812  Taulaufen  —  Temperaturmessungen.

der  Beweglichkeit  der  Hörknöchelchen  (Verkalkung  derselben),  was  stets  Schwerhörigkeit
  zur  Folge  hat.  Man  bewahre  das  Ohr  vor  starken  Geräuschen  und
vernachlässige  nicht  Katarrhe  oder  Schmerzen.  Manchmal  werden  nasse  Watteeinlagen,
  feuchtwarme  Packung  der  ganzen  Ohrgegend,  Rückengüsse  und  heiße
Beinbäder,  auch  Massage  des  Kopfes  und  Erschütterung  der  Ohrgegend
innere  Befreiung  und  feineres  Hörvermögen  schaffen.  Je  nach  der  Art  des
Ohrleidens  muß  die  Behandlung  gehandhabt  werden.

Caulaufen.  Menschen,  die  ohne  Schuhe  aufgewachsen  sind  und  nur
ausnahmsweise  Schuhe  anlegen,  verstehen  nicht,  wie  man  das  Betreten  von
nassem  Gras  als  besonderes  Heilmittel  bezeichnen  kann;  Kulturgeschöpfe  aber,
die  in  jeder  Weise  verweichlicht  sind  und  mit  der  nackten  Sohle  nicht  einmal
eine  blank  geschenerte  Diele
zu  berühren  wagen,  sind
über  eine  solche  Zumutung
anfangs  immer  sehr  entsetzt.
Die  Haut  ihrer  Sohle  ist
sehr  empfindlich,  daher  wirken
  Temperaturunterschiede
anfangs  heftig  ein  und  die
reflektorische  Wirkung  auf
—  —  .-  ..  höher  liegende  Organe  ist

Fig.  446.  Temperaturmessung  im  Darm.  zuweilen  recht  stark.  Das

Laufen  im  nassen  Grase  mit
nackten  Füßen  kann  daher  für  empfindliche  Menschen  als  stark  ableitendes
Mittel  betrachtet  werden.  Pfarrer  Kneipp  hat  das  Taulaufen  zu  Ehren  und
damit  vielen  Vergnügen  und  Nutzen  gebracht.  Unser  Bild  Fig.  443  zeigt  die
Verfasserin  der  „Hausärztin“  mit  einer  kleinen  Schar  von  Patientinnen,  wie  sie
morgens  zu  früher  Stunde  in  heiterster  Stimmung  im  taufrischen  Grase  waten
und  sich  dabei  einen  prächtigen  Appetit  zum  Frühstück  holen.  In  vielen
Naturheilanstalten  wird  dieses  schöne  Abhärtungsmittel  geübt,  und  wo  Gras
und  freier  Himmel  ist,  dort  empfehlen  wir  jedem  zur  Erfrischung  und  Kräftigung
  diesem  schönen  Beispiel  zu  folgen.

Causendgüldenkraut.  Es  enthält  einen  starken  Bitterstoff,  der
es  gegen  Verdauungsstörungen  wirksam  macht.  Man  macht  Aufgüsse,  die
wochenlang  getrunken  werden,  und  nimmt  auf  etwa  200  Gramm  Wasser
fünf  bis  zehn  Gramm  des  trockenen  Krautes.  Bei  Appetitlosigkeit  und
chronischem  Magenkatarrh  trinke  man  morgens  nüchtern  eine  Tasse  ohne
Zuckerzusatz.

CTemperaturmessungen.  Aus  dem  Vorangegangenen  weiß  der
Leser  schon,  daß  die  chemischen  Veränderungen  beim  Stoffwechsel  Wärme
erzeugen;  wenn  diese  sich  nun  abnorm  steigern,  die  „Verbrennung“  sich  vermehrt,
  so  entsteht  auch  außergewöhnliche  Wärme;  die  Haut  „brennt“,  die