  Stuhlverstopfung  oder  Stauungen  tritt  zuweilen  auch  eine
Entzündung  der  Scheide  ein,  die  Brennen  und  Hitze  verursacht.  Dabei  entwickelt
  sich  auch  gerne  ein  „Katarrh“,  d.  i.  eine  vermehrte  Schleimabsonderung
infolge  Reizzustandes  der  Schleimhautdrüsen.  Bei  zu  häufigem  Geschlechtsverkehr
  oder  nach  Ansteckung  durch  einen  tripperkranken  Mann  tritt  der
Scheidenkatarrh  mit  Heftigkeit  auf.  Unter  Brennen  und  Hitze  fließt  eine

Fig.  438.
Rückwärtslagerung  der  Gebärmutter,  ver-  Eingesetzter  Mutterring,  um  die  Gebärbunden
  mit  Senkung  derselben,  sowie  der  mutter  in  normaler  Lage  zu  halten.
vorderen  und  hinteren  Scheidenwand.  □  Gebärmutter.  M  Mastdarm.
6  Gebärmutter.  M  Mastdarm.  H  Harnblase.

H  Harnblase.

rahmähnliche  Flüssigkeit  ab.  Laue  Ausspülungen,  Sitzbäder  von  35°%  C.  auf
25°  C.  abgekühlt,  nasse  Wattebauschen,  zweistündlich  eingelegt,  mindern  die
Beschwerden  wesentlich  und  beseitigen  die  Entzündung.  Einige  Heißluftbäder
unterstützen  die  raschere  Ausheilung.  Selbstverständlich  muß  bei  solchen
katarrhalischen  Zuständen  jeglicher  eheliche  Verkehr  unterbleiben  und  möglichste
Schonung  beobachtet  werden.  Der  Scheidenkrampf  (Vaginismus)  ist  ein
quälender  Zustand,  der  sich  bei  großer  allgemeiner  Nervosität,  bei  Neigung  zu
Lungenerkrankungen,  nach  Onanie  in  der  Ingend,  bei  Hysterie  usw.  einstellt  und
in  einer  oft  schmerzhaften  Zusammenziehung  der  Becken=  und  Scheidenmuskeln
besteht,  die  ehelichen  Umgang  zur  Unmöglichkeit  machen.  Es  gibt  Fälle,  die  so
hartnäckig  sind,  daß  sie  aller  Behandlung,  auch  der  vorsichtigsten  und  ausdauerndsten,
  trotzen.  Andere  aber  weichen  nach  warmen  Bädern,  innerer
Massage,  Gewöhnung  an  Tampons  (in  der  Scheide  getragen)  und  einer
allgemeinen  Kräftigungskur.  Auch  seelische  Beeinflussung  hat  gute  Erfolge
gezeigt.  Liebe  und  Vertrauen  zum  Gatten,  ferner  eine  gewisse  geistige  Selb-50
