Staub  —  Stimmritzenkrampf.  805

Starrkrampf  veranlaßt,  sind  die  Ursache  des  fürchterlichen  Zustandes.  Versuche,
  zu  schlucken  oder  die  Berührung  eines  anderen  Menschen  vermehren
den  Krampfzustand,  und  wenn  nicht  bald  Besserung  eintritt,  geht  der  Kranke
an  Erschöpfung  (Verhungern)  zugrunde.  Die  Starrsucht  tritt  auch  bei
Hysterie  ein  und  hat  einen  anderen  Charakter  als  bei  dem  erstgenannten  Zustand.

Behandlung.  Heiße  Böäder,  heiße  Kompressen  auf  Nacken  und
Rücken,  feuchtwarme  Wickelungen,  Zufuhr  frischer  Luft  und  strengste  äußere
Ruhe  dürften  nebst  Behandlung  der  vorhandenen  Wunde  am  meisten  Erfolg
haben.  Entfernung  etwa  vorhandener  Fremdkörper  in  der  Wunde  muß
natürlich  in  erster  Linie  stattfinden.  Morphium  und  Chloroform  lösen
die  Krämpfe  für  einige  Zeit,  indem  sie  lähmen  und  dann  Gelegenheit  geben,
durch  die  Schlundsonde  flüssige  Nahrung  zuzuführen.

Staub.  Siehe  zweites  Kapitel  über  „Luft“,  I.  Teil.

Stillen.  „Kein  heiligeres  und  glorreicheres  Symbol  der  Lebensewigkeit
  konnte  es  geben  als  dieses:  Das  Kind  an  der  Mutterbrust!  Es
war  die  Fortsetzung  des  Gebärens,  die  Mutter  gab  sich  noch  monatelang
ganz  hin,  vollendete  die  Schaffung  eines  Menschen,  öffnete  die  Lebensquelle,
die  aus  ihrem  Leibe  durch  die  Welt  floß.  Sie  hatte  das  nackte  und  hilflose
Kind  nur  aus  ihrem  Innern  entlassen,  um  es  an  ihrer  warmen  Brust  zu
bergen,  an  diesem  neuen  Zufluchtsort  der  Liebe,  wo  es  sich  wärmte  und  sich
nährte.  Sie  allein  konnte  um  ihrer  beider  Gesundheit  und  Schönheit  willen
die  Nahrungspendende  sein,  nachdem  sie  die  Daseinsspendende  gewesen.  Mit
einfacher  ruhiger  Bewegung  öffnete  Marianne  ihr  Kleid  und  enthüllte  ihre
weiße  Brust,  deren  rosige  Spitze  oon  Milch  geschwellt  war,  wie  eine  Knospe,
aus  der  die  Lebensblume  sich  entfalten  sollte.  Sie  tat  dies  unter  der  Sonne,
die  sie  mit  Goldglanz  übergoß,  angesichts  der  weiten  Landschaft,  die  sie  sah,
ohne  jede  Scham  oder  Unrnhe,  nackt  zu  sein,  denn  die  Erde  war  nackt,  die
Bäume,  die  Pflanzen  waren  nackt  und  quollen  über  von  Lebenssaft.  Die
seine  Milchquelle  schwoll  an  und  sollte  zum  Strome  werden.  Rings  um  sich
fühlte  die  Mutter  diese  Quelle  überall  emporsprudeln  und  sich  ergießen.
Nicht  sie  allein  nährte;  die  Frühlingssäfte  schwellten  die  Ackerfurchen,  machten
die  Bäume  erbeben,  drängten  die  Gräser  empor,  in  deren  Mitte  sie  saß.
Unter  sich,  in  dieser  ewig  zengenden  Erde,  fühlte  sie  diese  Säfteflut,  fühlte
sie  auf  sich  übergehen,  ihr  die  Milch  wiedergeben,  die  ihrer  Brust  eutfloß.
Es  war  die  Milchflut,  die  über  die  ganze  Welt  sich  ergoß,  die  ewige  Lebensflut,
die  ewig  neue  Saat  emporsprießen  läßt.“  So  spricht  Zola  über  seine  sängende
Marianne  in  seinem  Roman  „Fruchtbarkeit“,  diese  schöne,  gute  und  fruchtbare
  Mustermutter.  Man  lese  das  Buch.

Stimmritzenkrampf.  Er  kommt  bei  dicken  Kindern  häusig  vor,
wenn  sie  irgendwelche  Aufregung  gehabt  haben.  Der  Anfall  macht  einen  sehr
erschreckenden  Eindruck,  das  Kind  bleibt  ohne  Atem,  wird  blau  und  fällt  nach
hinten.  Ein  Krampf  der  Kehlkopfmuskeln  unterbricht  die  Atmung.  Englische