802  Sodbrennen  —  Sonnenbad.

Sodbrennen.  Das  Brennen  in  der  Speiseröhre,  das  viele  Magenkranke
  und  Nervöse  in  der  quälendsten  Weise  oft  stundenlang  haben,  wird
so  genannt.  Man  vermutet,  daß  es  durch  Bildung  von  Essigsäure  auf  der
Schleimhaut  entsteht,  wenn  der  Magensaft  nicht  die  richtige  Zusammensetzung
hat.  Behandlung  des  Magenkatarrhs  und  der  Nervenschwäche  wird  die  Grundursache
  beseitigen,  vorsichtige  Kost  das  Brennen  vermindern.  Man  darf  nicht
gezuckerte  und  fettige  Speisen,  oder  sauere  genießen,  nicht  große,  feste  Massen
oder  bedeutende  Flüssigkeitsmengen  auf  einmal  zuführen.  Eine  reizlose  Kost,
lau,  nicht  heiß  und  nicht  kalt,  wohlgekaute  Bissen,  auch  zeitweilig  zur
Bindung  der  Essigsäure  beigeführte  gebrannte  Magnesia  oder  Lindenkohle
bringen  große  Erleichterung.

Sonnenbad.  (Siehe  Tafel  Nr.  26.)  Über  die  Bedeutung  der
Sonne,  ihrer  Wärme  und  ihres  Lichtes  lese  man  im  dritten  Kapitel  nach,  man
wird  dann  die  Bedeutung  der  „Sonnenbäder“  mühelos  begreifen.  Sie  bestehen
  darin,  daß  man  sich  ausgekleidet  in  die  Sonne  legt  und  die  Sonnenstrahlen
  auf  sich  wirken  läßt.  Bei  ruhiger  Luft  und  brennender  Sonne  bricht
der  Schweiß  sehr  bald  aus  allen  Poren;  man  unterstützt  diesen  Ausbruch,
wenn  man  den  erwärmten  Körper  in  wollene  Decken  packt  und  ihn  ruhig
liegen  läßt.  Dieses  Schwitzbad  ist  sehr  ausgiebig,  daher  bei  tiefsitzenden  Leiden
und  kräftigen  Personen  wohl  am  Platze.  Bei  geschwächten  aber  müssen  wir
zu  milderen  Mitteln  greifen.  Man  darf  nie  vergessen,  daß  die  Sonne  durch
Vereinigung  des  Lichtes  und  der  Wärme  mächtig  erregend  auf  den  ganzen
Organismus  einwirkt,  daß  daher  zu  häufige  und  zu  lange  Einwirkung  der
Sonnenstrahlen  um  so  aufregender  wirkt,  je  widerstandsunfähiger  und  nervenschwächer
  ein  Mensch  ist.  Wir  verbinden  daher  das  „Luftbad“  mit  dem
„Sonnenbad“,  wie  es  unsere  Frauengestalten  uns  auf  Tafel  Nr.  26  vorführen,
  und  wenden  für  bestimmte  Leiden  örtliche  Sonnenbäder  an.  Fig.  394
zeigt  uns  eine  Frau  mit  chronischer  Kniegelenksentzündung,  die  täglich  ihr
Knie  ein  bis  zwei  Stunden  in  die  Sonne  legt,  um  die  stockenden  Säfte  in
Fluß  zu  bringen  und  die  belebende  Kraft  der  Sonne  auf  ihr  krankes  Bein
einwirken  zu  lassen.  Im  II.  Teil  sehen  wir  auf  Tafel  11  ein  Vegetarierkind
auf  einer  Decke  in  der  Sonne  sitzend,  wie  es  vergnügt  strampelt  und  sich  der
Wärme  und  des  Lichtes  freut.  Der  erste  Abteilungskarton  führt  uns  ein
Bad  im  Waldbach  vor,  das  aber  auch  ein  Sonnenbad  ist.  Fig.  443  stellt
das  Taulaufen  in  der  Morgensonne  vor.  Solche  Pflege  fördert  Leben
und  Gesundheit!

Erregbare  Personen  dürfen  sich  unbewegt  nur  viertelstundenweise  den
Sonnenstrahlen  aussetzen;  denn  sie  bekommen  leicht  Kopfschmerzen,  Schlaflosigkeit,
  allgemeine  Erregung,  wenn  sie  zuviel  Sonne  genießen.  Für  diese
sind  Luftbäder,  abwechselnd  mit  Sonne  und  Schatten,  angezeigt,  und  zur
Belebung  der  Zirkulation  öfteres  Ansonnen  der  Beine  bis  zum  Knie.  Wir
sehen  auf  unserer  Tafel  Nr.  26  Brust  und  Kopf  der  Liegenden  beschattet,