Tripper.  819

zeichen,  die  bei  ungenügender  Behandlung  wochenlang  andauern  können.
Zieht  sich  die  Entzündung  aber  höher  hinauf,  so  werden  die  Gebärmutter
und  nur  zu  oft  Eileiter,  ja  selbst  Eierstöcke  ergriffen,  und  es  entwickeln  sich
jene  langwierigen  und  schmerzhaften  Leiden,  welche  so  oft  von  Unfruchtbar—
keit  gefolgt  sind  und  den  Frauen  das  Leben  verbittern.  Diese  Infektionskrankheit
  ist  daher  für  die  Frau  gefährlicher  als  für  den  Mann.  Wird  etwas
Tripperschleim  ins  Auge  gebracht,  so  entstehen  daselbst  heftige  und  sehr
gefährliche  Entzündungen.  Beim  Manne  hat  der  Tripper  eine  Vernarbung
und  dadurch  Verengung  der  Harnröhre  zur  Folge,  die  manchen  alten  Mann
als  Strafe  für  unsittlichen  Lebens—
wandel  in  der  Jugend  quält.
Der  Infektionsherd  kann  sich
bei  der  Frau  auf  die  Scham  er—
strecken,  hier  Entzündung  und
Brennen  verursachen  oder  kann
sich,  wie  gewöhnlich,  auf  die  Harn—
röhre,  die  Scheide  und  die  Gebär—
mutter  ausbreiten.  Dringt  der
Eiter  in  eine  der  Bartholinischen
Drüsen  ein,  so  entsteht  ein  großes
Geschwür,  das  bei  ungenügender
Behandlung  jahrelang  unausge—
heilt  bleibt  und  sehr  hinderlich
werden  dann.  Um  sich  davon  end-Fig.

  453.  Entzündung  der  Vorhant.

gültig  zu  befreien,  bleibt  nichts  (Paraphlmose.
anderes  übrig,  als  die  Drüse
vollständig  ausschneiden  zu  lassen  —  eine  verhältnismäßig  kleine  Operation,

  welche  den  alten  Eiterherd  gründlich  beseitigt.  (Siehe  Bartholinische
Drüsen  und  Fig.  288.)  Ferner  entsteht  bei  Tripperinfektion  sehr  oft  eine
Art  Warzenbildung  an  den  äußeren  Geschlechtsteilen,  sogenannte  „Spitzwarzen“
  oder  spitze  Condylome,  welche  sich  mitunter  weit  ausbreiten
und  dann  mannigfache  Beschwerden  verursachen.  Je  mehr  die  Infektion
  und  ihre  Folgen  auf  die  äußeren  Geschlechtsteile  beschränkt  bleiben,
desto  ungefährlicher  ist  die  Erkrankung  und  kann  um  so  schneller  behoben
werden.  Da  aber  die  Übertragung  durch  die  tripperkranke  Harnröhre  des
Mannes  stattfindet,  so  ist  die  Ansteckung  der  Gebärmutter  begreiflicherweise
der  häufigere  Fall.  Der  Gebärmuttertripper  kann  hitzig  oder  auch  schleichend
auftreten;  bei  chronischem,  nicht  ausgeheiltem  Tripper  des  Mannes  (ein  sehr
häufiger  Falll)  findet  die  Übertragung  im  ehelichen  Verkehr  immer  wieder
statt  und  da  wird  die  Erkrankung  der  Gebärmutter  bei  chronischem  Ausfluß
und  Entzündung  auch  fast  unheilbar  und  die  Krankheitssymptome  sind  zahlreiche.
  Daß  bei  solchen  Vorgängen  die  Gebärmutter-Innenhaut  am  schnellsten
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