790  Schlafsucht  —  Schlagfluß.

wogenden  Kornfeldes  usw.  Auch  leise  Streichmassage  mit  weicher,  warmer
Frauenhand,  ferner  bloß  das  Auflegen  solcher  Hände  unter  leisem,  eintönigem
Zusprechen  vermag  nicht  nur  unruhige  Kinder,  sondern  auch  schlaflose  Erwachsene
  einzuschläfern.  Die  Mütter  sollten  dieses  Verfahren  recht  üben.
Wochenlanges  Verweilen  in  einem  stillen  Waldhause,  wo  man  auch  nachts
die  stärkende  Waldluft  einatmen  kann,  und  täglich  systematisch  betriebene
Bergtouren  werden  Schlaf  bringen,  wo  er  monatelang  fehlte.  Mit  „Schlafmitteln“
  lasse  man  sich  nicht  ein;  sie  sind  gefährlich  und  bringen  nie  so
erquickenden  Schlaf  wie  die  angegebenen  Anwendungen;  wenn  der  Glaube
mitwirkt,  gestatte  man  sich  höchstens  einmal  eine  Tasse  Kamillen=  oder
Baldriantee.  Bei  jener  Schlaflosigkeit,  die  auf  ernsterer  Nervenerkrankung
beruht,  helfen  solche  Mittelchen  natürlich  nichts.

Schlafsucht.  Nach  Alkoholgenuß,  im  hohen  Fieber,  bei  großer
Blutarmut,  nach  Erschöpfung  oder  dem  Gebrauch  narkotischer  Mittel  tritt  ein
schlafähnlicher  Zustand  ein,  oder  auch  die  Sucht,  ununterbrochen  schlafend  zu
verweilen.  Bei  Nerven=  und  Gehirnleiden  tritt  dieser  Zustand  mitunter  in
beängstigender  Weise  auf.  Auch  hier  muß  zuerst  die  Grundursache  festgestellt
  werden,  bevor  man  die  Behandlung  des  Zustandes  aufnimmt.  Kalte
Abwaschungen,  Zufuhr  kalter,  sauerstoffreicher  Luft,  gymnastische  übungen
unter  energischer  ärztlicher  Leitung,  kühle  Klystiere  und  frisches  Obst  usw.
sind  von  bester  Wirkung,  wenn  sie,  dem  Zustande  angepaßt,  angewendet
werden.  Fieberhafte  Zustände  verlangen  natürlich  eine  andere  Behandlung.

Schlagfluß.  (Apoplexie.)  Man  versteht  unter  „Schlag“  das  Bersten
von  Blutgefäßen,  Bluterguß  in  andere  Gewebe  und  infolge  der  plötzlichen
Druckwirkung  Lähmung  oder  Tod.  Beim  Bersten  von  Lungengefäßen  tritt
Blutsturz  ein,  beim  Bluterguß  ins  Gehirn  so  heftige  Druckwirkung  auf  die
empfindliche  und  weiche  Gehirnmasse,  daß  die  schwersten  Veränderungen  mit
dem  Menschen  vorgehen.  Bei  zunehmender  Verkalkung  der  Gefäßwände  tritt
in  den  fünfziger  Jahren  ein  Bersten  der  Gefäße,  besonders  bei  gewohnheitsgemäßem
  Alkoholgenuß,  recht  häufig  ein.  Ungesunde  Lebensweise,  auch  ohne
Alkohol,  kann  bei  jedem  Menschen  zu  „Arterienverkalkung“  und  damit  zur
Anlage  für  Schlagfluß  führen.  Er  kann  langsam  eintreten,  unter  Schwindel,
Kopfschmerz,  Nasenbluten,  Schläfrigkeit  usw.,  oder  plötzlich  unter  Bewußtlosigkeit
  und  lautlosem  Zusammenstürzen.  Richtige  Pflege  bei  leichtem  Schlagfluß
  kann  bleibende  Nachwirkungen  verhüten;  in  schweren  Fällen  bleiben  für
längere  Zeit,  auch  zeitlebens,  gestörte  Sprache,  gelähmte  Glieder,  Geistesschwäche
  und  ähnliches  zurück.  Wiederholte  Schlagflüsse  führen  dann  den
ersehnten  Tod  herbei.

Behandlung.  Menschen  mit  gerötetem  Gesicht,  kurzem  Hals,  Blutwallungen
  müssen  sich  vor  üppigen  Mahlzeiten,  vor  Alkohol  und  vor  überanstrengung
  oder  heftiger  Aufregung  hüten,  denn  diese  können  leicht  im
reiseren  Alter  einem  Schlagfluß  erliegen.  Einfache  Kost,  körperliche  Be-