Thure-Brandt-Massage.  815

Seine  Methode  besteht  darin,  daß  er  mit  einer  Hand  innerlich  den
Gebärmutterhals  stützt  und  mit  der  anderen  von  außen,  also  durch  die
Bauchdecken  durch,  die  Gebärmutter  oben  faßt,  sie  kreisförmig  streicht,  sie
in  die  richtige  Lage  schiebt,  oder  verengte  Stellen  in  der  Umgebung  der
Gebärmutter  dehnt  und  streckt,  wodurch  größere  Beweglichkeit  und  eine  Verbesserung
  der  Zirkulationsverhältnisse  erzielt  wird.  Bei  Knickungen  aber  wird
der  mehr  oder  minder  harte  Knickungswinkel  gedrückt  und  ausgestrichen,
teils  durch  die  äußere,  teils  durch  die  innere  Hand,  so  daß  auch  hier  eine
Erweichung  und  bessere  Durchblutung  entsteht  und  alte  und  heftige  Schmerzen
bei  der  Monatsblutung  beseitigt  oder  wenigstens  gemildert  werden.  Diese
„Durcharbeitung“  der  -

Gebärmutter  wird  fünf
bis  zehn  Minnten  lang
vorgenommen,  während
die  Patientin  ausgestreckt
mit  angezogenen  Beinen
liegt  und  der  Arzt  ihr
zur  Seite  sitzt.  Man
führt  die  Art  der  inneren
Behandlung  drei-,  unter
Umständen  auch  sechs-  »  -..·
mal  wöchentlich  durch,  »—-und

  zwar  ein  bis  zwei,  1

auch  drei  Monate  lang.  2  4

Handelt  es  sich  nur  um  x
allgemeine  Kräftigung  Fig.  450.  Gebärmutter-Massage.

und  Verbesserung  des  l  Masdarm  u  Gebärmutzer.  Verwachsung  der
un.  »  ebärmutter  mit  dem  Mastdarm,  die  dur
Stoffwechsels,  so  genügt  Dehnung  gelockert  wird.

meistens  schon  eine  Behandlung

  von  wenigen  Wochen;  bei  Verwachsungen  aber  und  ausgesprochenen
Verlagerungen  ist  eine  längere  Durchführung  der  Massage  nötig.  Die  Massage
ist  sehr  schwierig  und  erfordert  ausgebreitete  physiologische  und  anatomische
Kenntnisse,  sie  sollte  daher  nur  von  geübten  Arzten  und  auch  von  diesen  nur
mit  Vorsicht  ausgeübt  werden.  Da  aber  diese  Art  der  Behandlung,  wenn
sie  nur  von  männlichen  Arzten  ausgeführt  wird,  das  weibliche  Zartgefühl
sehr  verletzt,  so  hat  sie  naturgemäß  den  Ruf  nach  weiblichen  Arzten
noch  lebhafter  gemacht,  und  wir  können  im  Interesse  der  leidenden  Frauenwelt
  nur  bestätigen,  daß  es  eine  der  wichtigsten  Aufgaben  der  Arztinnen  ist,
gerade  solche  Heilmethoden  beherrschen  zu  lernen.  Leider  sehen  wir  heute
noch  den  größeren  Teil  der  deutschen  Arztinnen  als  Gegnerinnen  der  physikalisch-diätetischen
  Methoden  und  nur  als  Anhängerinnen  der  chemischoperativen,
  d.  i.  der  alten  Schulmedizin,  die  im  Schneiden  und  Atzen  ihre