808  Syphilis.

dieses  Zustandes,  der  so  oft  ganze  Familien  vergiftet,  muß  die  bewußte  Aufgabe
  aller  gewissenhaften  Eltern  werden:  die  Söhne  bewahre  man  vor
außerehelichem  Verkehr,  und  die  Töchter  lasse  man  keine  Männer
heiraten,  die  früher  eine  Ansteckung  erlitten  haben.  Dann  gibt  es
gesunde  Ehen  mit  kräftiger  Nachkommenschaft!

Harmlos  und  schmerzlos  beginnt  die  syphilitische  Erkrankung  und  zwar
2  bis  4  Wochen  nach  erfolgter  Ansteckung.  Dieser  Umstand  wiegt  viele
Personen  in  Sorglosigkeit  ein.  Dann  entsteht  als  Erstes  eine  kleine  Geschwurlst,
die  nicht  schmerzt  und  meist  erst  dann  beachtet  wird,  wenn  sie  größer  geworden
ist  und  vielleicht  aufbricht.  Sie  sitzt  beim  Manne  an  der  Vorhaut  oder
Eichel,  beim  Weibe  an  den  großen  oder  kleinen  Schamlippen.  Sie  kann
einige  Wochen  bestehen,  dann  vergehen  oder  sich  verhärten,  wobei  gleichzeitig
die  Leistendrüsen  anschwellen  (Bubonen).  Das  ist  der  sogenannte  „Primäraffekt“
  oder  „harte  Schanker“.  (Siehe  „Schanker“.)  Die  Drüsenschwellung
kommt  aber  erst  zustande,  wenn  das  syphilitische  Gift  bereits  den  ganzen
Körper  durchsetzt  hat.  Entwickeln  kann  sich  der  harte  Schanker  überall
dort,  wo  sich  Schleimhautzellen  befinden,  die  an  einer  Stelle  die  Oberhaut
ein  wenig  verletzt  hatten,  so  daß  das  Gift  raschen  Eingang  fand.  Daher
entstehen  sie  auch  an  dem  Mund.  Als  weiteres  Zeichen  der  Allgemein-Infektion
  sind  die  Hautausschläge,  die  sich  bald  früher,  bald  später  am  ganzen
Körper  entwickeln,  anzusprechen.  Man  kennt  die  verschiedensten  Formen  vom
kleinen  roten  Fleckchen  bis  zum  hartrandigen  Geschwüre  („Syphilide“  und
„Condylome").  Siehe  unsere  Tafel  24  „Hautkrankheiten“;  Fig.  1  stellt  die
häufigste  Form  der  Roseola  syphil.  dar,  die  besonders  deutlich  an  den  Bauchdecken
  auftritt.  Auch  wenn  ein  solcher  Ausschlag  schnell  vergeht,  darf  man
diese  Erscheinung  nicht  als  ein  Zeichen  der  Ausheilung  aufnehmen.  Die
Ausbrüche  der  Hauterkrankung  können  sich  wiederholen  und  zwar  unter  den
verschiedensten  Symptomen.  Die  Schleimhäute  des  Rachens,  Kehlkopfes  und
der  Nase  werden  zuweilen  in  der  heftigsten  Weise  von  der  Erkrankung  ergriffen.
Als  hartnäckiger  Katarrh  beginnt  sie,  dann  treten  Knötchen  auf  und  es  entwickeln
  sich  fressende  Geschwüre,  die  den  Gaumen  bis  auf  den  Knochen  zerstören
können.  In  der  Nase  kann  die  syphil.  Ozaena  entstehen  (siehe  diese)  oder
nach  erfolgter  Zerstörung  die  bekannte  „Sattelnase“.  In  der  Regenbogenhaut
(Jris)  entwickeln  sich  chronische  Entzündungen,  an  den  Knochen  eitrige  sehr
schmerzhafte  Entzündungen  der  Knochenhaut,  viele  Jahre  nach  der  Ansteckung
können  noch  innere  Organe  erkranken,  Gehirn,  Rückenmark  usw.,  und  zwar
nach  jahrelangem  scheinbar  gutem  Befinden.

Daß  Syphilis  auch  auf  die  Nachkommen  sich  überträgt,  ist  bekannt,  und
trotzdem  werden  alljährlich  so  viele  unglückliche  Kinder  von  syphilitischen  Eltern
ins  Leben  gesetzt.  Auch  bei  den  Neugeborenen  treten  Erkrankungen  der  Hant
und  der  Schleimhäute  in  den  Vordergrund.  Allgemeine  Schwäche,  Erkrankungen
der  Knochen  oder  inneren  Organe  setzen  ihrem  Leben  meist  ein  baldiges  Ziel.