788  Scheidenvorfall  —  Scheintod.

ständigkeit,  welche  die  Frau  befähigt,  in  der  Ehe  nicht  nur  der  erleidende,  sondern
auch  ein  mitbestimmender  Teil  zu  sein,  sind  mächtige  Faktoren  im  Kampfe  gegen
diesen  Zustand.  Bei  geängstigten  jungen  Frauen,  die  als  halbe  Kinder  in  die
Ehe  treten  und  die  Scheu  vor  dem  vielleicht  etwas  barschen  Manne  nie  über—
winden  können,  tritt  Scheidenkrampf  als  Reflexerscheinung  verhältnismäßig
leicht  auf.  Dies  sei  eine  Mahnung,  Kinder  nicht  heiraten,  ebensowenig  erwachsene
Mädchen  über  Fortpflanzung  und  das  Wesen  der  Ehe  unaufgeklärt  zu  lassen.

Scheidenvorfall.  Bei  inneren  Erschlaffungszuständen,  nach  schweren
Geburten,  nach  großen  Blutungen,  nach  operativen  Eingriffen,  aber  auch  nur
bei  Schwäche  der  Beckenorgane  tritt  eine  Lockerung  in  dem  Gewebe  ein,  das
die  Wände  der  Scheide  festhält.  Sie  schiebt  sich  dann  nach  unten,  wulstet  sich
vor  und  hat  schon  mancher  Frau  eine  „Geschwulst“  vorgetäuscht.  Ist  die
Gebärmutter  beweglich,  vielleicht  groß  und  schwer,  oder  nach  hinten  geneigt,
dann  folgt  dem  Scheidenvorfall  gerne  ein  Gebärmuttervorfall.  (Siehe  diesen.)
Nicht  minder  wird  der  Scheidenvorfall  durch  eine  Verkleinerung  des  Dammes
beeinflußt.  (Siehe  „Dammriß“  im  II.  Teil.)  Der  feste  Damm  bildet  für  die
Scheide  eine  Stütze,  welche  die  Frau  nicht  vermissen  kann.  Ist  der  Vorfall  groß
und  hat  die  Frau  wenig  Schonung,  dann  stellen  sich  an  dem  vorgefallenen
Teile  oft  wunde  Stellen  ein,  die  eine  blutig  gesärbte  Flüssigkeit  absondern
und  die  davon  Befallenen  meist  unnötigerweise  ängstigen.  Nasse,  kalte  Wattebauschen,
  gutsitzend,  Eichenrindensitzbäder,  kalte  Schenkelgüsse,  Massage  der
Scheidenwände,  Beaufsichtigung  des  Stuhlganges,  damit  nicht  harter  Stuhl
durch  das  mit  ihm  verbundene  Drängen  und  Pressen  den  Vorfall  vermehrt.
Heben  des  Bauches  durch  einen  Juno-Gürtel  werden  solche  Besserung  des
Zustandes  bringen,  daß  man  davon  nicht  mehr  belästigt  wird.  Ist  die  Erschlaffung
  zu  stark  und  kann  die  beschriebene  Kur  nicht  richtig  ausgeführt
werden,  dann  bleibt  nur  ein  operativer  Eingriff  übrig,  der  darin  besteht,  daß
man  einen  Teil  der  Hautfalten  herausschneidet,  den  Damm  vergrößert  und
das  Scheidenrohr  durch  Zusammennähen  verengt.  Dann  kann  kein  Vorfall
mehr  zustande  kommen,  ob  innere  Erschlaffungszustände  auch  fortbestehen.  Der
Eingriff  ist  gefahrlos,  sofern  die  Narkose  nicht  Schwierigkeiten  verursacht.
Wer  es  jedoch  vermag,  lasse  sich  gleich  bei  beginnendem  Vorfall  in  der  angegebenen
  Weise  behandeln.  Ringe  gegen  Scheidenvorfall  empfehlen  wir  nicht.

Scheintock.  Wenn  die  Atmung  stille  steht,  der  Puls  unfühlbar
geworden  ist  und  scheinbar  Empfindungslosigkeit  eintritt  bei  vollständiger
Unbeweglichkeit,  und  wenn  dieser  Zustand  Stunden  und  Tage  anhält,  ohne
weitere  Zeichen  des  Todes  zu  erzengen,  dann  darf  man  von  „Scheintod“
sprechen.  Hysterische  Frauen  verfallen  am  häufigsten  in  denselben,  auch
andere  Personen,  die  verunglückt  oder  heftig  erschrocken  sind,  z.  B.  Erhängte,
Ertrunkene,  Abgestürzte.

Behandlung.  Künstliche  Atemübungen,  heiße  Vollbäder,  trockenes
Reiben  der  Arme  und  Beine  von  warmen,  jugendlichen  Personen,  die  sich