Schielen  —  Schlaflosigkeit.  789

viertelstündig  ablösen,  haben  schon  Wunder  gewirkt  und  manchen  scheinbar
Verstorbenen  zu  neuem  Leben  erweckt.  Ruhige  Ansführung  und  reichliche
Zufuhr  frischer  Luft,  auch  bei  Nacht,  ergänzen  die  geschilderte  Behandlung.

Schielen.  Infolge  Muskelverkürzung  wird  die  Blicklinie  beider  Aug—
äpfel  nicht  so  gerichtet,  daß  sie  sich  in  dem  Gegenstande  treffen;  eine  weicht
ab,  sie  geht  vorüber.  Durchschneidung  dieses  verkürzten  Muskels  setzt  den
Augapfel  oft  in  den  Stand,  dem  Zuge  der  anderen  Muskeln  Folge  zu  leisten.
Man  hole  stets  das  Urteil  eines  guten  Augenarztes  über  den  Zustand  des
Auges  ein  und  bleibe  bemüht,  diesen  häßlichen  Fehler  zu  beseitigen.  (Siehe
Tafel  Nr.  15  „Das  Auge“.)

Schlaflosigkeit.  Was  gesunder  Schlaf  ist,  das  lehrt  uns  die
Jugend.  Es  ist  derjenige  Zustand  allgemeiner  Ruhe,  in  welchem  der  Körper
und  namentlich  das  Gehirn  die  während  des  Tages  ausgegebenen  Stoffe
wieder  ersetzen  und  neue  Kräfte  sammeln.  Dazu  gehört  aber,  daß  der  Schlaf
fest  und  ruhig  sei  und  daß  weder  Geräusche  aus  der  Außenwelt  noch  Träume
ihn  stören.  In  den  Großstädten,  wo  die  halbe  Nacht  durch  auf  dem  Straßenpflaster
  Wagen  rasseln  und  gar  die  „Elektrische“  vorüberrast,  dort  verlernt
man  allmählich  gesunden  und  tiefen  Schlaf.  Die  kaum  auf  drei  bis  vier
Stunden  schweigenden  Geräusche  der  Außenwelt  erhalten  das  Gehirn  immer
in  Unruhe  und  schaffen  „nervöse“  Menschen,  welche  so  oft  an  Schlaflosigkeit
leiden.  Diese  schafft  einen  qualvollen  Zustand,  der  dem  Menschen  alle  Kräfte
raubt,  ihn  sichtlich  altern  läßt,  die  Verdauung,  die  Herztätigkeit  stört  und
ihn  bald  ganz  lebensüberdrüssig  macht.  Auch  schlechte  Luft,  mangelnder
Sauerstoff  führen  zu  Schlaflosigkeit,  dann  Alkohol,  große  Blutarmut,
Schmerzen,  Überanstrengung,  besonders  durch  geistige  Arbeit,  zu  reiche  Kost
und  anderes  mehr.  Man  wähle  darum  stets  den  ruhigsten  und  luftigsten
Raum  zum  Schlafgemach,  sorge  für  ein  gutes  Bett  (siehe  „Unsere  Kleidung“
im  I.  Teil),  für  leichte  und  an  Masse  geringe,  nicht  erregende  Speise  zum
Abend,  vermeide  aufregende  Lektüre  vor  dem  Schlafengehen  und  bemühe  sich,
durch  abwechselnde  Tätigkeit  und  körperliche  Arbeit  müde  in  das  Bett  zu
kommen.  Bei  offenen  Fenstern  schläft  es  sich  dann  recht  gut!
Bei  krankhafter  Schlaflosigkeit  erforsche  man  zuerst  deren  Ursache,  dann  versuche
  man  dagegen:  einen  kalten  Leibaufschlag  oder  eine  kalte  Stirnkompresse
oder  ebensolchen  Nackenaufschlag;  man  lege  sich  ganz  flach,  vermeide  erhitzende
Federbetten,  mache  eine  Viertelstunde  lang  liegend  Atemübungen,  stehe  auf  und
nehme  entkleidet  ein  fünf  bis  zehn  oder  fünfzehn  Minuten  langes  Luftbad
im  Zimmer,  verbunden  mit  leichten  gymnastischen  Ubungen;  vor  dem  Zubettgehen
  ist  zuweilen  ein  heißes  Fußbad  sehr  wohltätig,  noch  mehr  ein  einstündiger
  Spaziergang  in  Nacht  und  Nebel.  Auch  kalte  Wadenwickel  sind
beliebt  bei  Schlaflosigkeit  und  die  künstliche  Ermüdung  des  Gehirns  durch
langsames  Zählen,  anhaltende  Vorstellungen  über  gleichmäßige  Bewegung
irgendeines  Körpers,  z.  B.  des  Uhrpendels,  fallender  Wassertropfen,  eines