796  Schweißfuß.

von  einem  feinen  Nervennetz  durchzogen  ist,  das  mit  dem  Gehirn  in  Verbindung
  steht,  so  wird  begreiflich,  warum  seelische  Affekte,  wie  Angst,  Zorn,
schweißerzeugend  wirken.  Bei  Nervenschwäche  von  gewisser  Art  haben  wir  daher
die  krankhafte  Schweißbildung  bei  den  verschiedensten  Anlässen,  also  eine  vermehrte
  Wasserabgabe  aus  dem  Blute  infolge  vermehrten  Nervenreizes.  Größere
Muskelanstrengungen  ziehen  mehr  Blut  nach  den  Muskeln;  die  reicher  gefüllten
Gefäße  geben  dann  mehr  Blutwasser  an  die  Hautdrüsen  ab,  und  darum  schwitzen
wir  bei  anhaltender  Arbeit  und  Körperbewegung,  oder  wenn  die  Haut  bei
erhöhter  Temperatur  blutreicher  wird.  Damit  haben  wir  gleichzeitig  die  Erklärung
  gegeben,  warum  wir  die  Anwendung  der  feuchten  Wärme  bei  den
verschiedensten  Krankheitszuständen  so  sehr  schätzen,  warum  wir  in  der  Schweißerzeugung
  eine  Erleichterung  des  oft  mit  schädlichen  Bestandteilen  überfüllten
Blutes  und  daher  eine  „Säftereinigung“  durch  Schweißerzeugung  erblicken,
endlich  warum  wir  jene  Anwendungen  so  sehr  pflegen,  welche  den  Blutgehalt
der  Haut  vermehren  und  ihre  Funktionskraft  erhöhen.

Menschen,  die  das  Schwitzen  verlernt  haben,  sind  nicht  mehr  normal
und  entbehren  eines  Ausgleiches,  welcher  dem  Gesunden  so  wohltätig  wird;
Menschen,  die  zu  viel  schwitzen,  sind  entweder  nerven=  oder  lungenkrank.  Im
letzteren  Falle  wird  durch  die  schlecht  arbeitenden  Lungen  zu  wenig  Wasser
abgegeben,  und  dann  tritt  die  Haut  stellvertretend  ein.  Durch  Luftbäder,
durchlässige  Kleiderstoffe,  kräftigende  Muskeltätigkeit  bleibt,  wie  wir  schon  aus
anderen  Kapiteln  unseres  Buches  wissen,  die  Haut  gesund,  sind  die  Schweißdrüsen
  in  normaler  Tätigkeit  und  ist  daher  die  Gesundheit  innerer  Organe,
die  wie  Lunge  und  Niere  in  gewissem  Austausch  zueinander  stehen,  gesichert.

Man  achte  auf  die  Kinder,  welche  immer  trockene  Haut  zeigen,  ebenso  auf  jene,
welche  bei  jedem  Anlaß  schwitzen,  und  hole  sich  ärztlichen  Rat  über  ihre  Behandlung.

Unter  kritischen  Schweißen  versteht  man  den  plötzlichen  Schweißausbruch
  nach  fieberhafter  Trockenheit,  nach  welchem  Temperaturabfall  und  Erleichterung
  eintritt.  Schweißtreibende  Mittel  sind  Dampf,  festanliegende  Packungen,
Heißluftbäder,  anstrengende  Muskelübungen,  energisches  Bergsteigen,  Trinken
heißer  Getränke,  besonders  der  Zitronenlimonade  und  des  Lindenblütentees,
mehrfache  Kleiderschichten.  Die  gesündeste,  wirksamste  Art  Schweiß  zu  erzeugen,
ist  die  durch  Muskelanstrengung  erzielte,  bei  gleichzeitigem  Genuß  frischer  Luft
(Bergsteigen!);  eine  sehr  ausgiebige  Absonderung  bewirkt  die  Trockenpackung.

Schweißfuß.  Siehe  Kapitel  „Unsere  Fußbekleidung“,  Seite  151.
Bei  Schweißfüßen  ist  die  Ernährung  zu  berücksichtigen  und  der  Gesamtzustand.
  Immer  fehlt  es  anderswo,  wenn  dieses  ekelhafte  Übel  nicht  weichen
will.  Warme  Fußbäder  mit  Eichenrinden-Abkochung,  feuchte  Fußpackungen,
Barfußlaufen,  Streichmassage  mit  Einfettung,  Luftbäder,  allgemeine  Nervenkräftigung
  neben  gelegentlicher  Anwendung  des  Lenicet-Schweiß-Puder
werden  Anderung  bringen.  Abschaffung  geschlossener  Lederstiefel  und  häufiges
Wechseln  der  Strümpfe  sind  aber  unerläßlich.  (Siehe  auch  „Jußschweiß“.)