Schwermut  —  Seebäder.  797

Schwermut.  Siehe  „Melancholie".

Schwimmen.  Jeder  Mensch  sollte  schwimmen  lernen!  Nicht  nur
um  den  Brustkasten  auszudehnen,  die  Muskeln  zu  kräftigen,  sondern  auch  um
den  persönlichen  Mut  zu  heben  und  ein  Element  beherrschen  zu  lernen,  das
oft  eine  so  große  Rolle  in  unserem  Leben  spielt.  Leider  ist  ein  wenigstens
viertelstündiger  Aufenthalt  im  kalten  Wasser  nicht  für  jedermann  angezeigt;
viele  Personen  sind  nach  einem  Flußbade  so  angegriffen,  daß  sie  viel  mehr
geschädigt  als  erfrischt  davon  sind.  Sie  seien  vor  kalten  Bädern  also  gewarnt.
Gesunde  Menschen  aber  und  die  Jugend  vor  allem  sollen  nicht  versäumen,  im
warmen  Sommer  guten  Schwimmunterricht  zu  nehmen.  Sie  werden  dadurch  in
ihrem  ganzen  Bestand,  körperlich  und  geistig,  gefördert,  indem  auch  Mut  und
Selbstvertrauen  dadurch  gestärkt  werden.  Man  betrachte  unsere  Sportstafel!

Schwinclel.  Den  Verlust  unseres  Gleichgewichtsgefühls  nennen  wir
Schwindel.  Es  kann  uns  nur  teilweise  und  für  wenige  Augenblicke  verloren
gehen,  wodurch  wir  in  ein  leichtes  Schwanken  geraten,  aber  es  kann  so  heftig
werden,  daß  wir  uns  nicht  mehr  aufrecht  zu  halten  vermögen  und  stürzen.
Das  Schwindelgefühl  beruht  auf  plötzlich  geändertem  Blutgehalt  des  Gehirns,
und  dieser  kann  verschiedene  Ursachen  haben.  Nervöse  Zustände,  Kongestionen,
Blutleere,  Alkohol  oder  einzelne  Arzneigifte,  heftige  Sinneseindrücke  oder
Gehirnerkrankungen  können  die  Ursache  sein.  Nur  wenn  sich  die  Anfälle
wiederholen  und  heftig  werden,  erheischen  sie  Behandlung,  und  diese  richtet
sich  nach  der  Ursache  des  Schwindels.  Herzkranke,  Frauen  mit  Geschwülsten,
Augenkranke,  Anämische  usw.  haben  oft  Schwindelanfälle.  Setzen  oder  ausgestreckt
  Hinlegen,  Schließen  der  Augen,  Offnen  der  Kleider,  ein  paar  Schluck
frisches  Wasser  trinken,  bei  rascher  Wiederholung  der  Aunfälle  ein  heißes
Fußbad  oder  bei  auffallender  Blässe  kurze  Zeit  ein  kalter  Aufschlag  auf  den
Kopf  mit  Tieflagerung  desselben,  auch  auf  das  Herz,  Tiefatmen  in  reiner  Luft
führen  sofort  Besserung  herbei.  Bei  ernsten  Ohr=  und  Augenerkrankungen
müssen  die  Anfälle  mit  Geduld  ertragen  werden,  etwas  physiologisches
Salz  nach  Hensel  in  Wasser  aufgelöst  oder  auf  Reisen  Hoffmannsche
Tropfen  auf  Zucker  wirken  belebend  und  umstimmend.

Seebäder.  Man  lese  nach,  was  im  dritten  Kapitel  über  „Seeluft“
gesagt  ist,  denn  diese  spielt  bei  dem  Gebrauch  der  Seebäder  wesentlich  mit.
Das  Seebad  ist  ein  natürliches  Solbad,  bei  welchem  also  der  Salzgehalt
des  Wassers  und  der  Wellenschlag  von  hautreizender  Wirkung  auf  den  Badenden
  sind.  Bei  Stoffwechselstörungen  aller  Art  werden  die  Seebäder  daher
von  vortrefflicher  Wirkung  sein;  für  Herz-,  Lungen=  und  Nervenschwache  aber
taugen  sie  meist  nicht.  Solche  müssen  sich  mit  Luftbädern  am  Strande  genügen
  lassen.  Das  Mittelländische  Meer  soll  mehr  Salzgehalt  haben  als  die
Ost=  und  Nordsee  (zwei  bis  drei  Prozent);  die  Temperatur  desselben  ist  viel
wärmer  als  die  der  nördlichen  Seebäder,  welche  selten  über  18°  C.  kommen.