816  Thure-Brandt-Massage.

größte  Kunst  erblickt.  Fig.  447  zeigt  die  Lage  der  Patientin  während  der
Massage  und  Fig.  448  bis  450  die  Stellung  der  Hände  der  Arztin  und
die  Art  der  Beeinflussung  der  Gebärmutter  durch  dieselben.

Auf  die  Frage,  ob  jeder  Fall  von  Gestalts=  und  Lageveränderung  der
Gebärmutter  der  inneren  Behandlung  durch  Massage  zugängig  ist,  antworten
wir  mit  „Nein",  ebenso  auf  die  Frage,  ob  jeder  Fall  durch  dieselbe  heilbar  sei.
Es  gibt  Entzündungen  und  Fälle  von  nervöser  Reizbarkeit,  wo  sie  keineswegs
  angezeigt  ist;  ja  wir  schließen  schon  jene  Fälle  aus,  in  welchen  ausgesprochene
  Schmerzhaftigkeit  vorhanden  ist.  In  solchen  hat  zuerst  die
Wasserheilmethode  ihre  Aufgabe
  zu  erfüllen,  und  wenn  sie  ein
schmerz=  und  entzündungsfreies  Gebiet
  geschaffen  hat,  dann  erst  kommt
Massage  an  die  Reihe.

Die  Erfahrung  hat  gelehrt,  daß
wir  auf  diese  Weise  schneller  an  das
Ziel  gelangen  und  daß  die  Patienten
weniger  dabei  zu  leiden  haben.  Bei
alten  Verwachsungen,  ferner  nicht
minder  bei  harten  Knickungen  kann
auch  die  beste  Massage  keine  vollständige
  Beseitigung  der  vorhandenen
Fehler  erzielen;  sie  kann  die  Beschwerden
  unter  Benützung  anderer
(Ausgleichung  einer  Gebärmutter-Knickung.)  Heilfaktoren  (Wasser,  Bewegung,

M  Mastdarm.  G  Gebärmutter.  Diät)  aber  vermindern,  was  ja

mitunter  schon  ein  großer  Gewinn  ist.

Daß  Thure-Brandt  eine  „zuleitende“  und  eine  „ableitende“  Massage
unterschied,  wollen  wir  hier  nicht  näher  ausführen,  da  dies  für  Laien  keinen
praktischen  Wert  hat;  wir  weisen  nur  noch  auf  die  schwedische  Heilgymnastik
hin,  welche  wir,  um  nach  jeder  inneren  Massage  abzuleiten,  auch  anwenden.
Fig.  268  bis  270  stellen  solche  wesentlichen  Ubungen  dar,  die  nebenbei  auch
von  vortrefflicher  Allgemeinwirkung  sind.  Noch  komplizierter  wird  die  Massage
ferner,  wenn  wir  sie  mit  Assistenz  ausüben,  um  eine  „Hebung"  der  Gebärmutter
  auszuführen,  die  bei  Erschlaffungszuständen  (Senkung,  Vorfall)  vortrefflich
  wirkt.  Die  Gehilfin  dringt  von  außen  tief  in  die  Bauchhöhle  ein
und  sucht  die  Gebärmutter  durch  langsamen  Zug  mit  beiden  Händen  zu
erheben,  während  die  Arztin  innerlich  dieselbe  in  die  Höhe  und  der  Gehilfin
entgegenschiebt.  Leider  eignen  sich  viele  Fälle  nicht  zu  solchen  Übungen,  so
wirksam  sie  auch  sind.

Die  gut  ausgeführte  Massage  ist  also  nicht  schmerzhaft,  ja  unmittelbar
darnach  treten  sogar  Wohlbehagen  und  leichtes  Gefühl  im  Leibe  ein.