794  Schuppenflechte  —  Schwachsinn.

Schuppenflechte.  Sie  ist  erblich,  aber  nicht  eigentlich  übertragbar,
erzeugt  Jucken  und  Brennen  und  bedeckt  oft  den  ganzen  Kopf  und  den
größeren  Teil  des  Körpers.  Weiße  Schuppen  fallen  massenhaft  ab  und
lassen  gerötete,  nässende  Stellen  zurück.  Das  männliche  Geschlecht  wird
häufiger  von  ihr  befallen  als  das  weibliche,  und  wenn  die  Anfälle  des  Ausschlages,
  den  man  jetzt  immer  mehr  zu  den  Nervenkrankheiten  rechnet,  monatelang
  andauern,  so  können  sie  die  Karriere  eines  jungen  Mannes  wohl  auch
zerstören  und  schwere  Gemütsstörungen  zur  Folge  haben.  Man  achte  bei
Knaben  auf  juckende  Stellen  an  den  Ellenbogen  und  auf  dem  Kopfe.  Diese
Krankheit  gilt  eigentlich  als  unheilbar;  wenigstens  vermögen  Arsenik  und
Teerkuren  nur  zeitweise  Pausen  zu  schaffen.  Kalte  Bäder,  sowie  Sonnenbäder
  werden  wegen  des  damit  verbundenen  Nervenreizes  auch  nicht  vertragen;
  aber  warme  Vollbäder  und  milde  Einfettungen  bringen  Linderung;
viel  Bewegung  im  Freien,  einfache  Kost  und,  wenn  der  Ausschlag  sich  wieder
ausbreiten  will,  die  Dyessche  Aderlaßkur  (siehe  „Aderlaß")  beschränken
den  Ausschlag  auf  ein  geringfügiges  Maß.  Auch  Schrothsche  Trockenkur
und  Mineralbäder  wirken  zuweilen  vortrefflich.

Schüttelfrost.  Er  ist  oft  die  Einleitung  einer  schweren  Krankheit,
so  bei  Lungenentzündung,  Kindbettfieber  und  anderen,  oder  entsteht  auch  nach
starken  Gemütserregungen,  und  besteht  in  heftigen  Kaltegefühlen  infolge
Zirkulationsstörungen,  während  trotz  kalter  Haut  und  blauen  Lippen  innerlich
schon  Fieberhitze  vorhanden  ist.  Man  hebt  diese  Zirkulationsstörung  am
besten  durch  ein  warmes  Vollbad  auf,  das  aber  leider  nie  so  rasch,  wie
nötig  wäre,  hergestellt  werden  kann.  Dann  lege  man  feuchtummickelte  heiße
Wärmflaschen  an  (fünf  oder  sechs  Stück),  lasse  warmen  Lindenblütentee  trinken
und  decke  den  Kranken  warm  zu.  Die  Schüttelanfälle  werden  dann  bald
nachlassen  und  die  Haut,  deren  Gefäße  zusammengezogen  waren,  wird  sich
mit  Blut  anfüllen,  worauf  Erleichterung  eintritt.

Schwachsinn.  Wenn  Mütter  während  der  Schwangerschaft  Kummer
und  Entbehrungen  zu  ertragen  hatten,  oder  das  Kind  im  Alkoholrausch  des
Vaters  gezeugt  wurde,  ferner  wenn  Geistes=  und  Nervenkrankheiten  in  Der
Familie  herrschen,  dann  kommen  schwachsinnige  Kinder  zur  Welt,  die  spät  gehen
lernen,  sich  frühe  im  Benehmen  von  anderen  Kindern  unterscheiden,  in  der
Schule  nicht  fortkommen  und  geistigen  Einflüssen  wenig  zugänglich  sind.  Ein
Abnehmen  der  geistigen  Kräfte,  Gleichgültigkeit,  kindliches  Benehmen,  Vergeßlichkeit
  stellen  sich  auch  in  reiferen  Jahren  nach  schweren  Hirn=  oder  Nervenkrankheiten
  ein.  Solche  Menschen  brauchen  viel  Geduld  und  Schonung  und
sorgfältigste  Pflege.  Schwachsinnig  Geborene  können  durch  richtige  Behandlung
bei  guten  Körperkräften  noch  einige  geistige  Fortschritte  machen;  bei  vorhandenen
  Mißbildungen  aber  ist  dies  gewöhnlich  ausgeschlossen.  Je  nach
dem  Bau  des  Kindes  versucht  man  es  unter  ärztlicher  Leitung  mit  Schwitzpackungen
  mit  nachfolgenden  Halbbädern,  welche  oft  von  auffallend  befreiender