Schreibkrampf  —  Schrothsche  Kur.  793

Schreibkrampf.  Durch  übermäßiges  Schreiben,  aber  auch  bei
nervösen  Zuständen  tritt  ein  schmerzhafter  Krampf  in  der  rechten  Hand  ein,
der  das  Schreiben  oft  schon  nach  wenigen  Augenblicken  unmöglich  macht.
Vollständige  Ruhe,  warme  Armbäder,  Arm=  und  Handmassage,  allgemeine
Kräftigung  bringen  bald  Besserung  und  Heilung.  Anderung  des  Federhalters
  und  der  Handhabung  beim  Schreiben,  auch  Einübung  der  linken
Hand,  um  die  rechte  vollständig  ruhen  zu  lassen,  sind  weitere  Hilfsmittel.

Schrotbscche  Kur.  Schroth  lebte  in  der  Nähe  von  Prießnitz
in  Lindewiese  (Osterreichisch-Schlesien)  und  stellte  eine  Kurmethode  zusammen,
mittelst  welcher  ihm  nicht  nur  gelang,  Fieber  zu  erzengen,  sondern  auch
schwere  Stoffwechselstörungen,  krankhafte  Ansammlungen,  eingedrungene  Giftstoffe
  zu  beseitigen.  Er  erzielte  dies  durch  künstliche  Verminderung  des
Flüssigkeitsgehaltes  des  Körpers,  indem  er  dursten  ließ  und  nur  eine  wasser--eiweiß=
  und  fettarme  Kost  verabreichte.  Ein  zweiter  mächtiger  Faktor  seiner
Methode  war  die  feuchte  Wärme.  Zu  diesem  Zwecke  machte  er  täglich
stundenlange  Ganzpackungen  und  ließ  viel  dunsten.  Er  erzielte  in  verzweifelten,
  langwierigen  Fällen,  so  auch  bei  Syphilis  große  Erfolge;
eine  gewisse  Widerstandskraft  des  Kranken  ist  aber  notwendig  bei  dieser  Kur,
da  sie  vorübergehend  angreift.  Auch  kann  die  Art  ihrer  Anwendung  verschieden
  sein  und  muß  dem  Kräftezustand  angepaßt  werden.  Das  Hungern
und  Dursten  ist  also  der  Hauptfaktor  dieser  Behandlungsmethode.  Es
wird  dadurch  ein  träger  Organismus  gezwungen,  von  seinen  ausgespeicherten
Stoffen  (Fett,  Wasser,  Harnsäure  usw.)  abzugeben,  und  wir  erzielen  damit
eine  wirkliche  Reinigung  und  Befreiung  von  schädlichen  Stoffwechselprodukten.
Die  Folge  davon  ist:  bedentende  Gewichtsabnahme,  verbesserte  Verdauung,
Kräftigung  des  Herzens,  schließlich  bessere  Gesichtsfarbe  und  eine  Verjüngung
des  ganzen  Menschen.  Für  fette  aufgeschwemmte  Menschen,  für  Magen-,
Darm=  und  Leberkranke,  für  Gicht  und  Rheumatismus,  ja  selbst  für  gewisse
nervöse  Leiden  gibt  es  daher  keine  wirksamere  Kur  als  die  nach  Schroth.
Die  Nahrung  besteht  hauptsächlich  in  trockenen  Semmeln  und  dicken  Breien.
Wasser  wird  gar  keines  verabreicht  und  an  den  sogenannten  Trinktagen  nur
leichte  Weine  oder  alkoholfreie  Obstsäfte.  Es  ist  erfreulich,  daß  jetzt  allerorts
das  Interesse  für  die  Schrothkur  sich  wieder  belebt  und  sogar  eigene  Anstalten
  dafür  errichtet  werden.  Eine  solche  ist  das  Sanatorium  von
Dr.  Möller  in  Loschwitz  bei  Dresden,  das  vortresflich  geleitet  wird  und
daher  chronisch  Kranken  warm  empfohlen  werden  kann.  In  unserer  Zeit,
in  welcher  so  viele  hygienische  Fehler  begangen  werden  und  so  viele  Menschen
durch  verkehrtes  Essen  und  Trinken  sich  künstlich  krank  machen,  müssen  wir
in  der  Schrothkur  auch  ein  Erziehungsmittel  erblicken,  wie  es  wirksamer  kein
zweites  gibt.  Wer  sich  daher  schlechte  Eß=  und  Trinkgewohnheiten  abgewöhnen
will  und  wer  sich  über  seinen  wahren  Gesundheitszustand  klar  geworden  ist,  der
zögere  nicht  und  mache  zur  Verlängerung  seines  Lebens  eine  Schrothkur  durch.