Schleier  —  Schluchzen.  791

wegung,  Massage  wird  sie  aber  davor  bewahren.  Einen  vom  Schlage  Betroffenen
  lasse  man  bei  geöffneten  Feustern  liegen,  kühle  den  Kopf  mit  nassen
Kompressen,  mache  kalte  Wadenpackung  und  lege  heiße  Wärmflaschen  an,
damit  die  Beine  sich  mit  Blut  füllen  und  recht  heiß  werden;  tägliche  Klystiere,
damit  sich  ja  keine  Stuhlverstopfung  entwickeln  kann,  kühle  Ganzabwaschungen,
Sauermilch,  Molken,  Zwieback,  Obstsäfte  und  frische  Früchte,  ferner  Teilmassage
je  nach  dem  Gesamtzustand  werden  bedeutende  Besserung  bringen.  Später
sind  bei  Lähmungen  kalte  Güsse,  kräftige  örtliche  Massage,  Heilgymnastik,
allgemeine  Kräftigungskuren,  aber  mit  Vorsicht  ausgeführt,  angezeigt.

Schleier.  Das  Schleiertragen  ist  bei  der  Frauenwelt  sehr  beliebt,
weiße  Schleier  im  Frühjahr,  schwarze  im  Herbst.  Da  sie  die  Gesichtszüge
unklar  machen,  gute  Farben  oder  leuchtende  Augen  aber  hervortreten  lassen,
wirken  sie  verschönernd.  Sie  halten  den  Atem  etwas  zurück,  ebenso  die
Wärmeausstrahlung;  im  Winter  aber  fängt  sich  im  zarten  Gewebe  des
Schleiers  der  ausgeatmete  Wasserdunst,  welcher  meist  gefriert  und  dann
Lippen  und  Wangen  in  unangenehmer  Weise  anliegt.  Dies  kann  zu  stellenweiser
  Rötung  des  Gesichts  führen.  Rote  Nasenspitzen  sollen  die  Folgen
zu  vielen  Schleiertragens  sein.  Jugendliche  Gestalten  in  einen  wallenden
Schleier  verhüllt  sind  etwas  Schönes;  das  Vorbinden  kleiner  Tülläppchen  aber
hat  wenig  Sinn,  macht  oft  einen  koketten  Eindruck  und  ist  eigentlich  nur
berechtigt,  wenn  man  Gesichtsfehler  verdecken  will  oder  sich  bei  bestimmten
Anlässen  vor  Staub,  Ruß  usw.  schützen  möchte.  Im  heißen  Sommer  wie
im  kalten  Winter  ist  der  Schleier  ebenso  unangenehm  wie  unsinnig.  Noch
soll  erwähnt  werden,  daß  gemusterter  Tüll  schwachen  Augen  besonders
  schäd  ich  ist.

Schleim  und  Schleimbäute.  Alle  Schleimdrüsen  sondern  eine
Feuchtigkeit  ab,  welche  die  Schleimhaut  schlüpfrig  erhält  und  Schleim  genannt
  wird.  Er  ist  sowohl  weißlich  wie  gelblich,  dünn  oder  auch  dick.
Unser  Körper  erzeugt  viel  Schleim.  Vermehrt  er  sich  in  unangenehmer  Weise
und  unter  Entzündungserscheinungen,  dann  hat  man  es  mit  „Katarrhen“
zu  tun.  Als  „Schleimfieber“  bezeichnete  man  früher  eine  Erkrankung
der  Verdauungsorgane,  die  man  heute  mehr  als  typhusähnlichen  Zustand  auffaßt,
  oder  auch  als  „Gallenfieber“  bezeichnet.  Es  ist  also  ein  normaler  Zustand,
  wenn  gewisse  Körperhöhlen,  wie  die  Nase,  die  Scheide  öfters  feucht
sind;  trockene  Schleimhäute  sind  krank.  Welche  Veränderungen  an  den  Schleimhäuten
  der  Körperhöhlen  eintreten  können,  zeigen  uns  Fig.  370  und  371.
Die  wichtigsten  Veränderungen  spielen  sich  an  der  Gebärmutterschleimhaut  ab.
Die  häufigsten  Krankheiten  sehen  wir  auch  daselbst  entstehen.

Schluchzen.  Damit  bezeichnet  man  gewöhnlich  krampfartige  Bewegungen
  des  Zwerchfelles,  welchen  kurze  Einatmungen  folgen.  Man  führt
diese  unangenehmen  Erscheinungen,  die  sich  oft  rasch  wiederholen,  auf  eine
Vagusreizung  zurück.  Tiefes  Atmen  bei  offenem  Fenuster,  frisches  Wasser